Frankenthal
Frankenthaler Strohhutfest: Guerilla-Gesang, volle Zelte und gute Stimmung (mit Bildergalerie)
Auf dem Rathausplatz bereitet sich der 1. Frankenthaler Männerchor auf einen besonderen Auftritt vor. Rund 30 Sänger in roten T-Shirts stehen bereit. Die Stimmung ist locker, von Nervosität keine Spur. „Guerilla-Singen war schon immer mal die Idee und das Strohhutfest eignet sich dafür“, sagt Vorsitzender Willi Brausch kurz vor dem Start am Samstagmorgen. Bereits jetzt ist geplant, die Aktion künftig jedes Jahr zu veranstalten. Dann fällt der Startschuss. „Speyerer Tor“, lautet die Ansage, und der Tross setzt sich in Bewegung.
Die Chormitglieder verteilen Flyer, um für den Sila-Award zu werben. Währenddessen ziehen die Shirts die Blicke auf sich. „Das ist der Männerchor, die gehen übers Fest und singen überall“, erklärt eine Besucherin anderen Gästen. Menschen bleiben stehen, zücken ihre Handys und filmen. Zum Repertoire gehören der Sängerspruch „Hoch lebe die Pfalz“, das „Palzlied“ und „Rocking All Over The World“, erklären Brausch und Chorleiter Walter Zipp. Er dirigiert den Zug – heute auch durch die Innenstadt.
Eine treue Zuhörerin wartet bereits am Speyerer Tor. Elke Weitsch wippt zur Musik und verfolgt den Auftritt aufmerksam. „Ich bin wegen dem Männerchor hier“, erzählt sie. Dessen Konzerte besucht sie seit 15 Jahren. Zwar sei sie auch an den vergangenen Tagen auf dem Strohhutfest gewesen, „aber heute ist Schluss“. Nach dem Auftritt gibt es Applaus, Jubelrufe und Forderungen nach einer Zugabe. Der Chor liefert sie mit „Das Publikum war heute wieder wundervoll“ und verabschiedet sich mit der Zeile „Die Show muss weitergehen“.
Geschäfte laufen gut
Wenige Meter weiter meldet die KG Schorleschubser gute Geschäfte. „Es läuft besser als letztes Jahr“, sagt Vizepräsidentin Ilka Wagner. Am Samstagabend ist das Zelt voll. „Erstmals legt DJ Dennis auf“, berichtet Wagner. Das wirke sich positiv auf die Besucherzahlen aus. Das Publikum sei bunt gemischt. Beim Getränkeangebot setzt der Verein auf Besonderheiten. Der „Hexenfrost“, eine Mischung auf Basis des Hexenfeuers mit Säften und Wodka als Slush-Variante, zählt ebenso dazu wie der selbst kreierte Rieslinglikör. Wagner erklärt: „Wir sind immer innovativ“.
„Da steckt Herzblut drin“
Dass das Strohhutfest auch über die Region hinaus Aufmerksamkeit erzeugt, zeigt sich, wenn man mit den Besuchern an den Ständen ins Gespräch kommt. Armin Kehr aus Aachen ist über Freunde nach Frankenthal gekommen und inzwischen mit Strohhut und Buttons ausgestattet. „Viel Stimmung, so viele Vereine, die mitmachen, die ganze Organisation ist riesig“, beschreibt er seine Eindrücke. Besonders bemerkenswert finde er aber „das Herzblut, das dahinter steckt“.
Beim Kleingartenverein Rosengarten fällt die Zwischenbilanz ebenfalls positiv aus. „Dieses Jahr läuft es unerwartet gut“, sagt Vorsitzender Manfred Huchatz. Bereits Donnerstag und Freitag seien stark gewesen. Aus den Lautsprechern dröhnen am Nachmittag Mallorca-Hits und der Bereich vor der Holzhütte füllt sich, am Abend ist ein Durchkommen gar unmöglich. „Alles, was es in der Pfalz gibt“, fasst Huchatz das Getränkeangebot zusammen. Überraschender Verkaufsschlager sei jedoch Tegernseer Bier.
Schon am Samstagvormittag sind die ersten Strohhüte in Frankenthal unterwegs. Kurz vor 11 Uhr rollen Radfahrer durch die Innenstadt, auf dem Kopf das Markenzeichen des Strohhutfests. Bei 25 Grad und strahlendem Sonnenschein ist der Hut nicht nur Accessoire, sondern auch praktischer Sonnenschutz. Aus dem Zelt der Karnevalsgesellschaft Schorleschubser in der Speyerer Straße klingt leise Musik, an den Verkaufsständen wird nach passenden Hüten gestöbert. Der Samstag des 51. Strohhutfests läuft an.
Pfälzer Liedgut bei der TG
Auf dem Rathausplatz sorgt das Blasorchester Mörsch für musikalische Unterhaltung. „Hey Jude“ schallt über den Platz. Im TG-Zelt sind bereits um die Mittagszeit sämtliche Plätze besetzt. Hanewald & Sandel präsentieren „Pfälzer Liedgut und Musik, die jeder gerne hört“. Bei „So en gude Palzwoi“ stimmen zahlreiche Besucher mit ein. Ganz anders präsentiert sich das Bild am Riesenrad. Um die Mittagszeit ist nur eine Kabine besetzt.
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Während die Sonne auf den Asphalt brennt, suchen viele Besucher Schattenplätze in den Zelten. Kurz vor 14 Uhr versammeln sich Besucher vor der Rathausbühne. Familien, Jugendliche und Senioren warten auf die Auftritte der Tanzschulen aus Frankenthal und Umgebung.
Partystimmung vor der Gleis4-Bühne
Am Abend ziehen dunkle Wolken auf, doch bis auf vereinzelte Tropfen bleibt es trocken. Hinter der Zwölf-Apostel-Kirche feiern vor allem junge Besucher zu moderner Musik und alten Klassikern, während auf den Bühnen noch Soundcheck und Aufbauarbeiten laufen. Auf dem Rathausplatz lockt ab 19.30 Uhr das große Bühnenprogramm. Die Band N*Cognito tritt auf und heizt ein. Auf der Gleis4-Bühne sorgen Jens Huthoff & Band für Partystimmung. Bei „Zombie“ von The Cranberries“ hüpft und wippt die Menge synchron mit.
Linedance-Einlagen in der Bahnhofstraße
Am Stand der Arbeitsgemeinschaft Flomersheim in der Bahnhofsstraße wurde das Programm kurzfristig erweitert. Vorsitzender Dirk Wedekind berichtet von einem spontanen Einfall. „Ein DJ aus Flomersheim war am Donnerstag zu Gast. Daraus entstand die Idee, am Freitag und Samstag aufzulegen.“ Die Entscheidung kommt gut an. Vor Meyers Café tanzen am Abend junge Leute, es folgen Linedance-Einlagen.
Während die Temperaturen nur langsam sinken, steigt die Feierlaune. In den Zelten wird geschunkelt, gesungen und angestoßen. Hinter der Erkenbertruine läuft „Angels“, ehe sich das Partyvolk Richtung Gleis4 zur Afterparty oder auf den Heimweg begibt.