Gesundheit im Fokus
Ärzte dringend gesucht
Man müsse umdenken. „Wir können nicht an alten Strukturen festhalten. Man mag das bedauern, aber Hausärzte mit 70-Stunden-Wochen und einer 24-Stunden-Erreichbarkeit, die wird es künftig nicht mehr geben“, ist Guth sicher. Das Stichwort heiße „Work-Life-Balance“. Gemeint sei damit, dass junge Mediziner auch Zeit für ihre Familie oder andere Lebensinhalte als den Beruf haben möchten. Und dass sie keine Lust auf die überbordende Bürokratie hätten, die Ärzten in Deutschland zugemutet würde. „Das ist ja kein Thema des Donnersbergkreises. Ich selbst kenne etliche Mediziner, die in Österreich, der Schweiz und dem Elsass praktizieren und dort ihr Leben mit einer Work-Life-Balance genießen, die wir ihnen hier nicht bieten können“, so das Urteil des Landrats. Beschäftigungsformen wie sie in Medizinischen Versorgungszentren möglich würden, seien deshalb nicht nur zukunftsweisend, sondern zwingend. „Wir müssen uns für viele Beschäftigungsmöglichkeiten öffnen, von der Anstellung bis zur Teilhaberschaft.“
Wie sieht es vor Ort aus
Dabei ist der Ärztemangel ein bundesweites Thema. „Uns ist bewusst, dass wir nur Mediziner gewinnen können, indem wir sie an anderen Stellen abgreifen“, so Guth. Dazu brauche es gute Ideen und eine gute Startposition. Denn klar sei: Mediziner können sich ihren Arbeitsplatz heute aussuchen. Guth sieht den Ursprung des Übels in Fehlentscheidungen, die bereits Jahrzehnte zurückliegen. „Damals hat man eine drohende Ärzteschwemme befürchtet und nicht hinreichend bedacht, dass es auch zum Gegenteil, zu einem Mangel kommen kann“, kritisiert er. Völlig unverständlich ist für ihn, dass diese Haltung auch heute noch bei Entscheidungsträgern zu finden ist und erst jüngst bei einem Treffen von Gesundheitspolitikern im Kreis Kusel. „Natürlich brauchen wir auch mehr Medizinstudienplätze, das steht außer Frage!“, so dagegen die feste Überzeugung von Guth.
Im Kreis wird einiges bewegt
Es gebe im Kreis eine Vielzahl von Anstrengungen, um der schlechten medizinischen Versorgung etwas entgegenzusetzen. Darum kümmere sich seit wenigen Wochen eine extra dafür im Gesundheitsamt eingestellte Gesundheitsökonomin, denn „es braucht Know-how, Kontinuität und einen langen Atem, um in diesem schwierigen Umfeld Erfolge zu erzielen“, so Guth.
Froh sei er um den Ansatz, ein Medizinisches Versorgungszentrum in Rockenhausen zu gründen. „Wir haben die Bauplanungsreife und eine gute Mannschaft am Start“, so Guth. So könne man künftigen Medizinern hier eine attraktive „Landebahn“ bieten. In Winnweiler sei die Gründung eines MVZ sogar schon einen Schritt weiter, und in Kirchheimbolanden wurde im April ein Gesundheitszentrum eröffnet, von dem man sich eine dauerhafte Stabilisierung des Klinikstandorts erwarte.
Es brauche also persönliches Engagement, gute Ideen und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten – auch aller politisch Beteiligten –, um die medizinische Versorgung zukunftsfähig zu machen, ist Guth sicher. Und manchmal braucht man auch Erfindergeist. Ein Beispiel: „Wir haben die Leitung des Gesundheitsamtes als Teilzeitstellen ausgeschrieben und so zwei hervorragende Ärztinnen gewonnen, die sich gegenwärtig sicher niemals auf eine Vollzeitstelle beworben hätten“, so Guth. Und: „Wir sind sicher das einzige Gesundheitsamt, das eine Tierärztin beschäftigt, um den Bereich Hygiene abzudecken. Denn das können Tierärzte genauso wie Humanärzte!“, sagt Guth.
Ansprüchen der Mediziner gerecht werden
Ebenso unverkrampft müsse man an die Stellenbesetzungen im gesamten Kreis herangehen. „Wir wollen den unterschiedlichen Ansprüchen der Mediziner gerecht werden, also müssen wir auch unterschiedliche Angebote schaffen.“ Dass das nicht immer einfach sei und auf Anhieb gelinge, das habe sich in der Vergangenheit allerdings auch gezeigt. So habe sich der Kreis eine Schlappe geholt, als er angehende Mediziner zu einem Famulantencamp einlud, um zu zeigen wie schön das Nordpfälzer Land ist und wie gut es sich hier leben lasse. Mangels Bewerber wurde die Idee damals auf Eis gelegt, eine Neuauflage ist demnächst geplant.
In größeren Einheiten denken
Im Kreis wünscht sich der Landrat, dass „in größeren Einheiten“ gedacht wird. „Es ist Bundeswille, dass kleinen Häusern das Licht ausgeblasen werden soll“, so Guth. Dagegen könne man sich nur gemeinsam stemmen, sagt der Landrat, der damit auch Bezug nimmt auf die mögliche Verlagerung der Geriatrie nach Kirchheimbolanden. Schwierig sei dabei, dass es zu wenige Geriater gibt und für den Standort Kirchheimbolanden spreche zudem, dass ein Krankenhaus umso besser und stabiler sei, je mehr Abteilungen es hat. Am Standort Rockenhausen müsse man möglicherweise völlig andere „Denk“-Wege gehen. „Vielleicht würde Rockenhausen eine Reha mehr nützen, in der Geriatrie liegen nur etwa zehn Prozent der Donnersberger. Oder würde uns eine Kinder- und Jugendpsychiatrie guttun, in der mit Sicherheit viele Arbeitsplätze entstehen würden“.
Wie erleben Sie die Situation?
In einer Serie wollen wir die medizinische Versorgung im Donnersbergkreis, den Landkreisen Kaiserslautern und Kusel sowie der Stadt Kaiserslautern unter die Lupe nehmen. Ihre Meinung interessiert uns dabei! Wie zufrieden sind Sie mit der ärztlichen Versorgung im Donnersbergkreis? Welche Erfahrungen haben Sie mit Haus- und Fachärzten gemacht? Schreiben Sie uns eine E-Mail an unser Redaktionspostfach reddonn@rheinpfalz.de und vergessen Sie dabei nicht Ihren Wohnort und Ihre Telefonnummer.