Kaiserslautern
Wie gut ist die ärztliche Versorgung in der Region?
In der Stadt Kaiserslautern gibt es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) 144 Stellen für Fachärzte (inklusive Kinderärzte), 26,75 Stellen für Psychotherapeuten sowie 58 Stellen für Hausärzte. Das klingt im ersten Moment nach einem breiten Angebot: Doch gerade für Kassenpatienten sind die Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt oft lang. Und wer sich im Oberzentrum auf die Suche nach einem neuen Hausarzt macht, wird auch nicht selten enttäuscht: Denn so mancher Allgemeinmediziner nimmt keine neuen Patienten mehr auf. Oder nur solche, die privat versichert sind.
Ein Problem, das nicht auf die Stadt begrenzt ist. Im Landkreis Kaiserslautern mit seinen 72 Hausarzt- und 53 Facharztstellen entscheidet jedoch zudem vor allem der Wohnort darüber, auf welches medizinische Angebot die Bürger ohne weite Anfahrt zurückgreifen können: Während im westlichen Speckgürtel der Stadt zahlreiche Mediziner ansässig sind, sieht es beispielsweise im Lautertal eher düster aus. Einige Zahlen: In Landstuhl mit seinem Krankenhaus, dem Zentrum für ambulante Rehabilitation und den Medizinischen Versorgungszentren gibt es laut KV 31,75 Facharztstellen, 1,5 Stellen für Psychotherapeuten und 10,75 Stellen für Hausärzte. Hinzu kommen im benachbarten Ramstein-Miesenbach sechs Haus- und zehn Facharztstellen. Auch Bruchmühlbach-Miesau, Rodenbach, Weilerbach und Reichenbach-Steegen sind gut versorgt.
Im Lautertal sieht’s mau aus
Dieser Konzentration im westlichen Landkreis steht konträr das Lautertal gegenüber, in dem nur eine Handvoll Ärzte ihren Sitz hat: Nach Angaben der KV gibt es lediglich 2,15 Hausarztstellen, die sich auf die großen Gemeinden Otterbach, Katzweiler und Olsbrücken verteilen. Fachärzte? Fehlanzeige. Ein Problem, das mit dem Zuschnitt der Bezirke durch die Kassenärztliche Vereinigung zusammenhängt, wie der SPD-Landtagsabgeordnete Daniel Schäffner schon länger kritisiert: Die Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg bilde mit der Stadt Kaiserslautern einen Bezirk – mit der Folge, dass die Mediziner innerhalb dieses Bereichs lieber im Oberzentrum praktizierten. „An diesem Zuschnitt kann ,die Politik’ aufgrund der ärztlichen Selbstverwaltung nichts ändern. Obwohl ich das zumindest punktuell gerne tun würde, damit sich die Praxen wieder mehr auf die Ortschaften verteilen, statt sich auf wenige, meist größere Gemeinden zu konzentrieren.“
Denn genau darin liege im Kreis Kaiserslautern das Problem, sagt Schäffner: Blicke man nur auf die blanken Zahlen der Statistik, wirke die Region gut versorgt. „Das ähnelt für mich aber teilweise dem Vergleich mit der einen Hand auf der Herdplatte und dem Fuß im Eiseimer“, so der SPD-Politiker. „Da ist die Körpermitte dann im Mittel auch gut temperiert.“
Das Problem der ungleichen Verteilung wird sich verschärfen, wenn in den nächsten Jahren viele Ärzte in Rente gehen. Denn das Durchschnittsalter der praktizierenden Mediziner ist hoch: 15 Prozent der Hausärzte in Stadt und Kreis sind zwischen 65 und 69 Jahre alt, neun Prozent sogar schon über 70. Hinzu kommt, dass 53 Prozent der Hausärzte bereits den 50. Geburtstag hinter sich haben, diese Mediziner also auch in absehbarer Zeit das Rentenalter erreichen.
Kaum junge Ärzte
Junge Ärzte gibt es dagegen in der Region selten: Nur ganze fünf Prozent der Hausärzte sind unter 39 Jahre alt, 18 Prozent liegen in der Altersklasse zwischen 40 und 49 Jahren. Kaum besser sieht es übrigens bei den Fachärzten aus: Auch hier sind 56 Prozent der Mediziner laut KV älter als 55 Jahre. Bei den Hausärzten sind es 61 Prozent.
Diese (landesweit zu beobachtende) Überalterung der Ärzteschaft, die laut KV Anfang der 1990er Jahre durch einen kurzfristigen Niederlassungsboom der damals über 40-Jährigen verursacht wurde, führt nun dazu, dass bis zum Jahr 2026 in der Region Kaiserslautern 86 Haus- und 138 Facharztstellen nachzubesetzen sind.
Wer aufhört, bleibt oft ohne Nachfolger
„Wo sollen diese Mediziner herkommen?“, fragt der CDU-Landtagsabgeordnete Marcus Klein und weist darauf hin, dass bereits in den vergangenen fünf Jahren 40 Allgemeinmediziner aus der vertragsärztlichen Versorgung in Stadt und Landkreis ausgeschieden sind – und davon etliche ohne Nachfolger blieben. „Allein im Versorgungsgebiet Kaiserslautern, zu dem neben der Stadt auch der östliche Teil des Landkreises gehört, wurden seit 2017 29 hausärztliche Praxen geschlossen, aber nur elf neu eröffnet.“ Im Bereich Landstuhl, der die Verbandsgemeinden Landstuhl, Ramstein-Miesenbach und Bruchmühlbach-Miesau umfasst, gab es laut Klein im gleichen Zeitraum vier Schließungen, denen zwei Neueröffnungen gegenüberstanden. „Eine besorgniserregende Entwicklung“, findet Klein und fürchtet, dass das flache Land in Zukunft noch schlechtere Karten hat als bislang schon.
Selbst ein Werbevideo hilft nicht weiter
Beispiel Queidersbach: Hier gab es einst drei Hausärzte; jetzt ist nur noch einer übrig, der wohl ebenfalls in absehbarer Zeit in Rente gehen wird. Um Allgemeinmediziner anzuwerben, hat der Ortsbürgermeister sogar einen Videofilm produziert und wirbt damit auf Facebook für seine 2800-Einwohner-Gemeinde. Die Suche nach einem Hausarzt blieb bislang dennoch erfolglos. Ebenso ging es seinem Amtskollegen im fast gleich großen Nachbarort Bann, wo es seit drei Jahren gar keinen Hausarzt mehr gibt. Doch dort scheint wenigstens Licht am Ende des Tunnels, denn 2024 soll ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) im Ort eröffnet werden.
„Zusammenschlüsse von Ärzten in Gemeinschaftspraxen oder Zentren können Teil der Lösung sei“, findet denn auch Daniel Schäffner. Sie müssten nur ausreichend in der Fläche verteilt sein und gute Arbeitsperspektiven für Ärzte bieten. „Denn perspektivisch wird es nur noch mit sehr guten Arbeitsbedingungen, einer guten Work-Life-Balance, möglich sein, medizinische Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.“
Medizinstudium in Lautern?
Dass es aber auch für die MVZ eine ausreichende Anzahl junger Ärzte geben muss, darauf weist sein CDU-Landtagskollege Klein hin: „Mehr Studienplätze müssen her“, lautet seine Forderung. 450 Studienplätze im Jahr seien für Rheinland-Pfalz zu wenig. „Wenn die Universitätsmedizin in Mainz an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, dann brauchen wir eben eine weitere Fakultät“, findet der Steinwendener und kann sich Kaiserslautern durchaus in dieser Rolle vorstellen. „Das Westpfalz-Klinikum ist eh schon Ausbildungsklinikum.“
Ohne eine steigende Anzahl an Studienplätzen bleibe es bei einer „Mangelverwaltung“. Und in diesem Wettbewerb um wenige junge Ärzte könne das flache Land nicht gewinnen. „Bei dieser Nummer macht die Alte Welt oder auch Queidersbach den letzten Platz.“
So sieht es im Donnersbergkreis aus.
So sieht es im Landkreis Kusel aus.
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