Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel 33 Hausärzte stehen vor der Rente

Der Standort des Westpfalz-Klinikums lockt Ärzte in die Region.
Der Standort des Westpfalz-Klinikums lockt Ärzte in die Region.

Der Altersschnitt der Haus- und Fachärzte im Landkreis Kusel hinterlässt bei Landrat Otto Rubly einen sorgenvollen Blick in die Zukunft. Der CDU-Politiker wünscht sich, dass auch das Westpfalz-Klinikum verstärkt in die Mediziner-Ausbildung einsteigt. Der Arzt und SPD-Politiker Oliver Kusch sieht die Lage weniger dramatisch.

Im Landkreis Kusel gibt es 43,5 Stellen für Haus- und 39 für Fachärzte, die mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Hinzu kommen zwölf Psychotherapeuten. Das Problem: 22 Prozent der Hausärzte sind über 70 Jahre alt, weitere 22 Prozent über 65 Jahre. Bei den Fachärzten gehören ein Viertel der Altersklasse 60 bis 64 an, haben also auch kein langes Berufsleben mehr vor sich.

Der hausärztliche Versorgungsgrad im Landkreis liegt aktuell nur noch bei 92,37 Prozent. Bei 100 Prozent wäre die erforderliche Anzahl an Medizinern in Anbetracht der 70.000 Einwohner des Landkreises vorhanden. Soll heißen: Schon jetzt fehlen mindestens dreieinhalb Hausarztstellen.

25 Sprechstunden in der Woche

Ein Versorgungsauftrag gilt als erfüllt, wenn der Arzt mindestens 25 Sprechstunden in der Woche hält. Durch angekündigte Zulassungssperren war es Anfang der Neunzigerjahre zu einem Niederlassungsboom bei den damals über 40-Jährigen gekommen. Die maximale Anzahl der Ärzte und Psychotherapeuten für die Behandlung gesetzlich Versicherter regelt die sogenannte Bedarfsplanung. Auf regionaler Ebene ist dafür der Landesausschuss zuständig, dem Vertreter der Ärzte und der Krankenkassen angehören.

Die Bedarfsplanung wurde 1993 eingeführt. Sie sollte eine wohnortnahe Versorgung sicherstellen. In gut versorgten Gebieten wurden nämlich Zulassungssperren eingeführt. Unmittelbar vor der Einführung stellten bundesweit über 10.000 Ärzte noch schnell einen Zulassungsantrag. Diese Generation steht nun vor der Rente.

Auch sieben Neueröffnungen

Bis 2026 gehen nach einer Berechnung der Kassenärztlichen Vereinigung 33 Hausärzte im Kreis Kusel in Ruhestand. Das sind 73 Prozent der derzeitigen Mediziner, die mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Hinzu kommen 26 Fachärzte (57 Prozent) und sieben Psychotherapeuten (35 Prozent).

Die Prognosen sind ein Problem, weil in den vergangenen fünf Jahren neun Hausarztpraxen geschlossen wurden. Dem gegenüber stehen sieben Neueröffnungen.

Landärzte in Ausbildung

Oliver Kusch, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und niedergelassener Kardiologe aus Kusel, sieht die Situation weniger dramatisch. Die Anzahl der Sitze sei in den 1990er Jahren willkürlich gewählt worden. Wichtig ist für ihn ein guter Mittelweg. Damit meint Kusch: die Anzahl der künftigen Mediziner erhöhen und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie von der Praxistätigkeit leben könnten.

Das Land investiere mit dem Medizin-Campus in Trier in die Ausbildung in den Kliniken. Gleichzeitig seien bereits 30 Ärzte in der Ausbildung, die sich verpflichtet hätten, sich anschließend für zehn Jahre in einem unterversorgten Gebiet niederzulassen. Für diese Landarztausbildung sei bewusst vom Numerus-Clausus-Verfahren abgerückt worden. „Das sind oft Personen, die vorher eine andere medizinische Ausbildung hinter sich gebracht haben und in vielen Fällen später gute Ärzte sind“, meint der Sozialdemokrat.

40 Prozent bleiben in der Region

Die Bleibe-Quote liege in Rheinland-Pfalz bei 40 Prozent. Das ist der Anteil der jungen Mediziner, die sich nach dem Studium auch in dem Bundesland niederlassen. Dass Hausärzte ihren Praxissitz heute nicht mehr an den Nachfolger verkaufen könnten, sei nun mal so. Für diese einst übliche Methode könne man kein Gewohnheitsrecht ableiten, erklärt Kusch. Kusel profitiere vom Westpfalz-Klinikum: „Junge Ärzte, die in Kusel oder Kaiserslautern ausgebildet wurden, merken, dass es viel günstiger und einfacher ist, sich in der Peripherie niederzulassen statt in einem Ballungsraum.“

Landrat Otto Rubly, Vorsitzender des Aufsichtsrates beim Westpfalz-Klinikum, sieht die Lage deutlich weniger entspannt. In der Altersklasse von 30 bis 39 Jahren gebe es so gut wie keine Hausärzte im Landkreis. „Langfristig mache ich mir da ganz große Sorgen“, erklärt der CDU-Politiker. Die Tele-Medizin-Pläne bei dem Smart-City-Projekt seien deshalb ganz wichtig.

Probleme in der Alten Welt

Rubly unterstreicht, dass durch die Nähe zur Homburger Uni-Klinik und zum Westpfalz-Klinikum der Südkreis und auch die Kreisstadt weniger betroffen wären. Ganz anders sehe es aber im Nordkreis aus. „Das gilt auch für Bad Kreuznach und den Donnersbergkreis. Das wird ein großes Thema für die Alte Welt.“

Rubly ist der Meinung, dass die Landesregierung nach wie vor zu wenig Medizin-Studienplätze anbietet. Er könne nicht nachvollziehen, dass nur der Medizin-Campus in Trier zusätzlich eingerichtet worden sei. Das Westpfalz-Klinikum habe Interesse bekundet und sei nicht gehört worden. Dem Land laufe die Zeit davon: „Bis ein Mediziner ausgebildet ist, vergehen zehn Jahre.“

Ein Weg aus der Notlage sind in den Augen des Landrates Medizinische Versorgungszentren (MVZ). Dort könnten die Ärzte geregelte Arbeitszeiten leichter umsetzen. „Wenn heute zwei Ärzte ausscheiden, brauchen sie drei neue“, kommt Rubly auf den hohen Frauenanteil bei Medizinstudienplätzen zu sprechen. Das führe zu mehr Erziehungszeiten, was absolut legitim sei. Nur darauf müsse die Politik eben auch eine Antwort finden.

So ist die Lage in Stadt und Kreis Kaiserslautern

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