FCK
Rote Teufel: Keine Trainerfrage nach Happy End
In einer Loge im Fritz-Walter-Stadion hat sich die Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern am Sonntag nach dem Auslaufen versammelt und gemeinsam das Derby zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Bayern II geschaut. Das Ergebnis dieser Partie sollte den Ausschlag geben, dass der FCK vor dem letzten Spieltag den Verbleib in der Dritten Fußball-Liga gesichert hat.
Nicht lange beim gemeinsamen Fußballgucken der regelmäßig auf Corona getesteten Profis dabei war Trainer Marco Antwerpen. Als Armindo Sieb die „kleinen Bayern“ in der 13. Minute in Führung brachte, entschied der 49-Jährige, sich ins Auto zu setzen und gen Heimat zu fahren. Zu diesem Zeitpunkt war der FCK nicht vorzeitig gerettet. „Ich hatte in diesem Moment kein gutes Gefühl“, sagte Antwerpen der RHEINPFALZ später am Telefon. „Von anderen Ergebnissen abhängig zu sein, ist keine schöne Situation“, gestand der Trainer.
Antwerpen: „Jungs sind raus aus ihrer Komfortzone“
Nach dem Schlusspfiff in München fiel dann auch bei ihm einiges ab. Durch das 2:2 im Derby kann der FC Bayern II wie Meppen, Lübeck und das bereits abgestiegene Unterhaching nicht mehr am FCK vorbeiziehen. Die Roten Teufel können mit ihren 42 Punkten und Rang 15 nach dem vorletzten Spieltag nicht mehr auf einem der vier Abstiegsplätze 17 bis 20 landen. Antwerpens Handy stand nicht mehr still. „Es war klar, dass es eine schwierige Aufgabe wird. Als wir die Mannschaft übernommen haben, hatte sie erst drei Spiele gewonnen. Wir mussten sie auf Siege umpolen“, sagte der Trainer – und schob dann nach: „Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen. Die Jungs haben die Situation im richtigen Moment erkannt, sind raus aus ihrer Komfortzone.“
Was sich nach dem Schlusspfiff des Münchner Derbys in der Loge des Fritz-Walter-Stadions abspielte, bekam der Trainer nicht mit. Die Spieler hielt es nicht mehr auf den Stühlen, sie lagen sich jubelnd in den Armen. „Es sind ein paar Flaschen kaputt gegangen“, meinte FCK-Außenverteidiger Philipp Hercher schmunzelnd – und gab einen Einblick in seine Gefühlswelt: „Überragend. Wir haben es einen Spieltag vor Schluss geschafft. Das hätten nach der Niederlage in Magdeburg die wenigsten gedacht. Da waren wir sieben Punkte hinter einem Nichtabstiegsplatz. Es ist eine riesige Last, die jetzt abfällt. Der Druck, dem wir die letzten Wochen standhalten mussten, das hat die Mannschaft überragend gemacht.“
Zimmer: „Es wurde noch einen Tick schwerer“
Ähnlich sieht es auch Kapitän Jean Zimmer: „Als Mannschaft können wir extrem stolz auf uns sein. Ein fettes Dankeschön geht an die Fans, die uns unterstützt haben, als keiner an uns geglaubt hatte. Das ist nicht selbstverständlich, aber das ist der FCK.“ Im Januar kam Zimmer auf Leihbasis vom Zweitligisten Fortuna Düsseldorf zurück nach Kaiserslautern, zu seinem Herzensverein. „Ich wusste, was für eine schwere Aufgabe vor uns liegt – und es wurde noch einen Tick schwerer“, erzählte der 27-Jährige. „Jeder einzelne FCK-Fan ist dieses Jahr mindestens fünf Jahre gealtert.“
Trainer hat Vertrag für nächste Saison
Keine Angaben hat der FCK bislang zur Vertragslaufzeit seines Trainers gemacht. Der Kontrakt sei stark erfolgsabhängig, hieß es. „Ich habe einen Vertrag für die nächste Saison“, sagte Antwerpen nun am Sonntag der RHEINPFALZ. Das bestätigte auch Thomas Hengen, der Geschäftsführer Sport der Roten Teufel, dieser Zeitung. „Die Frage erübrigt sich, da er sowieso im Vertragsverhältnis steht“, betonte der 46-Jährige und ließ ein Lob für Cheftrainer Antwerpen folgen. „Er hat den Tanz auf der Rasierklinge mehr als gemeistert und identifiziert sich zu 100 Prozent mit dem Verein“, sagte Hengen. Der Sportchef ist ob des nun gesicherten Klassenverbleibs erleichtert. Vor allem wegen der Planungssicherheit, die er jetzt hat, vor allem das anstehende Personalpuzzle betreffend. „Jetzt können wir endlich Gespräche mit Blick auf die neue Saison führen“, sagte der Sportchef. Und doch hat er immer noch an der ersten Hälfte des 3:3 des FCK am Samstag bei Viktoria Köln nach 1:0-Führung und 1:3-Pausenrückstand zu knabbern. „Wir haben drei Geschenke verteilt“, sagte Trainer Antwerpen mit Blick auf die Gegentore.
Die Fragen nach dem Warum und wie die Löcher in der Defensive zu stopfen sind, werden ein großes Thema bei der kritischen Saisonnachbetrachtung sein. Und in der Vorbereitung auf eine neue Drittliga-Spielzeit nach geglückter Aufholjagd in einer unterm Strich vermurksten Runde.



