Interview
Landrat Ihlenfeld: Das Besondere der Pfalz ist ihre Vielfalt
Herr Ihlenfeld, wo ist für Sie die Pfalz am pfälzischsten?
Das ist eine ganz schwierige Frage, weil die Pfalz viele Gesichter hat. Aber sehr typisch ist schon das Hambacher Schloss als Ort der Freiheit und Wiege der Demokratie. Hier fängt der Pfälzerwald an, und man hat den weiten Blick in die Rheinebene mit den Weinbergen. Ein sehr zentraler Ort in der Pfalz.
Und mit diesem Bild im Kopf war es Ihr größter Wunsch, Vorsitzender der pfälzischsten aller Institutionen der Pfalz zu werden, des Bezirksverbands?
Naja, ob es der größte Wunsch war, weiß ich nicht. Aber ich hatte schon den reizvollen Gedanken, für die Pfalz eine wichtige Funktion ausüben zu wollen.
In Ihrer Antrittsrede sagten sie, es sei nicht die dankbarste Rolle, in einem politischen Amt auf Theo Wieder zu folgen. Wie ich ihn kenne, hat er Sie bestimmt ordentlich gebrieft ...
Ja, das stimmt. Wir hatten im Vorfeld meiner Wahl zum Bezirkstagsvorsitzenden, als sich die Koalition der CDU mit SPD und FWG abzeichnete, mehrere Termine unter dem Stichwort Wissenstransfer. Die hatten das Ziel, mich mit Besonderheiten des Bezirksverbandes und seiner verschiedenen Einrichtungen, aber auch einzelnen Vorgängen vertraut zu machen. Ein so wichtiges Amt aus dem Stand zu übernehmen, ohne Vorbereitung, wird der verantwortungsvollen Aufgabe nicht gerecht.
Sie sprachen von großen Fußspuren, in die Sie nun treten. Haben Sie Respekt vor der Aufgabe?
Ja, sicherlich, allein schon vor dem zeitlichen Aufwand. Ich habe in den zurückliegenden Tagen öfter gesagt, dass sich die Übernahme des Bezirksverbands so anfühlt, als bekomme ein Landrat noch einen weiteren Landkreis dazu. Angesichts der Vielfalt und Schwierigkeit der Aufgabe ist das, glaube ich, ziemlich zutreffend. Die Bezirksordnung sieht den Bezirkstagsvorsitz jedoch als Ehrenamt vor. Gewollt ist dabei durchaus, das zeigt die Liste der Vorgänger, dass diese Funktion in Verbindung mit einem politischen Hauptamt wahrgenommen wird.
Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger haben Sie nicht das Privileg, diese Funktion als „ehrenamtliches Hauptamt“ auszufüllen. Sie müssen das mit Ihrem Job als Landrat vereinbaren. Wie kann und wird das funktionieren?
Es ist ambitioniert, das möchte ich einräumen. Gelingen kann es nur durch striktes Zeitmanagement – indem ich in meinem Wochenplan klar festlege, wann ich für den Bezirksverband tätig bin und wann für den Landkreis. In Bad Dürkheim gibt es wichtige Termine wie die regelmäßigen Treffen des Kreisvorstands und Sitzungen der Gremien. Ähnlich ist es beim Bezirksverband, wo ein sogenannter Jour fixe stattfindet mit den leitenden Mitarbeitern der Zentralabteilung in Kaiserslautern. An diesen Fixpunkten wird sich meine Arbeit orientieren.
Das klingt ein bisschen wie die Suche nach Lücken im Alltag ...
Ich muss schauen, wie ich das hinbekomme. Für mich ist klar: Ich muss Aufgaben verteilen und delegieren – sowohl im Kreis als auch im Bezirkstag. In der konstituierenden Sitzung ist es ja schon angeklungen: Wir werden im Bezirksvorstand eine Art Dezernatsmodell einführen, das genau diesen Sinn hat. Die Besonderheit ist dort, dass der Vorsitzende nach der Bezirksordnung eine sehr große und umfassende Verantwortung trägt.
Sie haben in Klaus Weichel (SPD) einen erfahrenen Bezirkstagsmann an Ihrer Seite, mit Marc Weigel (FWG) einen vergleichsweise jungen Oberbürgermeister. Fehlt da nicht mindestens eine Frau an der Spitze?
Das könnte ich mir sehr gut vorstellen. Aber es kommt bei den Besetzungen auch auf die politische Konstellation und die Vorschläge der Koalitionspartner an. Ich bin mir sicher, wir werden zu dritt vertrauensvoll zusammenarbeiten, aber auch viele Frauen einbinden, die im Bezirksverband an leitender Stelle tätig sind.
Vielen Menschen ist der Bezirksverband der Pfalz nicht sehr vertraut. Sie nutzen zwar seine Einrichtungen, wissen aber häufig nicht so genau, wer dahinter steht. Woran liegt das?
Ich habe in vielen Gesprächen während des Wahlkampfs die Erfahrung gemacht, dass der Verband den meisten Bürgern unbekannt ist. Einige waren sich nicht im Klaren, dass sie bei etlichen vorhergehenden Kommunalwahlen einen Wahlzettel für den Bezirkstag ausgefüllt haben. Wenn ich ihnen dann über die verschiedenen Einrichtungen berichte, wird vielen erst bewusst, was der Bezirksverband leistet. Wir müssen daher weiter daran arbeiten, dass Bezirkstag und Bezirksverband noch bekannter werden – sozusagen als die große Klammer, die in der Pfalz für Kultur, Geschichte, Bildung aber auch für Gesundheit, Ökologie und Natur steht.
Neben dem Eigenmarketing ist die Herausforderung auch, das Ganze zu finanzieren. Wie sieht es denn aus mit der Solidarität der Städte und Kreise in Zeiten knapper Kassen?
Ich könnte es mir ganz einfach machen und darauf verweisen, dass der Bezirksverband als große historische Errungenschaft eine gesetzliche Grundlage hat. Und die regelt, dass die Kommunen automatisch Mitglieder sind und eine Umlage zu zahlen haben. Das wäre aber zu kurz gedacht. Wir müssen auf die Finanzlage der Kommunen Rücksicht nehmen und es schaffen, dass diese Solidarität erhalten bleibt und alle vom Nutzen des Bezirksverbands überzeugt sind. Es gibt Regionen in der Pfalz, in denen wie in Kaiserslautern sehr viele Einrichtungen vertreten sind. In anderen Städten und Kreisen ist das nicht der Fall. Trotzdem gibt es viele Angebote, von denen alle profitieren. Ein Beispiel ist das Biosphärenreservat Pfälzerwald, das viele am Wochenende zum Wandern und zur Erholung ansteuern. Ich möchte vor allem im Digitalen aufrüsten, damit der Bezirksverband für alle Pfälzer in dieser Welt noch präsenter ist.
Das Thema Pfalz steht bei jungen Leuten hoch im Kurs: Musik, Klamotten, das Dubbeglas. Was ist für Sie denn identitätsstiftend?
Ich bin schon lange bei der Pfalztouristik aktiv und habe bei dieser Tätigkeit gelernt, dass es in Deutschland kaum eine touristische Marke gibt, die so stark vertreten wird wie die Pfalz. Die Pfälzerinnen und Pfälzer sind stolz auf ihre Region. Das Besondere, das die Pfalz ausmacht, ist für mich die Vielfalt – die Vielfalt der Landschaft, die Vielfalt der Orte und die Vielfalt der Traditionen. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Pfalz immer eine Region geprägt von Zuwanderung, aber auch von Kriegen war. Es hat dadurch immer viele Veränderungen gegeben.
Jetzt geht für Sie die richtige Arbeit im Bezirksverband los. Was wird das erste große Thema sein, dem Sie sich widmen wollen oder müssen?
Es gibt mehrere große Themen. Eines ist die Verlagerung der Pfalzbibliothek in das Gebäude der Landeszentralbank in Kaiserslautern. Hier ist es ganz wichtig, dass in den kommenden Wochen Entscheidungen zu Fördermöglichkeiten fallen, damit wir das umsetzen können. Dieses Projekt hat Strahlkraft weit über die Stadt und die Region Kaiserslautern hinaus. Ein anderes Thema ist das Pfalztheater – vor allem unter dem Gesichtspunkt der Finanzierung, weil sich hier große Lücken aufgetan haben und diese weiter da sein werden. Dazu müssen wir mit allen Beteiligten, dem Theater, der Stadt Kaiserslautern und dem Land Gespräche führen.
Zur Person
Geboren ist Hans-Ulrich Ihlenfeld (61) zwar außerhalb der Pfalz in Polch (Kreis Mayen-Koblenz), 1964 folgte allerdings direkt der Umzug nach Haßloch (Kreis Bad Dürkheim). Nach dem Abitur in Neustadt, dem Jurastudium in Passau und Mannheim sowie vier Jahren als Rechtsanwalt in Landau startete Ihlenfelds Karriere im Staatsdienst als Referent im sächsischen Kultusministerium. Nach neun Jahren im Freistaat kehrte der CDU-Politiker 2004 als hauptamtlicher Bürgermeister nach Haßloch zurück. 2013 wählten ihn die Bürger des Kreises Bad Dürkheim zum Landrat. Nach fünf Jahren im Bezirkstag hat Ihlenfeld Anfang September als Vorsitzender des pfälzischen Parlaments die Nachfolge von Theo Wieder (69) an.