Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Bezirkstag wählt Landrat Ihlenfeld zum Vorsitzenden

Traditioneller Tagungsort der konstituierenden Sitzung des Bezirkstags: das Hambacher Schloss.
Traditioneller Tagungsort der konstituierenden Sitzung des Bezirkstags: das Hambacher Schloss.

Abschiedsstimmung auf dem Hambacher Schloss: Nach 20 Jahren zieht sich CDU-Politiker Theo Wieder als Chef des Bezirkstags zurück. Er gibt dem Parlament der Pfalz einige ernste Botschaften mit auf den Weg. Sein Nachfolger und Parteifreund Hans-Ulrich Ihlenfeld möchte vor allem eins nicht sein: Ankündigungspolitiker.

Theo Wieder spielt zum Abschluss seiner zwei Jahrzehnte als Vorsitzender des Bezirkstags noch mal Schicksal: Das Los muss entscheiden, ob ein Ausschusssitz an die Grünen oder die FWG geht. Zwei Zettel landen in einer Mütze. Und Wieder zieht ... die Grünen – jene Partei also, mit der er die zurückliegenden fünf Jahre in einer Dreierkoalition mit CDU und SPD zusammengearbeitet hat. Dass Fraktionssprecherin Irmgard Münch-Weimann auf einen weiteren möglichen Losentscheid verzichtet und den Freien Wählern den Vortritt lässt, spricht für die Arbeitsatmosphäre im Parlament der Pfalz.

Nichts weniger als eine Zäsur

„Wie bisher geräuschlos und hocheffizient“ – so soll es nach den Worten von Klaus Weichel (SPD), bisheriger und künftiger stellvertretender Vorsitzender des Bezirkstags, auch in neuer Konstellation weitergehen. Denn: Wenige Tage vor der konstituierenden Sitzung hatten Christ- und Sozialdemokraten noch verkündet, ihre Arbeit künftig im Bündnis mit der FWG fortsetzen zu wollen. 17 der 29 Mandate haben die drei Partner – ein sicheres Polster auch für die Personalien, die auf dem Hambacher Schloss vor allen inhaltlichen Fragen zu klären sind.

Dem Bezirkstag steht tatsächlich bei seinem ersten Treffen nach der Kommunalwahl nichts weniger als eine Zäsur bevor: Theo Wieder zieht sich nach 20 Jahren an der Spitze zurück und verabschiedet sich, wie er in seiner letzten Rede vor dem Bezirkstag sagt, vom „schönsten hauptberuflichen Ehrenamt, was die Pfalz zu vergeben hat“. Tatsächlich hatte der frühere Frankenthaler Oberbürgermeister nach seinem Ausscheiden aus diesem die Chance, den Bezirksverband noch achteinhalb Jahre sozusagen in Vollzeit zu führen.

Sein Nachfolger Hans-Ulrich Ihlenfeld (61, CDU), der am Freitag 20 Ja-, sechs Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen bekommt, hat diese Chance als amtierender Landrat des Kreises Bad Dürkheim (noch) nicht. Geplant ist deshalb eine Verteilung von Zuständigkeiten und Aufgaben mit seinen beiden Stellvertretern nach dem Vorbild der Dezernate in Kommunalverwaltungen. Neben dem Kaiserslauterer Ex-OB Weichel komplettiert der Neustadter Rathauschef Marc Weigel (FWG) das Führungstrio.

Wechselbad der Gefühle

Ihlenfeld spricht nach dem Amtseid von einem Wechselbad der Gefühle: Einerseits sei er stolz auf seine Wahl an die Spitze des Bezirkstags, andererseits empfinde er Respekt und Demut vor den anstehenden Aufgaben und Herausforderungen. Er wolle insofern sich nicht als „Ankündigungspolitiker“ präsentieren, sondern sich schrittweise voranarbeiten. Vorgänger Wieder hatte den Fraktionen für die künftige Zusammenarbeit zuvor noch ins Stammbuch geschrieben: „Kluge demokratische Politik erfordert Ernsthaftigkeit, Skepsis gegenüber schnellen Schlagzeilenlösungen, eine von gegenseitigem Respekt getragene Kommunikation sowie Vertrauen in die Ehrlichkeit und Seriosität des jeweils anderen.“

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