Homburg
Johanneum: Orden lehnt Reaktion zu Missbrauchsstudie ab
Die Studie des Teams um die Mannheimer Historikerin Sylvia Schraut zum Bistum Speyer ist nicht die einzige, die sich mit Fällen von sexuellem Missbrauch am Homburger Johanneum beschäftigt. Die Herz-Jesu-Missionare, unter deren Leitung das katholische Gymnasium bis 2005 stand, haben nach ihren Angaben ein eigenes Gutachten zu Einrichtungen ihres Ordens in Auftrag gegeben.
Ein zentrales Thema der am 8. Mai in Mannheim vorgestellten Studie: Gewalt und sexuelle Übergriffe in Heimen und Schulen ab 1946. Die Wissenschaftler bezeichnen sie in ihrer Arbeit als „Hotspots“ – also Schwerpunkte von Fällen. In der vergangenen Woche haben die Leiterinnen des Jugendwerks St. Josef (Landau-Queichheim), des Caritas-Förderzentrums Nikolaus von Weis (Landstuhl) und des Nardinihauses (Pirmasens) mit einer gemeinsamen Erklärung reagiert und um Verzeihung für von Priestern, Ordensleuten und Mitarbeitern begangene Taten gebeten.
„Keine neuen Missbrauchstaten“
Ähnliches lehnt Martin Kleer, Provinzial der Norddeutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Missionare, mit Blick auf die aktuell vorgelegten Forschungsergebnisse ab: „In der genannten Studie (...) werden keine neuen Missbrauchstaten durch Ordensangehörige oder diesbezügliche Vorwürfe aufgeführt, auf die wir reagieren müssten und dann auch reagieren würden“, schreibt der Vertreter des auch als Hiltruper Missionare bekannten Ordens auf Anfrage.
Er verweist in seiner Antwort auf mehrfach öffentlich und im direkten Kontakt mit Betroffenen vorgetragene Bitten um Verzeihung. Dies sei unter anderem 2010 der Fall gewesen und 2018 wiederholt worden, als auf dem Gelände des Johanneums ein Gedenkort für Opfer des Missbrauchs eingerichtet wurde. Eine Gelegenheit, sich erneut zu den Vorgängen zu äußern, sieht Kleer gekommen, wenn die eigene Studie des Ordens veröffentlicht werde. Einen Termin dafür nannte Kleer nicht.
Studie stellt schlechtes Zeugnis aus
In der von der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (UAK) des Bistums beauftragten Studie komme das Johanneum „nur am Rande“ vor, sagt der Provinzial. Tatsächlich ist das Gymnasium keine Einrichtung des Bistums, Trägerin ist inzwischen eine gemeinnützige GmbH. Im Stiftungsbeirat der Schule sitzen mit Kleer selbst und einem weiteren Pater weiter Vertreter der Missionare. Die Mannheimer Studie widmet dem Johanneum aber im Gegensatz zu Kleers Darstellung mehrere Abschnitte zur Geschichte, zu Trägerstrukturen, zu den Missbrauchsvorwürfen selbst und zum Umgang damit. Insbesondere zu Letzterem stellt sie den Patres ein schlechtes Zeugnis aus.