Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Islamist Lorenz K.: Schon wieder geht es um Terror zu Weihnachten

„Mein Mandant hat mit dieser Sache nichts zu tun“: Rechtsanwalt Wolfgang Blaschitz über die Rolle seines Schützlings im neuen mu
»Mein Mandant hat mit dieser Sache nichts zu tun«: Rechtsanwalt Wolfgang Blaschitz über die Rolle seines Schützlings im neuen mutmaßlichen Terrorfall. Archivfoto: Hämmelmann

Ein österreichischer Hintermann des gescheiterten Ludwigshafener Weihnachtsmarkt-Attentats macht in seinem Heimatland erneut Schlagzeilen: Obwohl er im Gefängnis sitzt, soll er wieder in ein Terror-Komplott verwickelt sein. Der bisherige Wiener Justizminister musste deshalb eine zerknirschte Stellungnahme abgeben.

Empört ist der 19-Jährige, als ihm im April 2018 in einem Wiener Gerichtssaal sein Urteil verkündet wird: Neun Jahre Haft soll Lorenz K. absitzen, vor allem wegen versuchten Massenmords. Denn nach seinem Beitritt zur Terrorbande IS feuerte er Ende 2016 im Online-Chat einen damals Zwölfjährigen an, der ein Selbstmordattentat auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt begehen wollte. Diesen damals strafunmündigen Jungen verstecken die rheinland-pfälzischen Behörden seither an einem geheim gehaltenen Ort, sein älterer Komplize büßt derweil in einem Gefängnis im niederösterreichischen Krems.

Und schon wieder geht es um Weihnachtsmärkte

Allerdings hat es der mittlerweile 20-Jährige nach RHEINPFALZ-Informationen geschafft, sich ein Handy in die Strafanstalt schmuggeln zu lassen. Und über dieses Smartphone soll ein Terror-Komplott eingefädelt worden sein, in dem es schon wieder um Attentate auf Budendörfer ging. In internen Dokumenten der österreichischen Behörden steht: Geplant wurden „Sprengstoffanschläge auf Weihnachtsmärkte in Wien beim Stephansplatz, Salzburg sowie Deutschland, Frankreich und Luxemburg“, im Dezember sind deshalb zwei Tschetschenen festgenommen worden. Doch als Kopf der mutmaßlichen Verschwörung gilt ein Landsmann der beiden, der ohnehin schon hinter Gittern saß: Sergo P., ein als Gefährder eingestufter 24-Jähriger. Verurteilt wurde er, weil er immer wieder nach Syrien reisen und sich dort den islamistischen Kämpfern anschließen wollte. Und im Kremser Gefängnis steckte ihn die Justiz ausgerechnet in die Zelle neben jener, in der Lorenz K. einsaß. Prompt sollen sich die beiden bestens verstanden, zum Beispiel miteinander gebetet haben. Und offenbar haben sie sich auch das Smartphone geteilt.

Bloß von anderen Häftlingen angeschwärzt?

Dass damit Anschläge geplant wurden, haben einige Beschuldigte nach Angaben ihre Anwälte aber schon zurückgewiesen. Sie behaupten demnach, dass andere Häftlinge sie bloß angeschwärzt hätten. So oder so, Lorenz K.s Anwalt Wolfgang Blaschitz beteuert: „Mein Mandant hat mit dieser Sache nichts zu tun. Er wundert sich, was die Ermittler überhaupt von ihm wollen.“ Als recht harmlosen jungen Mann hatte der Jurist seinen Schützling schließlich auch schon vor knapp zwei Jahren im Prozess beschrieben – zum Beispiel, als es da um eine Deutschland-Reise ging. Kurz nach dem gescheiterten Anschlag auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt war Lorenz K. 2016 zu seinem Gesinnungsgenossen Kevin T. im nordrhein-westfälischen Neuss gefahren. Gemeinsam machten sich die beiden etwa gleichaltrigen Islamisten dort ans Bombenbauen, Zubehör hatte der Gast schon in Österreich besorgt. Schließlich, so brüstete sich der Sohn bestens integrierter albanischer Eltern damals, wollte auch er bald ein Selbstmordattentat begehen: Westliche Soldaten sollte es treffen, als Anschlagsziel hatte er sich die Militärbasis Ramstein erkoren.

Erst Sex, dann Bomben für Anschlag in Ramstein

Zuallererst allerdings ließ sich Lorenz K. in Mönchengladbach von einem Hinterhof-Imam für 120 Euro mit einer in der Region lebenden Tochter marokkanischer Eltern „verheiraten“, die er bis dahin nur aus dem Internet kannte. Und gleich darauf eilte das Paar in ein Hotel, um dort, wie es die Juristen formulierten, „die Ehe zu vollziehen“. Also versicherte Anwalt Blaschitz später recht unverblümt: Eigentlich hatte sein Mandant bei diesem Ausflug nur Sex im Kopf. Und beim nur knapp gescheiterten Anschlagsversuch in der Pfalz sei er auch eher eine Randfigur gewesen. Denn im Vergleich zu dem damals zwölfjährigen Sohn irakischer Eltern aus Ludwigshafen sei Lorenz K. noch gemäßigt aufgetreten – zum Beispiel in Chat-Gruppen, in denen diskutiert wurde, ob Frauen versklavt werden dürfen. Und als Zeuge hatte der Junge dann auch selbst behauptet, dass er sich von seinem älteren österreichischen Internet-Bekannten nichts vorgeben ließ. Doch dem Nachrichtenverlauf der beiden war zum Beispiel zu entnehmen: Es war der Wiener, der seinem jüngeren Komplizen den Weihnachtsmarkt als Anschlagsziel empfohlen gemacht hatte.

Denn in der Apostelkirche gäbe es weniger Opfer

Seine Begründung dafür: Dort gäbe es bestimmt mehr Opfer als beim wahrscheinlich nur schlecht besuchten Sonntagsgottesdienst in der Ludwigshafener Apostelkirche, die der Zwölfjährige zunächst heimsuchen wollte. Also endete der Wiener Prozess gegen Lorenz K. mit dem Neun-Jahre-Urteil. Wie die Justiz seine Rolle im neuen mutmaßlichen Terror-Komplott bewertet, ist offen: Einerseits ist er nach Angaben der für diesen Fall zuständigen Staatsanwaltschaft in Graz offiziell als Zeuge eingestuft. Doch andererseits schweigen die Strafverfolger zu der Frage, ob trotzdem gegen ihn ermittelt werde. Dafür hat der gerade wegen des österreichischen Regierungswechsels aus dem Amt geschiedene Wiener Justizminister noch etwas zu dem Umstand gesagt, dass Lorenz K. in Krems als Zellennachbarn ausgerechnet den islamistischen Gefährder Sergo P. bekam. Clemens Jabloner gestand ein: Das Haftraum-Management sei „zu verbessern“.

Vorkehrungen für den Terrorprozess: Im Frühjahr 2018 urteilte ein Wiener Gericht über Lorenz K., der in den Attentatsversuch ein
Vorkehrungen für den Terrorprozess: Im Frühjahr 2018 urteilte ein Wiener Gericht über Lorenz K., der in den Attentatsversuch eines Zwölfjährigen in Ludwigshafen verstrickt war. Foto: Hämmelmann
Drohvideos im Netz: Zunächst beschimpfte der Junge aus Ludwigshafen andere Kinder mit Filmen wie diesem Internet.
Drohvideos im Netz: Zunächst beschimpfte der Junge aus Ludwigshafen andere Kinder mit Filmen wie diesem Internet. Foto: Hämmelmann
Ende 2016 wollte der damals Zwölfjährige dann einen Selbstmordanschlag auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt verüben.
Ende 2016 wollte der damals Zwölfjährige dann einen Selbstmordanschlag auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt verüben. Foto: Hartschuh
Einen seiner Eigenbau-Sprengsätze fand die Polizei in einem Versteck am Rathaus-Center.
Einen seiner Eigenbau-Sprengsätze fand die Polizei in einem Versteck am Rathaus-Center. Foto: KUNZ
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