Tiere
Die Farbe Rot bringt Klarheit
Aber hallo! Wer nimmt denn da das gesamte Futterhaus für sich in Anspruch und lässt den Rest der Vogelschar hinten anstehen? Auffällig bunt ist der Kerl, und sein Schnabel ist auch nicht von schlechten Eltern. Tollpatschig sieht er aus mit seinen dicken Krallen und der Art, wie er da sitzt und sich mehr oder weniger auf seinem keilförmigen Schwanz abstützt, fast so, als nutze er die Federn als drittes Bein. Eindeutig, da labt sich ein Buntspecht, unsere häufigste Spechtart.
Wenn sich der Dezember in der Pfalz als mild erweist, dann sind die ersten Trommelwirbel der Buntspechte zu vernehmen. Das hat nichts damit zu tun, dass sich Herr und Frau Specht Würmer und Käfer aus dem Holz hämmern. Nein, die Spechte nutzen ihr Trommeln zur Kommunikation. Andere Vögel erheben ihre Stimme, der Buntspecht benutzt seinen Schnabel und das Gehölz, um sich mitzuteilen. Das hämmernde Bearbeiten des Astes bedeutet schlicht: Hier bin ich, wo bist du? Wenn unten bei uns das Klopfen ankommt, steckt also oben im Baum ein Buntspecht sein Revier ab oder ist auf Partnersuche. Dabei gehen sowohl das Männchen als auch das Weibchen hämmernd zur Sache.
Rufe unterscheiden sich kaum
Ist der Buntspecht dagegen am Rufen, ist die Zuordnung zur Art nicht mehr ganz so klar. Die Rufe ähneln dem des Mittelspechts. „Der Buntspecht ist an seinen kurzen und scharfen ,Kick’-Lauten zu erkennen, die bei erhöhter Beunruhigung in eine längere ,Kick’-Rufreihe ausarten können“, beschreibt der Spechtkenner und Landeskoordinator „Monitoring häufiger Brutvögel“, Peter Ramachers. Der Mittelspecht rufe gerne von vornherein mit einem beginnenden lauten „Kick“ und dann einer abfallenden „Kück-Kück-Kück-Kück-Kück“-Rufreihe. Der Mittelspecht habe zudem einen besonderen Revierruf, der aus einigen nasalen, quäkenden Tönen „Gwäk-Gwäk-Gwäk“ besteht und bei ungeübten Hörern oft eine gewisse Ratlosigkeit hervorruft. Während der Buntspecht sein Revier betrommelt, wird beim Mittelspecht also gequäkt.
Ratlosigkeit taucht aber nicht nur beim Hören auf. Man muss als Laie schon zweimal hinschauen, wenn die bunten Gesellen auftauchen: Welcher ist es denn nun, Bunt- oder Mittelspecht?
Die Farbe Rot bringt Klarheit. Der Mittelspecht trägt ganzjährig einen komplett rot gefärbten Scheitel auf dem Kopf, hat eine mit feinen, schwarzen Federn senkrecht gestrichelte Brust sowie einen leicht rosafarbenen Unterbauch. Beim ähnlich gefärbten Buntspecht besitzt das Männchen nur am Hinterkopf einen kleinen roten Fleck. Das Weibchen ist am Kopf schwarz-weiß gefärbt. Buntspechte sind im Gegensatz zu den Mittelspechten an der Bauchgegend stark rot gefärbt. Jetzt kann es keine Verwechslung mehr geben!
Doch, sagt Peter Ramachers und verweist auf die im Frühsommer durch das Geäst turnenden, schon flüggen jungen Buntspechte. Die Jungspunde haben bis zur ersten Mauser nämlich ebenfalls einen rot gefärbten Scheitel, genau wie die Mittelspechte. Zwar trägt der junge Buntspecht eine etwas andere Schwarzfärbung und verfügt bereits über einen kräftigeren Schnabel. Aber für Nicht-Experten ist es schwer zu unterscheiden, wer sich da gerade zeigt.
Geschätzte Meisenknödel
Deutlich häufiger wird es wohl der Buntspecht sein, der in den Wintermonaten auf der Suche nach Futter und Wasser seinen bewaldeten Lebensraum verlässt und sich im Garten blicken lässt. Buntspechte sind Allesfresser, sie leben von Sämereien, Nüssen, Kiefern-, Tannen- oder Fichtenzapfen. Und sie wissen auch einen geschmackvollen Meisenknödel zu schätzen.
Wer einen Specht im Wald entdeckt, wie er einen Zapfen in einem Ast einklemmt, der sieht den Specht an seiner Schmiede. Buntspechte zimmern richtige Furchen in einen Ast, um diesen dann als „Werkbank“ zu nutzen. Zapfen werden eingeklemmt, um an die feinen Samenblättchen zu kommen. Von einer „Spechtschmiede“ spricht hier der Fachmann, der Laie kann einfach nur staunen, auch weil der Specht dank seiner Zehenkonstellation und einer Wendezehe hervorragend klettern kann und sich zudem noch mit seinem Stützschwanz Halt verschafft. Das ist auch beim Höhlenzimmern hilfreich.
Die Spechthöhlen sind dabei eine Bereicherung für viele Tierarten. Die kleinen Meisen, die Hohltaube, auch mal das Eichhörnchen oder der Siebenschläfer, die Wildbiene oder die Wespe, sie alle wären ohne den Buntspecht und seine Verwandten wohnungslos. Nun ist es nicht so, dass sich die Spechte nach getaner Arbeit mit einer Hausbesetzung auseinandersetzen müssen. Sie bauen viel mehr Höhlen als sie selbst brauchen. Sofern ihnen passende Bäume mit Totholz zur Verfügung stehen.
So benötigt etwa der Mittelspecht, der nur unwesentlich kleiner ist als der Buntspecht, aber einen recht schwach ausgebildeten Schnabel hat, ein Brutrevier mit hohem Eichenanteil und vielen abgestorbenen Altholzstämmen. Nur in diese kann er eine eigene Bruthöhle zimmern.
„Die Brutbestände des Mittelspechtes sind in unserer Region während der letzten Jahre erfreulicherweise gewachsen. Vermutlich hängt das auch damit zusammen, dass viele Eichengehölze, die er als Bruthabitat bevorzugt, in den vergangenen 20 bis 30 Jahren das Mindestalter für ihn erreicht haben, sodass er sich ausbreiten kann“, freut sich Peter Ramachers über eine positive Entwicklung. Das heißt, auch der Mittelspecht kann im Winter durchaus mal am Futterhaus auftauchen.
