Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Hoffnung für den Feldhamster: Stadt Mannheim wildert weitere 180 Tiere aus

Jetzt ist „Karl“ an der Reihe: Bürgermeisterin Diana Pretzell entlässt einen von insgesamt 15 Feldhamstern in die Freiheit.
Jetzt ist »Karl« an der Reihe: Bürgermeisterin Diana Pretzell entlässt einen von insgesamt 15 Feldhamstern in die Freiheit.

Mannheims Hamsterpopulation steigt wieder kräftig an. Im kleinen Stadtteil Straßenheim werden auch in diesem Jahr wieder 180 der possierlichen Nager ausgewildert.

Das Projekt ist eine Erfolgsgeschichte, und Hamster aus Mannheim sind mittlerweile ein echter Exportschlager, wie Bürgermeisterin Diana Pretzell (Grüne) und Diplom-Biologe Ulrich Weinhold von der Universität Heidelberg berichten. „Wir haben hier ausgesetzte Hamster schon in Hessen entdeckt“, betont Weinhold. Rund 2700 der streng geschützten Art wurden seit 2007 auf Mannheimer Feldern ausgesetzt. Auslöser war damals der Bau der SAP-Arena, für den eine ganze Hamsterkolonie vom Mannheimer Süden in den Norden umquartiert werden musste.

„Früher war der Feldhamster in der Rhein-Neckar-Region sehr verbreitet“, erklärt Weinhold. Aber eine monotone Landwirtschaft, Bodenversiegelung und zahlreiche weitere Faktoren machten dem Nagetier aus der Familie der Wühler das Leben so schwer, dass er in ganz Europa und auch hier in der Region immer mehr von der Bildfläche verschwand. „Unser Ziel ist, dass sich die Art hier wieder verbreitet“, sagt Pretzell.

Einstieg über Röhren

Dabei sind die 15 nun ausgewilderten Exemplare echte Kinder der Metropolregion. Immerhin wurden die Tiere ein Jahr lang im Bereich des Heidelberger Zoos von Weinhold und seinem Team auf das Leben in Freiheit vorbereitet. Ein großer Schritt, wie der Fachmann verdeutlicht. „Es geht sozusagen von einem ,All-inclusive-Buffet’ in die Selbstversorgung.“ Immerhin wird den Tieren dieser Weg einigermaßen erleichtert. So wurden die ersten Behausungen von Weinhold und seinem Team auf etwa 60, 70 Zentimeter Tiefe vorgebohrt, der Einstieg in die „Entlass-Röhre“ trainiert. Über diese Röhre rutschen die Hamster rückwärts in ihre neue Behausung. Hin und wieder lässt sich einer durch ein leichtes Pusten auf seine schwarze Fellnasen ermuntern.

Mit einem geübten Griff sorgen Bürgermeisterin Diana Pretzell und Diplom-Biologe Ulrich Weinhold dafür, dass die Hamster in ihre
Mit einem geübten Griff sorgen Bürgermeisterin Diana Pretzell und Diplom-Biologe Ulrich Weinhold dafür, dass die Hamster in ihre neue Behausung hinabrutschen können.

Noch wichtiger sei allerdings die Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten, betont Pretzell. „Die müssen ihre Felder hamsterfreundlich bewirtschaften.“ Das sei nicht immer leicht, wie Peter Müller einräumt. Auf seinem Feld werden die ersten 15 Tiere in diesem Jahr ausgewildert. „Man ist in seiner Entscheidung über die Bepflanzung nicht mehr frei“, erläutert der Landwirt. So sei die eiweißreiche Kleeart Luzerne zwar eine beliebte Futterpflanze für die Tierhaltung, die den Hamstern darüber hinaus durch ihre Höhe einen gewissen Sichtschutz vor Raubvögeln biete, doch für gesunde Böden sei Abwechslung in der Bepflanzung wichtig. Zudem sei Getreide für Landwirte wirtschaftlich deutlich lukrativer. „Aber bislang haben wir mit der unteren Naturschutzbehörde immer Lösungen gefunden. Diese Zusammenarbeit funktioniert wirklich sehr gut“, lobt Müller.

„Wir tragen für die Hamster eine große Verantwortung“, unterstreicht Bürgermeisterin Diana Pretzell. Schließlich gehe die Anzahl der Nager in anderen Schutzgebieten trotz aller Bemühungen deutlich zurück. In Mannheim schwanke die Zahl der Tiere zwar jährlich, sei aber insgesamt leicht ansteigend. „Wir haben hier im Norden im vergangenen Jahr 128 Hamsterbaue gezählt“, berichtet Pretzell. 2014 seien es allerdings noch 244 gewesen.

„Hamsterfläche“ nimmt zu

Dafür seien die Feldhamster offensichtlich gewandert. „Im Bösfeld“, also in unmittelbarer Nachbarschaft zur SAP-Arena, sei die Anzahl der Nager hingegen von 71 auf 141 angestiegen. Insgesamt ein gutes Zeichen. Auch die „Hamsterfläche“ sei mit den Jahren größer geworden, wie die Bürgermeisterin ausführte. „Begonnen haben wir mit 40 Hektar. Jetzt sind wir bei einer Fläche von 165 Hektar.“ Dabei eigne sich der Süden Mannheims deutlich besser für eine Wiederansiedlung. „Der Hamster mag für seine Bauten eher lockere Lössböden. Wir haben hier einen alten Neckararm mit viel Ton“, erklärt Landwirt Peter Müller.

Der Heidelberger Neuzüchtung scheint aber auch diese Erschwernis im unterirdischen Heimatbau nichts mehr auszumachen, und so werden nun wieder 180 Jungtiere in die Freiheit entlassen – in ein glückliches, freies und möglichst abwechslungsreiches Hamsterleben.

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