Im Garten RHEINPFALZ Plus Artikel Klimataugliche Gehölze: Die Pinie

Nicht Italien, sondern Vorderpfalz: In Meckenheim wächst diese Pinie direkt an einer Straße.
Nicht Italien, sondern Vorderpfalz: In Meckenheim wächst diese Pinie direkt an einer Straße.

Wenn Hecken und Bäume in der Sommerhitze braun werden und man mit dem Wässern nicht mehr nachkommt, ist es Zeit, über Alternativen nachzudenken. In loser Folge sollen klimataugliche Gehölze für Gärten vorgestellt werden. Den Anfang macht die Pinie.

Der aus den kühl-feuchten Regenwäldern Kanadas und der USA stammenden und bei Gärtnern sehr beliebten Thuja wird es seit ein paar Jahren in der sonnendurchglühten Pfalz schlichtweg zu heiß und zu trocken. Sie gehört ebenso wie Birke, Fichte und Vogelbeere (Eberesche) zu den Verlierern des Klimawandels. Die Pinie (Pinus pinea) dagegen kann die Hitze besser aushalten.

Sie ist der Sehnsuchtsbaum für alle, die gerne in den mediterranen Süden reisen. Dass sie sich auch für unsere Breiten eignet, stellt die Pinie in Gärten der Rheinebene schon seit mehr als 30 Jahren unter Beweis. Nicht zuletzt hat sie zur Bezeichnung „Toskana Deutschlands“ für die Pfalz beigetragen. Jedoch taucht die Pinie so gut wie nie auf Empfehlungslisten für Zukunftsbäume im Klimawandel auf.

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Rund ums Mittelmeer und bis nach Großbritannien

Verbreitet ist der Nadelbaum entlang der Mittelmeerküste von der Iberischen Halbinsel bis zum westlichen Italien, von Albanien bis Kleinasien, an der Schwarzmeerküste und südlich bis zum Libanon. Darüber hinaus wurde er in milderen Regionen Frankreichs (wo die Pinie „Pin parasol“ – „Sonnenschirm-Pinie“ heißt) und der britischen Inseln (als „Stone Pine“ – „Steinkiefer“) angepflanzt.

Die ursprüngliche Heimat dieser Kiefernart lässt sich nur schwer ausmachen, weil sie vom Menschen an vielen Stellen zum einen als Zierbaum und zum zweiten wohl vor allem wegen ihrer essbaren Samen kultiviert wurde. Bis zu 100 köstliche Pinienkerne kann ein einzelner Pinienzapfen haben, bis zu 60 Kilo Früchte bringt ein Baum hervor. In Italien wird er als „Pino domestico“ („häuslicher Baum“) bezeichnet. Für die geschälten Samen, die „Pinoli“ gibt es viele Verwendungsmöglichkeiten in der Küche.

Typische Schirmform der Baumkrone

15 bis 25 Meter hoch und bis zu 300 Jahre alt werden kann der Baum mit der anfangs breit-kegelförmigen Krone. Das typische wolken- oder schirmförmige Aussehen der Krone entwickelt sich erst im Lauf der Zeit. Die Nadeln sind zunächst bläulich und kurz und werden mit zunehmendem Alter 17 bis 20 Zentimeter lang und dunkelgrün. Die glatte, graubraune Schuppenborke wandelt sich ebenfalls im Lauf der Zeit. Die sich ablösenden schmalen Platten weichen attraktiven rötlichen Rindenschichten.

Mit der Zeit erhält der Nadelbaum seine charakteristische Rindenstruktur.
Mit der Zeit erhält der Nadelbaum seine charakteristische Rindenstruktur.

Pinien ertragen im Winter kurzzeitig 15 Minusgrade und bringen im Frühsommer gelbe männliche und gelbgrüne weibliche Blüten hervor, aus denen sich zehn bis 15 Zentimeter lange und acht bis zehn Zentimeter breite Zapfen mit dicken Schuppen entwickeln. Bis zur Geschlechtsreife geht einige Zeit ins Land: Etwa 20 Jahre kann es dauern, bis die ersten, gelb-rotbraunen Zapfen am Baum erscheinen. Für einen Baum, der bis zu 300 Jahre alt werden kann, nichts Außergewöhnliches.

Zapfen als Zeichen der Auferstehung

Pinienzapfen, die als Zeichen der Auferstehung und der Unsterblichkeit angesehen werden, dienen stilisiert in südlichen Ländern zum Beispiel als Grabschmuck. Auch als Vorlage für dekorative Gartenaccessoires aus Terrakotta oder Stein werden sie im Mittelmeerraum und bei uns verwendet. Darüber hinaus ist die Zapfenform als schmiedeeisernes Zaunbauteil, im Haushalt als krönender Abschluss von Porzellanterrinen sowie als Kuchen- und Ausstechform zu finden.

Leider ist in der Pfalz immer wieder zu sehen, dass Pinienkronen durch regelmäßigen Schnitt pilzförmig gehalten und den Bäumen andere Nadelbaumarten in nächster Nähe beigesellt werden, was den schönen Pinien viel von ihrer Ausstrahlung nimmt. Im Garten kann sie sowohl als Solitärgehölz oder – falls genügend Platz vorhanden ist – auch zu mehreren in einem kleinen Hain kultiviert werden.

Die Kiefernart möchte einen feuchten, tiefgründigen und gut durchlässigen Boden mit mittlerem Nährstoffgehalt. Im Mittelmeergebiet ist sie auch auf sandigen und kiesigen Standorten anzutreffen. Staunässe verträgt die Pinie wie viele andere Bäume nicht. Für kleine, regelmäßige Kompostgaben sind Jungbäume in den ersten Standjahren dankbar.

Pinienkerne sind vielseitig verwendbar

Ist die Pinie auch als hitzeverträglicher Straßenbaum der Zukunft denkbar? So weit wird es bei uns wohl nicht kommen. Obwohl: keine Regel ohne Ausnahme. Im vorderpfälzischen Meckenheim stimmt eine bereits seit Jahrzehnten am süd-östlichen Ortsrand stehende Pinie mit ihrem mediterranen Flair Besucher auf die Toskana Deutschlands ein.

Beeindruckend ist die große Anzahl an Speisen mit rohen oder gerösteten Pinienkernen. Sie eignen sich für Aufläufe, Eintöpfe, Pesto, Suppen, Salate, herzhafte, orientalische und natürlich mediterrane Gerichte ebenso wie für Backwaren und Desserts. Die proteinreichen Kerne haben einen stark nussigen Geschmack.

Sie enthalten außerdem die Vitamine A, B1, B2 und E sowie die Mineralstoffe Eisen, Calcium, Phosphor und Magnesium. Für Veganer und Vegetarier sind Pinienkerne auch eine wertvolle pflanzliche Eiweißquelle. Allerdings sollte man beim Verzehr auf die schlanke Linie achten: 100 Gramm der wohlschmeckenden Pinoli haben fast 600 Kalorien.

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