Wort des Jahres Was Ampel-Aus und heiße Höschen gemein haben

Mal war sie defekt, flackerte oder blinkte nur noch: Die Ampelkoalition hat wenigstens die Kreativität vieler Journalisten beflü
Mal war sie defekt, flackerte oder blinkte nur noch: Die Ampelkoalition hat wenigstens die Kreativität vieler Journalisten beflügelt.

„Ampel-Aus“ ist das Wort des Jahres 2024. Von der Kunst, komplexe Ereignisse in Schlagzeilen zu übersetzen.

Manchmal braucht selbst die oft so komplizierte deutsche Sprache („Verkehrsinfrastrukturfinanzierungsgesellschaft“) nicht viele Buchstaben, um Großes auszudrücken. „Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus!“, jubelte der Sportreporter Herbert Zimmermann 1954, als Deutschland überraschend Fußball-Weltmeister wurde.

Ganz so ausgelassen wie beim „Wunder von Bern“ war der Jubel nicht, als am 6. November in Berlin die ungeliebte Ampel-Koalition zerbrach. Es war mehr ein Aufatmen, das durch große Teile der Republik ging. Und Journalisten, die immer nach prägnanten Formulierungen für komplexe Sachverhalte suchen, hatten schnell die passende Schlagzeile parat: „Ampel-Aus!“

Sprachlich interessant

Am Freitag kürte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) „Ampel-Aus“ zum Wort des Jahres 2024. Das Ende der Ampelkoalition im Bund habe für einen Paukenschlag gesorgt, hieß es zur Begründung. Als sprachlich interessant bezeichnete die Jury an dem Begriff die Alliteration, weil beide Wortbestandteile mit dem Buchstaben A beginnen. Zudem tauche die Präposition „aus“ in diesem Fall als Substantiv auf.

Auf dem zweiten Platz der Liste landete der Begriff „Klimaschönfärberei“. Damit ist die Praxis gemeint, die Auswirkungen des Klimawandels oder die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen zu beschönigen oder zu verharmlosen. Unternehmen versuchten dabei, sich umweltfreundlicher darzustellen, als sie in der Realität seien, hieß es.

Möglichst kurze Begriffe

Den dritten Platz belegte das Wort „kriegstüchtig“. Deutschland müsse bis 2029 kriegstüchtig werden, hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kürzlich gefordert. Im vergangenen Jahr war „Zeitenwende“ zum Wort des Jahres gekürt worden.

Die GfdS ist eine politisch unabhängige Vereinigung zur Pflege und Erforschung der deutschen Sprache mit Sitz in Wiesbaden. Das Wort des Jahres kürt die Vereinigung seit 1971, es soll den sprachlichen Nerv des sich dem Ende neigenden Jahres treffen und so einen Beitrag zur Zeitgeschichte liefern. Der erste ausgewählte Begriff lautete vor 53 Jahren „aufmüpfig“, auf den weiteren Plätzen folgten „Umweltschutz“ und „heiße Höschen“ – schon damals waren Alliterationen geschätzt. Außerdem möglichst kurze Begriffe. Und „Ampel-Aus“ klingt ja auch griffiger als „Ampelkoalitionsregierungsauflösung“.

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