Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Polen nicht aufhört, Rechnungen nach Berlin zu schicken

Natürlich weiß Polens neuer Präsident Karol Nawrocki ganz genau, dass Berlin nicht auf seine Billionen-Forderung eingehen wird
Natürlich weiß Polens neuer Präsident Karol Nawrocki ganz genau, dass Berlin nicht auf seine Billionen-Forderung eingehen wird

Die Reparationsforderungen an Deutschland kommen in Polen gut an. Das liegt auch an deutscher Ignoranz gegenüber seinem Nachbarn.

Es ist ein Klassiker im Repertoire der polnischen Rechtsnationalen: Reparationsforderungen gegenüber Deutschland. 1,3 Billionen Euro verlangt die PiS-Partei für die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Mit dem Thema lässt sich in Polen punkten, weil es auf einen in der Bevölkerung weit verbreiteten Mix aus nationalem Selbstbewusstsein und historischen Traumata trifft. Über lange Zeit war Polen kein souveränes Land, wurde von seinen Nachbarn unterdrückt, besetzt, aufgeteilt und von der Landkarte getilgt.

Noch heute sind die abscheulichen Schandtaten, die Deutsche während des Zweiten Weltkriegs an Polen verübten, in jeder Familie tief verwurzelt und prägen das kollektive Gedächtnis.

Berlin lehnt ab

Leider ignoriert Deutschland die polnischen Initiativen zum gemeinsamen Erinnern viel zu oft und bestärkt damit das Klischee vom arroganten Nachbarn. Erst seit Juni liegt in Berlin ein provisorischer Gedenkstein für die polnischen Opfer der Nazi-Herrschaft. Von der Idee – die aus Polen und nicht etwa aus Deutschland kam – bis zur Behelfslösung dauerte es mehr als 13 Jahre.

Zwar weiß Polens neuer Präsident Karol Nawrocki ganz genau, dass Berlin nie auf seine Billionen-Forderung eingehen wird. Dort betrachtet man die Reparationsfrage als rechtlich abgeschlossen. Aber solange es zu Hause Stimmen bringt, werden die nationalistischen Kräfte in Warschau nicht aufhören, munter Rechnungen nach Berlin zu schicken.

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