Meinung Scholz und Merz: Die Unbeliebten

Rivalen um das Kanzleramt: Olaf Scholz (links) und Friedrich Merz.
Rivalen um das Kanzleramt: Olaf Scholz (links) und Friedrich Merz.

Die SPD will den Wahlkampf auf das Duell zwischen Regierungschef Scholz und Unions-Kanzlerkandidat Merz zuspitzen. Warum das nicht reichen wird.

Bundestagswahlen waren immer Duelle zwischen den beiden Kanzlerkandidaten der Volksparteien SPD und Union. Manche Zweikämpfe gelten als legendär, etwa jene zwischen Franz-Josef Strauß und Helmut Schmidt, zwischen Helmut Kohl und Oskar Lafontaine oder zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder. Das waren immer Wettbewerbe von Persönlichkeiten, die Regierungserfahrung vorweisen konnten und denen niemand politische Erfahrung abgesprochen hätte. Bei der nächsten Bundestagswahl wird das anders sein.

Das Duell zwischen Olaf Scholz und Friedrich Merz um die Kanzlerschaft wird bestritten von zwei Männern, die sich selbst für beeindruckende Kandidaten halten. Beide sind bei den Menschen im Land indes nicht sehr beliebt. So viel zu den Gemeinsamkeiten. Der Unterschied zu bisherigen Kanzler-Duellen wird sein, dass in der kurzen Wahlkampfzeit die maximale Zuspitzung gesucht wird, bei der vor allem die Reputation von Unionskandidat Friedrich Merz angegriffen werden soll.

Angriffe, die nicht fair sind

Schon immer galt es im Wahlkampf, dem Gegner die politische Eignung für ein höheres Amt abzusprechen. Allerdings dürften die Angriffe auf Merz sehr stark in den Bereich der Privatsphäre zielen. Merz wird als Mann attackiert werden, der aus der Zeit gefallen ist, der mit Frauen nicht souverän umgehen kann und aufgrund seines privaten Wohlstands die Sorgen der Menschen nicht kennt.

Allenfalls Gerhard Schröder (SPD) nutzte als Kanzlerkandidat derartige Angriffe, um seine Herausforderin Angela Merkel (CDU) auf der persönlichen Ebene bloßzustellen. Die kinderlose Ostdeutsche, so die damals von der SPD gestreute Erzählung, verkörpere nicht die Erfahrungen der meisten Frauen, denen wichtig sei, wie sie Familie und Job unter einen Hut bekämen. Gerade erst hat Merkel beschrieben, wie verletzend das für sie war. Solche Angriffe sind schlichtweg nicht fair.

Etikett: Hitzkopf

Unbestreitbar verfügt Merz nicht über Erfahrungen in einem Regierungsamt. Dies wird der Dreh- und Angelpunkt der SPD-Argumentation gegen den Sauerländer sein, thematisch festgemacht am Ukraine-Krieg. Während Scholz mit den Attributen Nervenstärke und Besonnenheit um die Wählergunst wirbt, wird man Merz das Etikett Hitzkopf verpassen, weil er mit seinem Ja zur „Taurus“-Lieferung an die Ukraine den Krieg nicht begrenzen, sondern ausweiten und für Deutschland noch gefährlicher machen wolle.

CDU und CSU wiederum werden alles daran setzen, den Kanzler als hilflosen Chef einer gescheiterten Koalition darzustellen. Mit ihm verbinden die Menschen das Ampel-Chaos, auch wenn diese Regierung viel getan hat, um nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs die Energieversorgung im Land zu sichern. Weil die SPD nach der völlig verstolperten Nominierung des Kanzlers zum Kandidaten bei ihren eigenen Leuten die Motivation zum Wahlkampf schüren muss, hofft sie auf Fehler des Herausforderers. Das allein wird nicht reichen.

Es wäre also eher Zeit für einen Wettkampf der Ideen: Soll das Rentenalter steigen? Wie soll eine Reform der Schuldenbremse aussehen? Wie soll die Migration begrenzt werden? Für Scholz und Merz gibt es noch viel zu tun, um zumindest inhaltlich zu überzeugen.

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