Bundeswehr Neue Uniformen: Aufregung um sündhaft teure Klamotten
Es war einmal wieder das Sensationsblatt mit den vier Buchstaben, das durch eine falsche Schlagzeile für ungerechtfertigte Aufregung im politischen Berlin gesorgt hat. Kurzes Nachdenken hätte dem Sonntag einen friedlicheren Verlauf beschert.
„Kein Geld für Panzer und Waffen: Aber Bundeswehr will 825 Millionen für Ausgeh-Uniformen“, stand da zu lesen. Davon seien 306 Millionen Euro bereits vertraglich gebunden, jetzt müssten noch 519 Millionen Euro beschlossen werden. Der CDU-Haushaltsexperten Ingo Gädechens ließ sich von „Bild am Sonntag“ zitieren: Das sei eine „unfassbar große Summe“ für Uniformen und eine „absurde Prioritätensetzung“, die die Bundeswehr kein Stück kriegstüchtiger mache.
Noch unter Merkel beschlossen
Seitens des Verteidigungsministeriums klingt das schon anders: Es seien Änderungen geplant bei der Versorgung der Bundeswehr mit Bekleidung und persönlicher Ausrüstung, unter anderem Kampf-, Arbeits- und Sportbekleidung sowie „die tagtäglich genutzte Dienstbekleidung, zu der auch ein Anteil Ausgehuniformen gehört“. Die Modernisierung der Dienstbekleidung sei bereits 2018 entschieden worden. Damals war Angela Merkel (CDU) Bundeskanzlerin, Finanzminister war Olaf Scholz (SPD), die Verteidigungsministerin hieß Ursula von der Leyen (CDU). Die Entscheidung von damals sei aber zurückgestellt worden, so das Verteidigungsministerium am Sonntag, um vorher wichtige Kampfbekleidung und Ausrüstung zu erneuern und zu modernisieren. Nun solle auch das Vorhaben bei der Dienstbekleidung weiter umgesetzt werde. Die Finanzierung des Gesamtvorhabens erstrecke sich bis 2032.
Die Bundeswehr zählt aktuell 180.000 Soldaten, bis 2031 sollen es 203.000 sein. Hinzu kommen aktuell 44.000 aktive Reservisten, deren Anzahl auf 60.000 steigen soll. Sind zusammen 263.000 Soldaten. Mit 825 Millionen Euro für die nächsten acht Jahre sind das pro Soldat und Jahr gerade mal 400 Euro für Uniformen. So wird aus einer „absurd“ hohen Summe ganz schnell ein sehr überschaubarer Betrag für die alltägliche Kleidung der Soldaten, mit der sie auch die Streitkräfte in der Öffentlichkeit repräsentieren. Einige haben offenbar immer noch nicht verstanden, welchen finanziellen Kraftakt es erfordert, unsere Soldaten funktionstüchtig auszustatten. Nackte Soldaten wird wohl niemand als kriegstüchtig bezeichnen.