Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Nach tödlichem Angriff: Land steckt Millionen in Sicherheit für Zugpersonal

Auslöser der aktuellen Sicherheitsdebatte ist der tödliche Angriff auf den Ludwigshafener Zugbegleiter Serkan Çalar.
Auslöser der aktuellen Sicherheitsdebatte ist der tödliche Angriff auf den Ludwigshafener Zugbegleiter Serkan Çalar.

Rheinland-Pfalz will mit zusätzlichem Geld und doppelten Besetzungen für mehr Sicherheit in Regionalzügen sorgen. Das hat Verkehrsministerin Katrin Eder (Grüne) angekündigt.

Mit einem „mittleren einstelligen Millionenbetrag“ will Katrin Eder (Grüne) die Sicherheit im regionalen Bahnverkehr erhöhen. Das ist nicht die einzige Schraube, an der die Landesverkehrsministerin drehen will, um für mehr Sicherheit in Zügen zu sorgen.„Die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter haben Furcht, sie stehen noch unter Schock“, sagt Eder am Mittwoch in der Mainzer Rheingoldhalle. Gerade hat sie sich dort – deutlich länger als geplant – mit relevanten Akteuren im regionalen Bahnverkehr zum Austausch getroffen. Nun stellt sie konkrete Änderungen vor, um Fahrgäste und vor allem das Personal besser vor Übergriffen zu schützen.

Auslöser dafür ist der tödliche Angriff auf den Ludwigshafener Zugbegleiter Serkan Çalar. Ein 26-jähriger Grieche ohne gültiges Ticket hatte ihn am Montag vergangener Woche auf der Fahrt von Landstuhl (Kreis Kaiserslautern) nach Homburg bei einer Kontrolle so massiv verletzt, dass Çalar starb. Die Tat hat bundesweit Entsetzen und eine Debatte darüber ausgelöst, wie Bahnpersonal besser geschützt werden kann.

Konkrete Pläne vorgestellt

Für den Regionalverkehr, für den das Land zuständig ist, hat Eder nun konkrete Pläne vorgestellt. Mit zusätzlichen Mitteln soll das Personal künftig flächendeckend Bodycams nutzen können, also kleine Kameras, die am Körper befestigt sind und das Geschehen aufzeichnen. Geht es nach den Personalvertretern, sollten diese auch Ton aufzeichnen können. Datenschutzrechtliche Hürden will Eder überwinden, wie sie sagt.

Zudem sollen die Verkehrsunternehmen ihr Personal flexibler einsetzen können. Bislang lassen dies langfristige Verträge nicht zu, in denen etwa fix geregelt ist, dass auf jeder Linie ein Zugbegleiter mitfährt. Konkret heiße dies, dass manche Züge ohne Personal unterwegs sein werden, während in solchen mit höherem Risiko zwei Zugbegleiter eingesetzt werden, bestätigt Eder.

Lob für die Ministerin

Diese Flexibilität bezeichnen Personalvertreter als zentral. „Die Flexibilität ist für uns, für die Beschäftigten, ein großer Wurf“, sagt Ralf Damde, Betriebsratschef der DB Regio, der RHEINPFALZ. „Hut ab vor der Ministerin.“ Das Saarland habe die Doppelbesetzung erprobt, sie sei bislang aber immer an der Grenze zu Rheinland-Pfalz gescheitert, weil sich Zweckverbände dagegen gewehrt hätten. „Jetzt hat die Ministerin aber eine Ansage gemacht“, lobt Damde. Städte, Kreise und das Land schließen sich zu solchen Zweckverbänden zusammen und bestellen Zuglinien.

Außerdem will das Land nun ernstmachen mit einer seit Jahren diskutierten Sicherheitsdatenbank. Bislang gibt es nämlich keine wirklich belastbaren Zahlen dazu, wie viele körperlichen und verbalen Attacken es auf Zugpersonal wirklich gibt. Das Land will eine solche Datenbank nun aufbauen, die Ausschreibung dafür sei in Vorbereitung, so Eder.

Übergriffe schneller melden

Dann sollen Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter schnell und einfach über das Scannen eines QR-Codes Übergriffe melden können. „Unsere Dunkelziffern sind deutlich höher als das, was gerade auf dem Papier veröffentlicht wird“, sagt Marcel Labonte, Landesvorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Eine solche Datenbank habe bislang einzig die DB Regio, sagt deren Betriebsratschef Damde. Andere Zugunternehmen im Land aber nicht. Mit einer „Respekt-Kampagne“ will Eder zudem die Gesellschaft sensibilisieren – notfalls aus Landesmitteln, falls der Bund nicht aktiv wird.

Dem Austausch in Mainz folgt am Freitag ein Gipfel in Berlin, zu dem Bahn-Chefin Evelyn Palla eingeladen hat.

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