Berlin / Köln Nach Gewalttat in Pfälzer Zug fordert Bahnchefin Palla: Alle an einen Tisch

Steigende Gewaltbereitschaft: Dieses Problem will Bahnchefin Palla, hier am Donnerstag in Berlin im Gespräch mit Mitarbeitern de
Steigende Gewaltbereitschaft: Dieses Problem will Bahnchefin Palla, hier am Donnerstag in Berlin im Gespräch mit Mitarbeitern des Konzerns, gemeinsam mit vielen Akteuren angehen.

Nach dem gewaltsamen Tod des aus Ludwigshafen stammenden Zugbegleiters Serkan C. ist eine Debatte um mögliche Konsequenzen aus dieser Tat entflammt.

Bahnchefin Evelyn Palla reagiert umfassend auf die Gewalttat, die sich am Montag im Regionalexpress auf der Fahrt von Landstuhl (Kreis Kaiserslautern) ins saarländische Homburg ereignet hat: Alle Entscheidungsträger, die für die Sicherheit verantwortlich seien, müssten an einen Tisch geholt werden. An dem Treffen sollen Palla zufolge Vertreter der Länder, Bundespolitik, des Bundesverkehrsministeriums, von Gewerkschaften, Bundespolizei und aus der Bahnbranche teilnehmen. Es handele sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem. „Denn das Aggressivitätslevel und auch die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft, insbesondere im öffentlichen Raum, hat sich in letzten Jahren deutlich erhöht“, sagte Palla in Berlin.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Totschlags

Der Anlass ihrer Initiative: Der 36-jährige Zugbegleiter Serkan C. war am Montag von einem Schwarzfahrer lebensbedrohlich verletzt worden. Er hatte den Reisenden kontrolliert und wollte ihn wegen des fehlenden Fahrscheins des Zugs verweisen. Daraufhin soll der 26-Jährige – ein Grieche mit Wohnsitz in Luxemburg – dem Mann mehrere heftige Faustschläge versetzt haben. Der Bahn-Mitarbeiter, alleinerziehender Vater zweier Kinder, starb laut Staatsanwaltschaft an einer Hirnblutung infolge stumpfer Gewalt gegen den Kopf.

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Totschlags, der Verdächtige befindet sich in Untersuchungshaft. Der Beschuldigte habe sich bislang nicht zur Sache eingelassen, hieß es von der Ermittlungsbehörde. Weiter unklar auch am Donnerstag: das Motiv für den Gewaltausbruch.

Betriebsrat fordert neue Sicherheitskonzepte

Der Chef des Gesamtbetriebsrats der DB Regio Schiene und Bus, Ralf Damde, forderte neue Sicherheitskonzepte und eine stärkere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei. „Wir brauchen Doppelbesetzung, wir brauchen eine Bodycam, die auch Tonaufzeichnungen wiedergibt“, sagte Damde im Westdeutschen Rundfunk. Er kritisierte zudem die Bahnbetreiber. Bei Ausschreibungen in der Vergangenheit habe „je billiger, desto besser“ gegolten. Das führe dazu, dass Züge nicht mehr von ausreichend Personal begleitet würden.

Martin Burkert, Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, dringt ebenfalls auf eine Doppelbesetzung in Zügen. „Dann wäre das vielleicht verhinderbar gewesen“, sagte er. 82 Prozent der Bahn-Mitarbeiter hätten bereits einen verbalen oder körperlichen Angriff erlebt. „Das sind schockierende Zahlen.“ Auch Burkert plädierte für Bodycams oder einen Notrufknopf an der Uhr.

3000 Angriffe in einem Jahr

Nach Angaben der Bahn gab es 2025 mehr als 3000 Angriffe auf Mitarbeiter – ungefähr acht pro Tag. Die Hälfte der Attacken richte sich gegen Beschäftigte im Regionalverkehr, Sicherheitskräfte seien in gut einem Drittel der Fälle betroffen. Auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte an Bahnhöfen würden angegangen.

Die Länder wollen sich im Rahmen der Verkehrsministerkonferenz schnellstmöglich mit der Sicherheit für Beschäftigte im öffentlichen Verkehr befassen. Das kündigte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) an, derzeit Vorsitzender der Konferenz. „Als Gesellschaft können wir das nicht hinnehmen und müssen ein starkes Zeichen der Solidarität senden“, erklärte er.

In die Reaktionen mischten sich auch Forderungen nach härteren Strafen. Der Deutsche Richterbund warnte indes vor Rufen nach Strafrechtsverschärfungen. „Der bekannte Reflex in der Politik, das Strafrecht verschärfen zu wollen, ist nachvollziehbar, aber nicht die richtige Antwort“, erklärte Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn. „Für Tötungsdelikte sieht das Strafrecht schon heute schwerste Strafen vor.“

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