Meinung
Merz muss liefern
Eine Ruckrede war das nicht. In den 75 Minuten, in denen Friedrich Merz zu den Delegierten beim CDU-Bundesparteitag in Stuttgart sprach, hat er beim besten Willen nicht die Parteiseele gestreichelt. Aber die CDU ist eben die CDU und somit diszipliniert genug, ihren Vorsitzenden nicht mit einem schwachen Ergebnis anzuzählen, wenn es drauf ankommt. Und in einem Jahr mit fünf Landtagswahlen, unter anderem in einem Monat in Rheinland-Pfalz, kommt es drauf an. Auf Geschlossenheit nämlich. Niemand mag eine Partei, die sich selbst nicht mag, die zerstritten ist.
Am Horizont dräuen längst die Landtagswahlen im Herbst in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo die AfD in Umfragen die CDU überflügelt.
Die CDU erwartet Reformen von Merz
Über sein Wahlergebnis von 91,2 Prozent kann Merz erleichtert sein. Denn dass es in den Regierungsparteien rumort, haben nicht nur die Wiederwahlen der beiden anderen schwarz-roten Parteichefs gezeigt. Lars Klingbeil konnte vergangenen Sommer lediglich 64,9 Prozent der Delegierten für sich gewinnen. Und selbst CSU-Chef Markus Söder wurde im Dezember mit mageren 83,6 Prozent abgewatscht.
Der Vertrauensvorschuss, den sich Merz von seiner Partei abgeholt hat, muss er als Kanzler rechtfertigen. Der Druck auf ihn wächst, und das weiß er. Seine Partei erwartet Reformen, die den Sozialstaat umbauen und vor allem die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Wenn das nicht passiert, und zwar schnell, wird es für ihn ungemütlich.