Zweibrücken
Mehr Beschuldigte im Fallschirmjäger-Skandal
Nach Angaben der Bundeswehr gibt es dort aktuell 59 beschuldigte Soldaten. Das sind vier mehr als zu Jahresanfang. 16 Soldaten seien bereits entlassen worden, teilte das Kommando Heer auf Anfrage der RHEINPFALZ weiter mit. Für fünf weitere Soldaten sei die Entlassung vorgesehen. Inzwischen seien fünf (bislang zwei) gerichtliche Disziplinarverfahren vor einem Truppendienstgericht eingeleitet worden. Das geschieht bei schweren Dienstvergehen. Auch die Anzahl der Fälle, die an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden sind, hat sich um vier auf 20 erhöht. In unverändert 17 Fällen sei die Ausübung des Dienstes verboten worden. Über Details zu den einzelne Vergehen will die Bundeswehr weiterhin nicht informieren. Er dürfe zu den Ermittlungsergebnissen keine weiteren Auskünfte geben, teilte ein Sprecher des Heeres auf Anfrage mit. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, hatte im Januar zusammenfassend von Fällen sexualisierter Gewalt, Extremismus, Drogenmissbrauch und Diskriminierung gesprochen.
Ende Januar hatte der Chef des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, vor zahlreichen Kommandeuren des gesamten Heeres einen Aktionsplan Luftlandetruppe in Kraft gesetzt. Damit soll Verfehlungen besser vorgebeugt und entgegengetreten werden. Dabei geht es um bessere Dienstaufsicht und Führung und Veränderungen in der Ausbildung der Soldaten.
„Gründlich und rasch“
Der Aktionsplan erfahre innerhalb der Luftlandetruppe eine hohe Akzeptanz, heißt es nun beim Heer. Ende dieses Jahres sei eine umfassende Bewertung vorgesehen. Heeres-Chef Freuding habe das Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken in diesem Jahr bereits viermal besucht, um persönliche Gespräche zu den Fortschritten zu führen. Auch beim Fallschirmjägerregiment 31 im niedersächsischen Seedorf war er. Beide Regimenter bilden die Luftlandebrigade 1 der Bundeswehr, deren Stab in Saarlouis sitzt. Die Luftlandebrigade gehört zusammen mit dem Kommando Spezialkräfte KSK, der Gebirgsjägerbrigade 23, dem Kommando Hubschrauber und der niederländischen 11. Luchtmobiele Brigade zur Division Schnelle Kräfte.
Aktuell würden die Soldaten des Fallschirmjägerregiments in Zweibrücken aktiv und intensiv informiert beispielsweise durch den Sozialdienst, die Truppenpsychologie und Gleichstellungsbeauftragte, teilte das Heer mit. Neue Stellen für mehr Fachpersonal seien geschaffen und besetzt worden. Das Selbstverständnis der Soldatinnen und Soldaten des Regimentes werde mit der Erarbeitung eines Leitbildes „umfassend auf den Prüfstand gestellt“.
Freuding hatte im Januar angekündigt, die Vorfälle „gründlich und rasch“ aufzuklären und Fehlverhalten zu sanktionieren. Er betonte in den vergangenen Monaten mehrfach auch, das Heer brauche die Fallschirmjäger und ihre einzigartigen Fähigkeiten .
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