Fallschirmjäger RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücken-Skandal: Heereschef greift durch

Der Inspekteur des Heeres, Christian Freuding, sprach am Mittwoch in Altenstadt vor zahlreichen Kommandeuren des Heeres.
Der Inspekteur des Heeres, Christian Freuding, sprach am Mittwoch in Altenstadt vor zahlreichen Kommandeuren des Heeres.

Die Bundeswehr krempelt ihre Fallschirmjäger-Truppe um. Im bayerischen Altenstadt startet die Heeresspitze ihre Offensive gegen Missstände. Anlass waren Exzesse in der Pfalz.

Der Inspekteur des Heeres will aufräumen: Generalleutnant Christian Freuding hat am Mittwoch einen Aktionsplan Luftlandetruppe in Kraft gesetzt. Die Maßnahmen seien ab sofort Teil des täglichen Dienstes, sagte der Heereschef in Altenstadt. An der dortigen Luftlande- und Lufttransportschule, der zentralen Ausbildungsstätte der Fallschirmjäger, hatte er zahlreiche Kommandeure des gesamten Heeres versammelt. Er habe bewusst die Schule als „Mutterhaus der Luftlandetruppe“ und den Kreis der Truppenführer des Heeres dafür gewählt, denn die Maßnahmen des Aktionsplans seien eine Gemeinschaftsaufgabe für das Heer und eine Führungsaufgabe für jeden Tag.

Anlass für den Aktionsplan waren zahlreiche, schwere Verfehlungen von Soldaten im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken. Dabei geht es um Rechtsextremismus, Drogenmissbrauch, Diskriminierung und sexualisierte Gewalt. Die Bundeswehr spricht aktuell von 55 Beschuldigten, zehn Soldaten sind bereits entlassen worden.

„Nicht das Heer, das ich will“

Die vier Handlungsfelder des Aktionsplans zielen laut Freuding darauf, Verfehlungen vorzubeugen und ihnen bei ersten Anzeichen entgegenzutreten. Dafür soll die Dienstaufsicht verbessert werden, es sollen Strukturen verändert werden, um die Führung zu stärken. In ihrem Werdegang sollen Soldaten mehr Erfahrungen in anderen Teilen des Heeres sammeln. Schulungen sollen die Wahrscheinlichkeit solcher Verfehlungen minimieren.

Zu den Vorkommnissen in Zweibrücken sagte Freuding, sie beschädigten die Kameradschaft und sie gefährdeten die Einsatzbereitschaft. „Das ist nicht das Heer, das ich will“, sagte der Generalleutnant. Er betonte aber auch, das Heer brauche die Fallschirmjäger, ihre einzigartigen Fähigkeiten und ihre Bereitschaft, „als erste zu gehen“.

Als Beispiel wies Freuding auf die gefährliche Evakuierung von 780 deutschen Staatsbürgern im April 2023 aus dem Krisengebiet Sudan hin, die durch Fallschirmjäger unterstützt wurde. Die Verfehlungen in Zweibrücken hätten individuelle Ursachen, seien nicht truppenspezifisch und hätten keinen systemischen Zusammenhang, sagte der Heereschef.

Die Bundeswehr machte derweil am Mittwoch weitere interne Ermittlungen wegen mutmaßlicher Verfehlungen bekannt. Diesmal an der Universität der Bundeswehr in Hamburg. Es geht um den Verdacht auf unerlaubten Umgang, auch Handel mit Betäubungsmitteln und die erneute Untersuchung von in der Vergangenheit liegenden entwürdigenden Aufnahmeritualen.

Kommentar: Die Chance nach dem Zweibrücken-Skandal

Zur Sache: Der Skandal bei den Fallschirmjägern

Die Bundeswehr und die Staatsanwaltschaft ermitteln beim Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken wegen zahlreicher Vorfälle von Rechtsextremismus, Drogenmissbrauch, Diskriminierung und sexualisierter Gewalt.

Stand Mitte Januar 2026 geht das Verteidigungsministerium von 55 Beschuldigten in dem Regiment aus. In 18 Fällen wurden bereits Disziplinarmaßnahmen verhängt. 16 Fälle wurden an die Staatsanwaltschaft abgegeben. 17 Soldaten wurde bis auf Weiteres die Ausübung des Dienstes verboten. Bei 19 Soldaten wurde die Entlassung eingeleitet, zehn davon sind bereits entlassen.

Eingaben an den Wehrbeauftragten

Die Aufklärung der Vorfälle in Zweibrücken beschäftigt die Bundeswehr nun schon mehr als ein Jahr. Im Oktober 2024 erhielt die damalige Wehrbeauftragte des Bundestages Eva Högl (SPD) bei einem Besuch in Zweibrücken erste anonyme Hinweise auf Vorfälle im dortigen Fallschirmjägerregiment. Die Wehrbeauftragte kann aber bei anonymen Meldungen keine eigenen Ermittlungen anstoßen. Im Februar 2025 folgte dann eine erste nicht-anonyme Eingabe an die Wehrbeauftragte. Danach sind laut Bundeswehr sofort Ermittlungen im Zweibrücker Regiment begonnen worden. Eine Meldung von zwei ersten Einzelverfahren an das Kommando Heer habe aber noch nicht auf das heute bekannte Ausmaß der Vorfälle schließen lassen.

Erst Ende Juni 2025 sei durch eine weitere Eingabe an den neuen Wehrbeauftragten Henning Otte (CDU) das Ausmaß der Vorfälle bekannt geworden. Das Kommando Heer habe daraufhin die Ermittlungen seit Sommer 2025 mit enger Dienstaufsicht, auch durch das Verteidigungsministerium aufs engste begleitet. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, sprach davon, dass zuvor nicht tief genug ermittelt und nicht angemessen geahndet worden sei.

Am 12. Januar 2026 besuchte Freuding das Fallschirmjägerregiment in Zweibrücken. Am Mittwoch stellte der Heereschef einen Aktionsplan Luftlandetruppe mit zahlreichen Maßnahmen vor.oli

Mehr zum Thema
x