Wärmeversorgung
Massive Kritik an neuem Heizungsgesetz
Nach der Einigung der schwarz-roten Koalition auf eine Reform des Heizungsgesetzes ist der Chor der Kritiker vielstimmig. Der Deutsche Mieterbund sowie viele Experten fürchten Kostensteigerungen für Mieterinnen und Mieter. „Vermieter entscheiden über Heizung, Energieträger und Gebäudezustand – die daraus resultierenden Heiz- und Investitionskosten werden aber von den Mietern getragen“, erklärte Mieterbund-Präsidentin Melanie Weber-Moritz.
Das betont auch die rheinland-pfälzische Klimaschutzministerin Katrin Eder (Grüne). Sie spricht von einer 180-Grad-Wende, die ökologisch riskant, wirtschaftspolitisch kurzsichtig und sozial schädlich sei, und sagt: „Leidtragende dieser Kehrtwende werden Hunderttausende von Mieterinnen und Mietern in Rheinland-Pfalz vor allem im Geschosswohnungsbau sein.“
Vorwurf: fossile Abhängigkeit, hohe Kosten
Mit harscher Kritik reagieren Sozial- und Umweltverbände. Das Konzept zementiere „fossile Abhängigkeiten und riskiert so, die Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher in die Höhe zu treiben“, warnte die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, am Mittwoch. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erklärte, das Eckpunktepapier der Koalitionsfraktionen sei „ein klimapolitischer Wortbruch und ein energiepolitischer Offenbarungseid“.
Ein Hauptkritikpunkt der Verbände ist, dass die Vorgabe von mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien bei Heizungen in Neubauten abgeschafft werden soll. Sie gilt seit 2024. Stattdessen soll für neue Öl- und Gasheizungen vorgeschrieben werden, dass sie einen steigenden Anteil an Biogas oder synthetischen Treibstoffen verbrennen.
Mögliche CO2 -Einsparung
Werner Brommko, Vertriebsleiter des Energieversorgers Pfalzgas, sieht darin eine Chance. Die Grüngasquote sorge für eine gewisse Verbindlichkeit. Er begrüße, dass die Versorgungsunternehmen in die Pflicht genommen werden, nicht die einzelnen Haushalte. „Ich glaube, das dient dazu, dass wieder schneller und mehr CO 2 eingespart wird“, sagte er der RHEINPFALZ. „Damit kann hoffentlich die Verunsicherung der Haushalte aufgelöst werden, die zu einem Einbruch des Heizungsmarktes geführt hatte.“
Genau diese Verunsicherung sei nun aber gestiegen, betonte Dieter Allenbacher, Landesinnungsmeister des Fachverbands Sanitär, Heizung, Klima Pfalz. „Dass man bei der Wärmeerzeugung technologieoffener sein will, ist okay“, sagte er. Aber: „Die Planungssicherheit fehlt. In solchen Momenten denkt man, dass Planwirtschaft vielleicht doch nicht so schlecht ist – und das sage ich als überzeugter Demokrat.“ Allenbacher rät Verbraucherinnen und Verbrauchern, sich nicht verunsichern zu lassen. „Wer neu plant, sollte sich unbedingt vom Fachmann beraten lassen.“
Einen Leitartikel zum Thema lesen Sie hier.