Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Kontroverse um Buchhandlungspreis: Weimers Kulturkampf

Der parteilose Wolfram Weimer ist seit 2025 Staatsminister beim Bundeskanzler und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur un
Der parteilose Wolfram Weimer ist seit 2025 Staatsminister beim Bundeskanzler und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Der überzeugte Konservative Wolfram Weimer ist der traditionell linken Kulturszene im Land ein Dorn im Auge. Zu einem Skandal jedoch taugt die Angelegenheit nicht.

Für den Landauer Buchhändler Markus Knecht ist der Schuldige schnell gefunden: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erkenne nicht, dass es um „Meinungsfreiheit“ gehe, so Knecht gegenüber dieser Zeitung. Der Ärger des Buchhändlers ist vielleicht sogar nachvollziehbar. Schließlich sollte seine Buchhandlung als eine von deutschlandweit nur fünf am 19. März auf der Leipziger Buchmesse mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet werden. Daraus wird nun nichts. Weimer hat die Veranstaltung abgesagt. Den Preis bekommt Knecht nun mit der Post zugestellt.

Vorausgegangen war Weimers Entscheidung, drei von einer unabhängigen Jury als preiswürdig befundene Buchhandlungen von der Liste der Auszuzeichnenden zu streichen. Dabei berief sich der Staatsminister auf „Erkenntnisse des Verfassungsschutzes“ und betonte gegenüber der Funke-Mediengruppe: „Wenn sich eine Institution weithin sichtbar hinter die Losung ,Deutschland verrecke’ stellt, stellen sich zur Preiswürdigkeit Fragen.“ Natürlich gab es einen Aufschrei in der Kulturszene des Landes. Die Linke forderte Weimers Rücktritt, die Grünen nannten ihn „feige“ und die Anwälte der betroffenen Buchhandlungen bezichtigten Weimers Ministerium der Lüge, weil dieses sich in der Absage an ihre Klienten auf die Jury berufen habe. Eine Sprecherin rechtfertigte dies mit einer „standardisierten Absage“, die alle Buchhandlungen erhalten hätten, die nicht ausgezeichnet werden sollten.

Das Problem mit der Berlinale

Und das sollten ja nun auch „Rote Straße“ in Göttingen, der „Golden Shop“ in Bremen und „Zur schwankenden Halbkugel“ in Berlin nach Weimers Willen nicht. Worin genau die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes aber bestehen, will das Ministerium aus Gründen des „Geheimschutzes“ nicht bekanntgeben. Nimmt man sich mal etwas Zeit und tummelt sich auf den Homepages der drei Buchhandlungen, so kann man in ein links-grünes, auch queeres, antirassistisches und antikapitalistisches Milieu eintauchen. Die von Weimer zitierte Parole kann man sich hier durchaus vorstellen, sie findet sich aber nicht.

Letztlich geht es hierum auch nicht. Buchläden wie die drei Genannten und um ihren Preis Gebrachten sind dem wertkonservativen Weimer ebenso ein Dorn im Auge wie umgekehrt der Staatsminister einem Großteil der Kulturszene in Deutschland, die dem Narrativ anhängt, das besagt, wer Kultur mache, der müsse auch links sein. Was natürlich Quatsch ist.

Weimer hat bisweilen klare Kante gezeigt und im Zusammenhang mit dem Hamas-Terror gegen Israel Teilen der deutschen Kulturszene völlig zu Recht Antisemitismus vorgeworfen. Da wäre aber eben auch seine dubiose Beteiligung an der Weimer Media Group und sein irrlichterndes Verhalten gegenüber Berlinale-Chefin Tricia Tuttle. Für die Kulturszene scheint der Skandal um die verhinderten Gewinner des Buchhandlungspreises nun die Krönung zu sein. Nur: Sollte es wirklich Zweifel an der Verfassungstreue der drei Buchhandlungen geben, so dürfen diese natürlich keinen durch Steuergelder finanzierten Preis erhalten. Warum sollte ein Staat jene belohnen, die ihn abschaffen wollen? Dann könnte man ja auch AfD-nahe Buchhandlungen auszeichnen. Es wäre nun aber an Weimer, Beweise vorzubringen.

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