Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Kampfjets für die Ukraine?

Wunschflugzeug der Ukrainer: der US-Kampfjet vom Typ F-16 beim Start auf der Airbase Spangdahlem in der Eifel.
Wunschflugzeug der Ukrainer: der US-Kampfjet vom Typ F-16 beim Start auf der Airbase Spangdahlem in der Eifel.

Kiew zeigt sich zuversichtlich, Kampfflugzeuge zu erhalten. Anders als bei den Kampfpanzern steht Deutschland dieses Mal nicht im Blickpunkt. Dennoch könnte die Bundesregierung bald vor einer schwierigen Entscheidung stehen.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, hat zuletzt mehrfach gesagt, dass sein Land Gespräche mit westlichen Ländern über die Lieferung von Kampfflugzeugen führe. Welche Staaten das sind, verschwieg er. Deutschland sei aber nicht dabei. Die Bundesregierung lehnt dies auch ab. Andere Regierungen zeigen sich gesprächsbereit, Zusagen gibt es bisher aber keine.

Wofür will die Ukraine Kampfjets?
Die ukrainische Führung argumentiert, dass man keinen großen Krieg gewinnen könne ohne schlagkräftige Luftwaffe. Konkret können die Jets als Abfangjäger eingesetzt werden gegen russische Flugzeuge, aber auch gegen Drohnen. Außerdem würde das ukrainische Militär sicher versuchen, den Nachschub des Gegners zu stören, indem es beispielsweise Waffen- oder Treibstoffdepots angreift. Ziele, die zum Teil weit hinter der Front und damit nicht in Reichweite ukrainischer Waffen sind.

Die deutschen Tornados dürften für die Ukraine nicht in Frage kommen, weil sie alt und reparaturanfällig sind.
Die deutschen Tornados dürften für die Ukraine nicht in Frage kommen, weil sie alt und reparaturanfällig sind.

Was sind die Hürden?
Ein Kampfjet ist ein komplexes System. Die Ausbildung ist deutlich schwieriger als beispielsweise für einen Panzer. Selbst gelernte Kampfpiloten brauchen mehrere Monate, um einen neuen Flugzeugtyp einigermaßen zu beherrschen. Ein früherer deutscher Tornado-Pilot wies kürzlich im Gespräch mit der RHEINPFALZ darauf hin, dass es nicht nur Piloten brauche, sondern Dutzende Spezialisten, um die Jets zu warten, zu reparieren und mit Waffen zu bestücken. Die müsste man erst einmal finden.

Der Luftfahrt-Experte Justin Bronk von der renommierten britischen Denkfabrik RUSI weist zudem in einer Analyse darauf hin, dass viele westliche Kampfjets auf den alten Betonpisten in der Ukraine Schaden nehmen könnten. Zwar planieren die Ukrainer nach eigenen Angaben bereits neue Start- und Landebahnen in Erwartung westlicher Flugzeuge. Aber Bronk geht davon aus, dass dies den Russen dank Satellitenaufklärung nicht verborgen bleibt, sie also wüssten, wo sie die Maschinen am Boden mit ihren Raketen treffen könnten.

Es gibt allerdings auch Experten, die diese Hürden für überwindbar halten. So setzt sich der frühere kommandierende General der US-Armee in Europa, Ben Hodges, für Flugzeuglieferungen an die Ukraine ein. Vor Kurzem sagte er der Deutschen Welle mit Blick auf die Ausbildungsdauer: „Anstatt zu jammern, dass es so lange dauert, sollte man einfach mal anfangen. Setzt Piloten ins Cockpit! Heute! Damit sie trainieren können.“

Die deutsche Luftwaffe verfügt zudem über Eurofighter, die allerdings in der Ausbildung und Instandhaltung komplex sind.
Die deutsche Luftwaffe verfügt zudem über Eurofighter, die allerdings in der Ausbildung und Instandhaltung komplex sind.

Würden Kampfjets eine neue Stufe der Eskalation einläuten?
Bei der bisherigen Waffenhilfe hat der Westen merklich darauf geachtet, Kiew keine Systeme mit großer Reichweite zu liefern, damit nicht russisches Staatsgebiet ins Visier genommen wird. Mit Kampfjets könnten die Ukrainer aber russisches Hinterland erreichen – zumindest theoretisch. Die russische Flugabwehr ist indes stark.

Ben Hodges verweist darauf, dass der Westen mit der Maßgabe liefern könne, russisches Territorium nicht anzugreifen. Kiew bliebe wohl nichts anderes übrig, als sich daran zu halten, will es die Unterstützung nicht verlieren. Klar ist aber auch, dass die russische Führung die Lieferung von Kampfflugzeugen als weiteren Tabubruch brandmarken würde.

Würden Kampfflugzeuge den Krieg zugunsten der Ukraine wenden?
Das ist schwer zu sagen. Auffällig ist, dass die Luftwaffe beider Seiten bisher keine große Rolle in dem Konflikt spielt. Das dürfte an der Vielzahl von Flugabwehrsystemen liegen. Die Ukrainer nutzen unter anderem die deutschen Flugabwehrpanzer Gepard. Die russischen Kampfflieger bewegen sich meist nur über russischem und russisch besetztem Gebiet, feuern von dort ihre Raketen ab, um das Risiko eines Abschusses gering zu halten. Putins Luftwaffe gilt deshalb aber auch als weitgehend intakt.

Ein Abfangjäger vom Typ Mig-29: Polen könnte diese Maschinen der Ukraine überlassen.
Ein Abfangjäger vom Typ Mig-29: Polen könnte diese Maschinen der Ukraine überlassen.

Gibt es Länder, die der Ukraine westliche Kampfjets zur Verfügung stellen wollen?
Die polnische Regierung hat sich dafür offen gezeigt, ein klares Bekenntnis fehlt aber. Zunächst sah es so aus, als ob die britische Regierung – wie schon bei den Kampfpanzern – eine Führungsrolle übernehmen würde. London zeigte sich dafür offen, will auch ukrainische Piloten ausbilden. Doch auf der Münchner Sicherheitskonferenz machte Verteidigungsminister Ben Wallace klar, dass Großbritannien in den nächsten Monaten, vielleicht sogar nächsten Jahren nicht liefern werde. Am Freitag schlug Wallace dann wiederum einen Ringtausch vor. Osteuropäische Länder würden demnach britische Maschinen erhalten, wenn sie ihre Flugzeuge sowjetischer Bauart an die Ukraine abgeben.

Allerdings kann das britische Militär kaum Flugzeuge entbehren. Kampfjet-Experte Bronk schreibt jedenfalls, dass die Luftwaffe am Rand der Belastungsgrenze sei, viele Maschinen seien nicht einsatzfähig, Ersatzteile fehlten. Die Briten nutzen vor allem den Eurofighter, den sie Typhoon nennen.

Welche Flugzeuge will Kiew?
Die ukrainische Luftwaffe wünscht sich vor allem F-16-Jets. Der US-Flieger ist sowohl für Luftkämpfe konzipiert als auch für den Angriff auf Bodenziele. Kein Kampfjet ist weltweit so verbreitet, und er wird weiterhin produziert. Das heißt, es dürfte kein Problem sein, an Ersatzteile zu kommen. Aber auch hier gilt: Die Ausbildung ist aufwendig, und die militärische Infrastruktur in der Ukraine passt derzeit nicht.

Was ist mit Deutschland?
Da die Diskussion auf F-16 zuzulaufen scheint, ist Deutschland zunächst einmal außen vor, weil die Bundeswehr nicht über diesen Typ verfügt. Die Luftwaffe nutzt Tornados, die allerdings sehr alt und wartungsanfällig sind. Ansonsten nutzt Deutschland Eurofighter, die aber vergleichsweise komplex in der Ausbildung und in der Instandhaltung sind.

Ist die Bundesregierung bei der Frage nach den Kampfjets also aus dem Schneider?
Nicht unbedingt. Diskutiert wird nämlich auch, ob Polen Kiew Mig-29-Jets überlässt. Die Ukrainer nutzen diese Abfangjäger bereits, müssten also nicht angelernt werden. Die USA haben bereits signalisiert, dass sie nichts dagegen hätten, wenn Warschau die Mig-29 abgeben wollte. Der Knackpunkt aber ist: Die Maschinen stammen aus DDR-Beständen, sie wurden von der Bundesrepublik vor knapp 20 Jahren Polen überlassen. Die Weitergabe an die Ukraine müsste demnach von Berlin genehmigt werden. Das würde die Bundesregierung wieder vor eine schwierige Entscheidung stellen.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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