250 Jahre USA RHEINPFALZ Plus Artikel Käfigkämpfe und Autorennen: Wie Trump seinen 80. Geburtstag inszeniert

Es ist schon alles angerichtet: An Trumps 80. Geburtstag sollen Käfigkampfe vor dem Weißen Haus stattfinden.
Es ist schon alles angerichtet: An Trumps 80. Geburtstag sollen Käfigkampfe vor dem Weißen Haus stattfinden.

Der US-Präsident macht aus seinem Geburtstag ein patriotisches Spektakel nach seinem Geschmack: Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus und eine Geschichtsschau im MAGA-Stil.

Auf dem Rasen vor dem Weißen Haus soll Blut fließen. Das ist zu erwarten, wenn der Brasilianer Alex Pereira und der Franzose Ciryl Gane hinter zwei Meter hohen Gittern aufeinander losgehen. In einer eigens errichteten Arena sollen sie vor 5000 Zuschauern um den Schwergewichtstitel der Ultimate Fighting Championship (UFC) kämpfen. Über acht Großbildschirme können weitere 85.000 Menschen den Titelkampf und weitere Käfigduelle auf den umliegenden Grünflächen verfolgen.

Die Tickets gibt es umsonst, wie das Festtagskomitee „Freedom 250“ betont, dass im Auftrag Donald Trumps die offiziellen Feierlichkeiten zum Geburtstag Amerikas organisiert. Das Spektakel fällt nicht auf den Tag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli, sondern mit dem 80. Geburtstag des Mannes zusammen, der sich für den größten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten hält.

Der Präsident wird den Kampf der Gladiatoren an diesem Sonntag wie ein römischer Imperator von einem Ehrenplatz aus verfolgen. Warum das ein Höhepunkt im Kalender der offiziellen Jubiläumsveranstaltungen sein sollen, darüber lässt sich nur spekulieren.

„Hartnäckiger Mythos“

Weit ausgeholt ließe sich darin eine Metapher für die zwei Amerikas erkennen, die seit der Unterzeichnung der „Declaration of Independence“ 1776 in Philadelphia für die nächsten 250 Jahre um das Selbstverständnis der jungen Nation gerungen haben.

Die Historikerin Kathleen DuVal von der renommierten Chapel Hill University hält es für einen „hartnäckigen Mythos“, dass die Revolutionäre einig waren. „Die Gesellschaft war damals tief gespalten“, sagt DuVal. „Die Menschen stritten über Ziele, Mittel und Sinn der Revolution“.

Immer schon Polarisierung

Die Staatsgründer ergänzten die Verfassung der neuen Republik um die individuelle Rede-, Religions- und Verfahrensfreiheit. Doch sie hielten die „Bill of Rights“ so vage, dass die Amerikaner und ihr Supreme Court 250 Jahre später noch immer über die Auslegung streiten.

Schon damals entzweite die Amerikaner die Frage, wie viel Macht der künftigen Zentralregierung zustehen sollte. Alexander Hamilton, der erste Finanzminister aus New York, kämpfte für eine starke Bundesregierung. Sein Widersacher Thomas Jefferson, Sklavenhalter und Farmer aus Virginia, pochte auf die Rechte der Einzelstaaten. Aus ihrem Streit gingen die ersten politischen Parteien des Landes hervor.

Zwei Amerikas?

Der Sieg der Nordstaaten beendete die Sklaverei, aber nicht das Ringen um die Rassentrennung, die in Teilen des Landes bis zu den Bürgerrechtsreformen in den 60er Jahren fortbestand.

Es gab auch einen andauernden Kampf zwischen den nach Amerika eingewanderten Siedlern aus Europa und den ursprünglichen Bewohnern des Kontinents. Es ist eine blutige Geschichte der Vertreibung und Vernichtung. In regelmäßigen Abständen kam es zu Unruhen zwischen früher eingewanderten Amerikanern und Neuankömmlingen.

Die Liste ließe sich fortschreiben. Zwei Amerikas standen sich beim Ringen um den Einfluss der Religion, dem Frauenwahlrecht, den Rechten von Arbeitern, dem Streit über den Vietnamkrieg, die Gesundheitsreform Barack Obamas und dem Umgang mit der Corona-Pandemie gegenüber. Für Historikerin DuVal ist es deshalb „irreführend, die Gegenwart als beispiellos polarisiert zu beschreiben“.

Bau des „Arc de Trump“

Statt zu viel Bedeutung in den Käfigkampf hinein zu interpretieren, liegt nahe, dass sich der UFC-Fan im Weißen Haus selbst ein Geschenk macht. Trump nimmt den Geburtstag Amerikas nur zum Anlass. Wie auch der geplante Triumphbogen zwischen Lincoln Memorial und Soldatenfriedhof in Arlington nach eigenem Bezeugen ein Monument für ihn werden soll.

Das Jubiläumsjahr liefert eine willkommene Ausrede für die monströsen Ausmaße des als „Arc de Trump“ verspotteten Projekts, das den Pariser „Arc de Triomphe“ (164 Fuß, 50 Meter) zu einer Miniatur macht. „250 für 250“, ein Fuß für jedes Jahr der Republik, sei mehr als angemessen.

Autorennen durch Washington

Ein anderer Höhepunkt der offiziellen Feierlichkeiten hat auf den ersten Blick ebenfalls wenig mit der Gründung der Vereinigten Staaten zu tun. Für den August plant Freedom 250 ein Indy-Rennen mitten durch Washington. Am 23. August sausen Rennwagen auf einem 2,67 Kilometer langen Stadtkurs entlang der 9th Street, vorbei an der Nationalgalerie und über die Independence Avenue mit dem Kapitol als Kulisse.

Während die Indy-Rennwagen um die Mall flitzen, röhren „Freedom Trucks“ durch die 48 Bundesstaaten. Dabei handelt es sich um sechs zu rollenden Museen umgebaute Sattelschlepper, die Trumps Version der US-Geschichte erzählen. Verantwortlich für das Konzept sind die Produktionsfirma PragerU und das religiöse Hillsdale College, denen Kritiker staatlich sanktionierte Geschichtsklitterung vorwerfen.

Geschichtsunterricht im rollenden Truck

Beim Eintritt in den Truck begrüßt ein lebensgroßes Porträt des ersten Präsidenten George Washingtons die Besucher. Die Ausstellung erzählt dann die Geschichte weißer, gottesfürchtiger und geschäftstüchtiger Männer. Die Sklaverei und der Umgang mit den Ureinwohnern finden bestenfalls als Fußnote statt.

Am Ende des Trucks wartet der Amtsinhaber mit einem Video aus dem Oval Office. „Macht euch bereit für eine unglaubliche Zukunft“, zitiert eine Schautafel aus Trumps letzter Rede zur Lage der Nation. „Das goldene Zeitalter Amerikas hat gerade erst begonnen.“

Trumps Bild von Amerika

Zum 250. Geburtstag versucht der Präsident die komplizierte Geschichte Amerikas weißzuwaschen. Weil ihm die Überparteilichkeit des vom Kongress eingesetzten Festkomitees „America 250“ nicht passte, setzte Trump ihm seine eigenen Planer von „Freedom 250“ vor die Nase.

Die von seinem Komitee organisierten Käfigkämpfe und Autorennen lassen das Bild eines Landes entstehen, das sich in Teilen selbst nicht mehr ernst nimmt. Regiert von einem Möchtegern-König, der Personenkult betreibt.

„When are we US?“

Mehr als die Hälfte der Musiker einer Serie an Konzerten der Great American State Fair auf der National Mall sagte ab, weil sie sich über den Charakter der Veranstaltung getäuscht fühlten. Trump wies darauf Freedom 250 an, eine MAGA-Kundgebung zu organisieren mit ihm als Hauptredner. Er ziehe mehr Leute als Elvis an, sagte Trump.

Historikerin DuVal ist es wichtig, zu betonen, „dass die Vereinigten Staaten ihre Geschichte nicht nur von oben erzählen“. Vieles geschehe auf lokaler und regionaler Ebene, oft differenzierter und historisch genauer.

Auch anderer Umgang mit der Geschichte

Zum Beispiel in ihrem Heimatstaat, wo das North Carolina Museum of History mit dem Projekt „It’s Revolutionary!“ die Gründungsgeschichte einer 20-teiligen Videoserie mit dokumentarischen und erzählerischen Elementen vorstellt. Neben bekannten Revolutionären finden sich auch Stimmen, die allzu oft aus der Geschichte ausgeklammert werden. Es entsteht ein Mosaik, das zum Geburtstag die Frage stellt: „When are we US?“ („Wann sind wir die Vereinigten Staaten?“)

In dem Projekt spiegelt sich DuVals Forschung wider. „Die offizielle politische Inszenierung sollte nicht mit dem gesamten amerikanischen Umgang mit Geschichte verwechselt werden“, meint die Historikerin. Trumps Zirkus sagt am Ende mehr über ihn als eine Nation aus, die neben all ihren Verirrungen oft unverzichtbar war.

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