Bundestagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Jubel bei der CDU, aber verhalten

Wahlsieger Union: der designierte Kanzler Friedrich Merz (CDU), der CSU-Vorsitzende Markus Söder (l.) und die stellvertretende C
Wahlsieger Union: der designierte Kanzler Friedrich Merz (CDU), der CSU-Vorsitzende Markus Söder (l.) und die stellvertretende CDU-Generalin Christina Stumpp; hinten NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst.

Keine 30 Prozent: Die CDU feiert sich als stärkste Kraft, hatte aber mehr erhofft. Das trübt ein wenig die Feierlaune im Konrad-Adenauer-Haus – bis Friedrich Merz erscheint.

Es ist 18.33 Uhr, als im Konrad-Adenauer-Haus zum ersten Mal ausgelassener Jubel ausbricht. Erst als Friedrich Merz, gefolgt vom CDU-Präsidium, die Bühne der Parteizentrale in Berlin betritt, gibt es anhaltenden Applaus und Gejohle. Erst recht als er in seiner kurzen Ansprache sagt: „Wir, die CDU, die CSU, die Union, haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen.“

An diesem Wahlabend scheint zumindest eins klar: Die Union ist stärkste Kraft und wird mit Friedrich Merz sehr wahrscheinlich den nächsten Bundeskanzler stellen. Abzusehen war das bereits in den Wochen vor der Wahl, hierin stimmten alle Meinungsforschungsinstitute überein. Entsprechend groß war das Interesse an der CDU am Wahlabend. Ab Nachmittag hatten sich lange Schlangen vor der Parteizentrale gebildet – eine für Gäste, eine weitere für Medienvertreter aus aller Welt. So viele wie nie zuvor, wie Merz nun sagt.

Deutlich verhaltener war die Stimmung, als auf einer großen Leinwand um 18 Uhr die erste Wahlprognose erschien. Mitglieder der Jungen Union hatten sich im Foyer des Konrad-Adenauer-Hauses genau für diesen Moment positioniert, Schilder mit dem Slogan „Team Merz“ in der Hand, umringt von Hunderten Journalisten, die mit Kameras und Handys den Moment festhalten wollten, wenn der Jubel über das Wahlergebnis ausbricht. Stattdessen gibt es ein fast schon höfliches kurzes Jubeln und ein orchestriertes Klatschen. Die Schilder bleiben unten. 29 Prozent für die Union: Für viele CDU-Wahlkämpfer eine Enttäuschung.

Viele Unwägbarkeiten

„Die 30 Prozent hätten es schon sein müssen“, sagen führende CDU-Politiker in vertraulichen Gesprächen. Zu schaffen machen ihnen auch die Unwägbarkeiten, die an diesem Wahlabend bleiben. Werden FDP und BSW noch den Sprung in den Bundestag schaffen? Diese Frage wird maßgeblich bestimmen, wie schwierig Koalitionsverhandlungen werden. Denn je mehr Parteien ins Parlament einziehen, desto schwieriger wird es für die Union, eine Mehrheit zu bilden. Noch dazu eine, die, wie Merz dies möchte, stabil und verlässlich sein soll.

Doch auch ohne FDP und BSW wird es für Merz kein Zuckerschlecken, den oder die passenden Regierungspartner zu finden. Manch CDU-Politiker spricht sogar von Erpressung in Bezug auf SPD und Grüne. Diese beiden Parteien könnten Zugeständnisse immer mit dem Argument einfordern, dass sie den Koalitionsvertrag von ihren Mitgliedern auf einem Parteitag absegnen lassen müssen.

Die inoffiziellen Drähte glühen dennoch bereits. Schon am Wahlabend fliegen SMS-Nachrichten zwischen CDU- und SPD-Spitzenpolitikern hin und her. Eine Koalition mit den massiv geschwächten Sozialdemokraten wäre für die Union die einfachste Regierungsoption. Ob sie gelingt, werden die kommenden Tage und Wochen zeigen. Zunächst tagen am Montag Bundesvorstand und Präsidium der CDU, am Dienstag will sich Merz dann in der neuen Unionsfraktion im Bundestag erneut zum Vorsitzenden wählen lassen.

Das erklärte Ziel des designierten Kanzlers: schnell eine Regierung schmieden. Deutschland könne sich keine langwierige Regierungsbildung leisten: „Die Welt da draußen wartet nicht auf uns.“ Morgen werde gearbeitet, aber heute, am Wahlabend, sei Zeit für „Rambo Zambo“, Zeit zum Feiern. Unter anderem mit Wein und Sekt aus der Pfalz, der an einem Stand im Konrad-Adenauer-Haus angeboten und sehr gut nachgefragt wird.

x