KOMMENTAR Stell dir vor, die AfD ist normal – und nur Jens Spahn erkennt’s

Jens Spahn hat sich für einen neuen Umgang mit der AfD ausgesprochen.
Jens Spahn hat sich für einen neuen Umgang mit der AfD ausgesprochen.

In der CDU läuft eine Debatte über den richtigen Umgang mit der AfD. Das nutzt den Rechtsaußen. Die haben keine Konzepte, aber plötzlich Fürsprecher.

Wer Jens Spahn dieser Tage dabei zuhört, wie er einer Normalisierung des Umgangs mit der AfD das Wort redet, könnte fast den Eindruck gewinnen, die besprochene Partei habe nach ihrem Wahlerfolg im Februar eine 180-Grad-Wende vollzogen.

Als wären sich die ganz Rechten im Bundestag ihrer staatsmännischen Verantwortung bewusst geworden, als würden sie ihrerseits einen normalen Umgang mit bis dato verächtlich gemachten Andersdenkenden pflegen und sich mit konstruktiver Sachpolitik für eine Aufnahme in die Riege der ernstzunehmenden Kollegen qualifizieren.

Dabei ist es doch ganz nüchtern betrachtet recht einfach: Jede Partei im Bundestag hat dieselben Rechte. Und jeder Abgeordnete hat die freie Entscheidung, ob er einen Kollegen als geeignet für die Übernahme von Posten oder die Mitarbeit in Ausschüssen ansieht.

„Da werden die ja wohl mitmachen dürfen, weil so viele sie wählen“-Verteidigern wie Jens Spahn reichen Wahlerfolge aus, um Freischeine für Gremienarbeit oder Postenübernahmen als gerechtfertigt anzusehen. Dabei wäre das erstens keine Normalisierung, zweitens brandgefährlich – vor allem für Spahns Partei. Nicht ganz zu unrecht hat der AfDler Maximilian Krah mal im Zusammenhang mit einer Normalisierung der AfD durch die CDU vom Startpunkt der Zerstörung der Christdemokraten gesprochen.

Mit seiner Wortmeldung möchte Spahn AfD-Wählern signalisieren: Ich verstehe euch. Nur: Die AfD hat keine 180-Grad-Wende vollzogen. Sie verachtet die parlamentarische Demokratie. Sie hat keine schlauen Konzepte. Sie hat dieselben Rechte wie alle – nur (noch) zu wenige Fürsprecher wie Jens Spahn.

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