Pfalz
Hubig und Lehrerverband: Ohne Hausaufgaben geht’s nicht
Die Abschaffung von Hausaufgaben im Schulalltag hat zuletzt die rheinland-pfälzische Schülervertretung (LSV) gefordert. Mit Blick auf den Trend künstliche Intelligenz und Programme wie Chat GPT liege es auf der Hand, dass diese auch bei den Hausaufgaben zum Einsatz kämen. Für die Lehrer sei somit immer schwerer zu erkennen, ob die Hausaufgaben von den Schülern erledigt würden. „Daher plädieren wir für die Abschaffung der zunehmend obsoleten Hausaufgaben“, sagt Pascal Groothuis vom LSV-Vorstand. Außerdem kritisieren die Schülerverteter, dass der Lernerfolg von Hausarbeiten ohnehin zu stark von der Unterstützung durch das Elternhaus abhängig sei.
Für letztere Aussage hat Cornelia Schwartz sogar Verständnis. Die Dürkheimerin ist Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Phililogenverbands und gibt als Englisch- und Mathelehrerin selbst regelmäßig Hausaufgaben auf. „Das selbständige Üben und Wiederholen müssen Kinder zuerst lernen. Wenn es von Seiten der Eltern nur wenig oder keine Unterstützung gibt, braucht es natürlich Angebote in der Schule mit pädagogisch geschulten Lehrkräften“, sagt Schwartz. Das sei zum Beispiel eine organisierte Hausaufgabenbetreuung, die es in Rheinland-Pfalz schon an vielen Schulen gebe. Auf Hausaufgaben in Zukunft zu verzichten, lehnt Schwartz jedoch ab. „Sie sind dazu da, um in der Schule Gelerntes zu verinnerlichen.“ Dass künstliche Intelligenz wie Chat GPT Hausaufgaben überflüssig mache, findet sie auch nicht. Die Lehrerschaft befände sich hier seit Monaten bereits im regen Austausch, wie sie in Zukunft mit solchen Programmen umgehen muss, so Schwartz. „Klar ist, Chat GPT verschwindet nicht mehr. Jetzt gilt es, Schüler im richtigen und kritischen Umgang damit zu schulen.“ Aus Lehrersicht geht es dabei vor allem darum, zu erkennen, wann Schüler sich ihre Aufgaben und Texte etwa automatisiert erstellen lassen. Schwartz empfiehlt: Bemerken die Lehrer, dass ein Text oder eine Aufgabe automatisiert erstellt wurde, sollte der Schüler noch einmal mündlich zum Thema abgefragt werden. Schüler hingegen sollten kenntlich machen, wann sie auf künstliche Intelligenz als Quelle zurückgegriffen haben.
Auch das rheinland-pfälzische Bildungsministerium sieht keinen Grund, am Prinzip Hausaufgaben zu rütteln. Bücher lesen, Vokabeln lernen oder Rechenaufgaben seien zentrale Funktionen der Hausaufgaben, sagt Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) auf Anfrage der RHEINPFALZ. „Gerade die Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben, Zuhören, Rechnen bleiben auch vor dem Hintergrund von Künstlicher Intelligenz wichtig.“ Klar sei aber auch, dass Schulen sich mit dem wachsenden Einfluss von künstlicher Intelligenz der Frage widmen müssen, welche Unterrichts- und Hausaufgabenformate noch brauchen.

