Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schranken gegen Autoposer: Mannheim plant nächtliche Sperrungen in den Quadraten

Die Fressgasse ist Teil der bei Autoposern beliebten Schleife durch die Innenstadt.
Die Fressgasse ist Teil der bei Autoposern beliebten Schleife durch die Innenstadt.

Die Stadt wagt einen neuen Anlauf, um gegen nächtlichen Durchgangsverkehr in der City vorzugehen. Eine Botschaft: Besucher aus der Pfalz sollen nicht verprellt werden.

Lautes Beschleunigen, aufheulende Motoren, unnötiges Hin- und Herfahren, wildes Gehupe, das Präsentieren getunter oder besonders teurer Fahrzeuge an Hotspots und im schlimmsten Fall sogar illegale Rennen – das ist das Hobby der Autoposer. Und damit gehen sie ihren Mitmenschen mitunter gehörig auf den Geist. Gerade in Mannheim – und dort vor allem in Fressgasse und Kunststraße. Zuletzt war es ruhig geworden um dieses Thema. Doch jetzt kommt es wieder auf die Tagesordnung. Die Stadt empfiehlt an drei Standorten in den Quadraten nächtliche Sperrungen. Diesen Vorschlag hat die Verwaltung am Dienstagabend einem Ausschuss des Gemeinderats vorgestellt.

Die Ziele sind klar: Der nächtliche Poser- und Durchfahrtsverkehr soll reduziert, Anwohner geschützt und grundsätzlich die Lebensqualität in der City verbessert werden. Immerhin wohnen etwa 25.000 Menschen in den Quadraten. Erreicht werden soll mehr Ruhe in der Nacht durch drei Schranken, die manuell geöffnet und geschlossen werden können. Dafür stehen drei Standorte im Raum: zwischen A1 und B1, zwischen C1 und D1 und zwischen Q1 und P1. An diesem letzten Standort auf Höhe der Galeria-Filiale gibt es schon eine (zuletzt offene) Schranke. Sie ist ein Überbleibsel eines von vielen als misslungen empfundenen einjährigen Verkehrsversuchs, der im Frühjahr 2022 begonnen hatte. Große Teile des Einzelhandels gingen ebenso auf die Barrikaden wie so mancher Anwohner.

Schranken runter in drei Nächten

Die drei Schranken sollen in drei Nächten unten sein, wie Petar Drakul, der Innenstadt-Beauftragte des Mannheimer Oberbürgermeisters, erläutert: in den Nächten von Donnerstag auf Freitag, Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag, jeweils zwischen 22 und 4 Uhr. Schlagzeilen wie „Mannheim riegelt Innenstadt ab“ wollen sie im Rathaus freilich unbedingt vermeiden. Und – sollte es so kommen wie geplant – das wird auch nicht passieren. „Es geht darum, den Autoposern den Spaß zu verderben. Und dafür werden Teilstücke der beliebten Strecke unterbrochen“, sagt Drakul.

Ist schon da und wartet darauf, reaktiviert zu werden: die Schranke auf Höhe der Galeria-Filiale in der Fressgasse.
Ist schon da und wartet darauf, reaktiviert zu werden: die Schranke auf Höhe der Galeria-Filiale in der Fressgasse.

Bislang ist es so, dass auch Autofahrer, die von der Kurt-Schumacher-Brücke über den Rhein nach Mannheim kommen, ziemlich komfortabel in die Kunststraße fahren können. Und jene, die mit ihren Autos angeben wollen, vermuten in den Besuchern der dortigen Cafés ein dankbares Publikum für die großen Spielzeuge aus Blech. Dann geht es Richtung Wasserturm, ein kurzes Stück über den Ring und durch die Fressgasse zurück in die Quadrate. „Mit den Unterbrechungen soll die Strecke um 2,8 Kilometer länger und weniger attraktiv werden. Und es gibt dann nicht mehr so viel Publikum“, führt Drakul aus.

Autos sollen gezählt werden

Der Durchgangsverkehr innerhalb der Quadrate wurde erstmals im Jahr 1992 gemessen. Eine weitere Erhebung fand im Jahr 2014 statt. Im Juni 2017 wurde nach Abschluss der Bauarbeiten von Q6/Q7 erneut ein Ingenieurbüro damit beauftragt, entsprechende Daten zu ermitteln. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Poserstrecke gelegt. Für den 2017 untersuchten Zeitraum von 6 bis 22 Uhr wurden täglich 350 Durchgangsfahrten gezählt. In den Abendstunden soll der Verkehr damals zugenommen haben.

Im Rathaus zuständig für Themen rund um die Innenstadt: Petar Drakul.
Im Rathaus zuständig für Themen rund um die Innenstadt: Petar Drakul.

Um jetzt auch Daten für die Nachtstunden ab 22 Uhr zu gewinnen, soll erneut gezählt werden – und zwar an vier Standorten: Fressgasse (Q6/Q7), Marktstraße (Café Herdegen), Kunststraße (N7), Friedrichsring (Denkmal Carl Benz). Nach der Sommerpause soll das Ergebnis der Messungen präsentiert werden. Mit den Sperrungen begonnen werden könnte dann frühestens im Winter 2026/2027.

Botschaft an die Pfälzer

Eine zwischenzeitliche Sperrung der Fressgasse in den Nächten am Wochenende erfolgte bereits vor dem Verkehrsversuch. Zu beobachten war damals, dass sich der nächtliche Verkehr aus der Fressgasse auf die Erbprinzenstraße Richtung Kurpfalzkreisel verlagerte. Dies dürfte erneut zu erwarten sein. Staus sind zudem in der verlängerten Marktstraße wahrscheinlich. Drakul versichert, dass man mit den Anwohnern im Gespräch sei.

Eine weitere Botschaft richtet Drakul auch an die Pfälzer: Die Parkhäuser in der City seien jederzeit zu erreichen. Man komme also auch in den drei Nächten mit drei heruntergelassenen Schranken rein in die Quadrate und wieder raus. Eben nur auf anderen Wegen. „Und wer einfach zum Shoppen nach Mannheim kommt, der ist von den Sperrungen ohnehin nicht betroffen.“ Die Besucher von der anderen Seite des Rheins will man in Mannheim unter keinen Umständen verprellen. Schließlich haben viele Einzelhändler zuletzt ohnehin schon immer wieder beklagt, dass es die Pfälzer nicht mehr so oft über den Rhein zieht wie früher.

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