USA RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Klaps für Trumps „erfolgreichen Mann“ : Merz in Washington

Bundeskanzler Merz kam bei dem Auftritt mit dem US-Präsidenten im Oval Office nur selten zu Wort. Das dürfte ihn kaum gestört ha
Bundeskanzler Merz kam bei dem Auftritt mit dem US-Präsidenten im Oval Office nur selten zu Wort. Das dürfte ihn kaum gestört haben.

Der Bundeskanzler wird vom US-Präsident außerordentlich freundlich empfangen. Dabei lästert Donald Trump über Großbritannien und Angela Merkel.

Friedrich Merz kann sich zurücklehnen. Die Hände gefaltet in einem goldfarbenen Stuhl des Oval Office, hinter ihm goldene Deko. Neben ihm sitzt US-Präsident Donald Trump, der von Journalisten mit Fragen gelöchert wird zu seinem Krieg gegen den Iran. Trump prahlt: „Wir greifen sie sehr hart an.“

Zu dem deutschen Kanzler ist Trump bei dem mit Spannung erwarteten Treffen mehr als nur freundlich: Merz sei „ein sehr erfolgreicher Mann“ und in Deutschland „sehr beliebt“. Wenig später scherzt Trump auf Kosten von Merz – und verpasst dem Kanzler einen freundschaftlichen, aber energischen, hörbar lauten Klaps.

Im Oval Office empfängt Trump den Bundeskanzler als ersten Regierungschef seit Beginn der US-israelischen Bombardierung des Iran – an Tag vier einer brandgefährlichen Lage im Nahen Osten. Der Besuch galt als schwierig. Merz kam zwar nur am Rande zu Wort, was ihn aber kaum gestört haben dürfte. In einem seiner wenigen Beiträge betonte er die anderen transatlantischen Themen: „Wir müssen über unser Handelsabkommen sprechen“, sagte der 70-Jährige. Zudem forderte er: „Die Ukraine muss ihr Territorium und ihre Sicherheitsinteressen wahren.“

Unter Druck

Sicher kann man dieser Tage aber auch sagen: Deutsche und Amerikaner verbindet in diesen Tagen eine Unsicherheit. Hat Trump eine Strategie, wie es nach der Tötung der wichtigsten Führer Teherans weitergehen soll? Warum ist er mit Israel überhaupt das Risiko eines Flächenbrandes in Nahost eingegangen? Und warum jetzt?

Der US-Präsident gilt als stressresistent, doch der Flächenbrand in der arabischen Welt mit toten Zivilisten und gefallenen US-Soldaten setzt den 79-Jährigen unter enormen Druck. Ist ein Regimewechsel in Teheran ohne Bodentruppen möglich – oder entsteht nach der Tötung Ali Chameneis ein neuer Terrorstaat? Trump hatte versprochen, die USA aus Kriegen herauszuhalten. Im Herbst stehen Zwischenwahlen an – und Trump steckt in einem historischen Umfragetief.

Friedrich Merz konnte die Anti-Kriegsdemonstranten hinterm Zaun des Weißen Hauses während seiner Reise zwar nicht sehen, aber vielleicht hören. Dort wummern die Bässe, ein Plakat fordert: „Erinnert Euch an den Irak. Keine Kriege mehr, die auf Lügen basieren.“ Ein Mann schimpft: „Für diesen Krieg wurde uns nicht die geringste Rechtfertigung gegeben.“ Immer wieder gibt es auch Spekulationen, dass Trump einfach nur von dem Skandal um den toten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ablenken will, wobei auch der Präsident schweren Vorwürfen ausgesetzt ist.

Ein großes Lob

Doch es gibt auch andere Stimmen am Weißen Haus: „Der Iran war eine Bedrohung für Europa und die Vereinigten Staaten“, sagt ein Stadtführer, der sich auf seine nächste Tour vorbereitet. „Deutschland ist heute sicherer als vor dem Sturz der iranischen Regierung.“ Merz steht ebenfalls unter erheblichem Druck. Er gehört zu den wenigen europäischen Regierungschefs, die überhaupt so etwas wie einen verlässlichen Kontakt zu Trump haben. Der Bundeskanzler will sich im Oval Office als Führungsfigur in Europa behaupten.

Das ist Merz – zumindest für den Moment – mit Bravour gelungen. Trump verstieg sich im Oval Office sogar dazu, vor dem Kanzler über Spanien und Großbritannien herzuziehen. Die Briten hätten den USA nicht wie gewünscht bei der Militäroperation gegen den Iran geholfen. Mit Premier Keir Starmer jedenfalls sei er nicht zufrieden: „Wir haben es hier nicht mit Winston Churchill zu tun.“

Und dann kommt Trump auf Merz’ Vorgängerin Angela Merkel zu sprechen: „Ich hatte meine Differenzen mit Angela“, sagt er mit betonter Abfälligkeit in der Stimme. Merz dagegen sei das Gegenteil von ihr.

Vom Krieg gegen den Iran gibt es für Merz eine logische Verknüpfung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der durch die aktuelle Entwicklung an internationaler Aufmerksamkeit verliert. Deutschland ist der größte militärische und finanzielle Unterstützer Kiews. Dennoch sind Deutschland und Europa nicht in die von den USA bestimmte Vermittlungsgruppe eingebunden.

Das Gesicht wahren

Bei dem Mittagessen, das auf das Treffen im Oval Office folgen sollte, dürfte Merz mehr Zeit gehabt haben, um Trump davon zu überzeugen, dass Entscheidungen nicht über den Kopf der Ukraine und Europas hinwegfallen dürfen. Nach der Lobhudelei durch den US-Präsidenten scheint durchaus vorstellbar, dass der Trump an diesem Tag ein offenes Ohr für den Kanzler hat.

Noch ein Thema trat angesichts des Iran-Krieges fast in den Hintergrund: Trumps aggressive Zollpolitik. Der Oberste US-Gerichtshof in Washington hob Trumps weltweites Zollregime im Februar mit einer monumentalen Entscheidung aus den Angeln und erklärte es für unrechtmäßig. Trump klagte im Oval Office zwar lauthals darüber, sagte aber wenig Neues.

Wenn es um den deshalb auf Eis liegenden Handelspakt mit der EU geht, ist Merz als Regierungschef der größten Volkswirtschaft in Europa aber zumindest der richtige Ansprechpartner für den Präsidenten. Es muss eine Lösung her, und zwar eine, die für Trump gesichtswahrend ist und die er als Erfolg verkaufen kann.

Das Gesicht wahren – das ist an diesem Tag im Oval Office für beide Seiten ein hohes Gut. Wenn man in die Miene von Friedrich Merz schaut, bekommt man den Eindruck, dass dieser sich ein breites Grinsen manchmal kaum verkneifen kann.

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