Zweibrücken
13-Jähriger stirbt und rettet fünf Menschen das Leben
Dieser Vormittag geht vielen der rund 85 Schüler in der Aula des Zweibrücker Hofenfels-Gymnasiums unter die Haut. In zwei Schulstunden geht es um die Frage: Was bedeutet es, die eigenen Organe zu spenden und damit anderen nach dem eigenen Tod das Leben zu retten? Um ihnen Infos von beiden Seiten – von Angehörige eines Organspenders und von einem Empfänger – an die Hand zu geben, lud die Initiative Organspende auch Reinhard Klein ein, der als Herztransplantierter „knapp dem Tod entkommen“ ist, wie er sagt.
Im Februar 2023 wurde ihm ein Herz transplantiert – und sein „zweites Leben“ begann, beschreibt er es. Ohne Spende wäre er höchstwahrscheinlich gestorben. Zusätzlich zu seiner Herzkrankheit habe er immer viel gearbeitet. „Ich hatte keine Zeit, um über meine Gesundheit nachzudenken“, erzählt der 67-Jährige den Schülern, die an seinen Lippen hängen. Bis seine Herzleistung auf 18 Prozent sank. „Nach zehn Meter Laufen war die Luft weg. Heute würde ich nicht mehr hier stehen.“
„Ich brauche die Organe ja dann eh nicht mehr“
Die 18-jährige Schülerin Leonie hat schon „relativ oft“ über das Thema Organspende nachgedacht, erzählt sie der RHEINPFALZ, dass sie Organspenderin werden möchte. Sowohl Leonies Mutter als auch ihre Oma und ihre Uroma hätten jeweils eine Niere bekommen. „Das vererbt sich dann praktisch“, spricht die Zwölftklässlerin von Zystennieren. „Weil ich nicht weiß, ob ich irgendwann mal eine Niere bekomme, ist das so ein Geben und Nehmen.“ Als kleines Kind zu sehen, wie ihre Mutter litt, habe etwas mit ihr gemacht. Die Niere habe sie von ihrem Vater (Leonies Opa) bekommen. Ihre Oma habe etwa sieben Jahre aufs Organ warten müssen, schätzt sie.
Dass sie ihre Organe spenden möchte, war für sie schon vorher klar, sagt die 19-jährige Emilia. Zu Hause sei darüber geredet worden; auch, weil ihre Mutter wegen ihrer Tätigkeit bei einem Hausarzt mit dem Thema in Berührung käme. „Ich brauche die Organe ja dann eh nicht mehr.“ Auch die 18-jährige Diana möchte nach dem Vortrag Organspenderin werden. „Ich finde das einfach wichtig, dass man Menschen hilft, die in einer Notlage sind – weil ich auch gern hätte, dass mir jemand hilft, wenn ich in so einer Situation bin.“
„Fünf Menschen konnten durch ihn weiterleben“
Auch ein Kurzfilm über den 13-jährigen Lenny wird gezeigt, der auf dem Schulweg von seinem Fahrrad stürzte und eine schwere Kopfverletzung davontrug. Nach einer Woche im Koma erlitt er einen Hirntod. Für eine Organspende müsse ein Hirntod eingetreten sein, denn die Organe müssten noch durchblutet sein. Zwei unabhängige Ärzte müssten das vorher prüfen. Nur 0,5 Prozent aller Todesfälle seien Hirntode – deshalb warten in Deutschland 8200 und in Rheinland-Pfalz 360 Menschen auf Organe.
Lennys Eltern, erzählen sie im Film, beschlossen, dass er Organspender wird. Darüber habe er mit ihnen vor seinem Tod zufällig gesprochen. Mit seinen Organen habe Lenny fünf Menschen das Leben gerettet. „Das sind fünf Menschen, die durch ihn weiterleben konnten“, sagt seine Mutter. Zumindest ein kleiner Trost für sie.