Meinung
Doch wieder Weltpolizist
Donald Trump versprach seinen Wählern, das Land aus „dummen Kriegen“ herauszuhalten. Den Ukrainekrieg wollte er binnen eines Tages beenden und dafür den Friedensnobelpreis erhalten. Eine Friedenstaube war Trump zwar nie, Drohung und Erpressung zählen zu seinen bevorzugten Methoden, aber seit dem Jahreswechsel hat er sich in einen Falken verwandelt. Anfang Januar schlug die US-Armee in Venezuela zu. Danach griff Trump nach Grönland, drohte den Verbündeten in Europa. Nun hat er den Iran angegriffen und die Staatsspitze des Mullah-Regimes ausgeschaltet.
Der Herr im Weißen Haus strebt nach Kontrolle über andere Länder. Je näher sie an Nord- und Südamerika liegen, der sogenannten westlichen Hemisphäre, desto härter ist der Zugriff Washingtons. Trumps Außenminister Marco Rubio hat jüngst auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Aufteilung der Welt unter den Ländern der westlichen Zivilisation gelobt. Für die Rede bekam er lauten Beifall. In Europa klingt westliche Vorherrschaft nach ferner Vergangenheit. Doch in Russland, China, Afrika und Lateinamerika war sie stets die Essenz einer Politik, die sich nur mit Völkerrecht und Menschenrechten tarnte. Donald Trump belebt den Imperialismus unverblümt und verzichtet auf den moralischen Mantel. Die Europäer hatten sich darunter verborgen und werden unsanft erinnert an das Spiel der Weltpolitik, das sie einst mit brutaler Härte spielten.