Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Die neue atomare Realität: Was der Sipri-Bericht für Europa bedeutet

Frankreichs Präsident Macron (rechts) hat angeboten, den französischen Atomschutzschirm auf Europa auszuweiten.
Frankreichs Präsident Macron (rechts) hat angeboten, den französischen Atomschutzschirm auf Europa auszuweiten.

Der Sipri-Bericht zeigt einmal mehr, dass die nukleare Gefahr zunimmt. Für Europa wächst damit der Druck, die eigene Abschreckung neu zu denken.

Der neue Sipri-Bericht zeigt, wie stark sich die sicherheitspolitische Lage weltweit verändert hat: Die Anzahl einsatzfähiger Nuklearwaffen steigt, Arsenale werden modernisiert, Abrüstungsverträge zerfallen. Atomwaffen sind wieder ein offenes Instrument der Machtpolitik.

Besonders alarmierend ist dabei die Situation Europas. Jahrzehntelang lebte der Kontinent unter dem amerikanischen Atomschirm, dessen Verlässlichkeit unter US-Präsident Donald Trump nicht mehr garantiert scheint. Gleichzeitig rüsten Atommächte wie Russland und China massiv auf. Kremlchef Wladimir Putin zeigt immer wieder, wie schnell nukleare Drohungen Teil geopolitischer Erpressung werden können.

Europäischer Atomschirm?

Daraus sollte keine atomare Aufrüstungseuphorie entstehen. Aber Europas Staats- und Regierungschefs müssen anerkennen, dass Abschreckung weiterhin funktioniert und für die eigene Sicherheit womöglich unverzichtbar bleibt.

Deshalb ist die Debatte über einen gemeinsamen nuklearen Schutzschirm richtig. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte vor wenigen Wochen angeboten, die nukleare Abschreckung stärker europäisch auszurichten. Natürlich ergeben sich daraus schwierige Fragen – etwa nach Kontrolle, Mitsprache und Finanzierung eines solchen Atomschirms. Doch der Sipri-Bericht macht unmissverständlich deutlich, dass Europa diese Realität nicht länger verdrängen darf.

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