Glosse
Der Kanzler feiert und hat die Fraktion am Hals
Merz ist der zehnte Bundeskanzler in der Geschichte der Bundesrepublik – und nach Konrad Adenauer der älteste im Amt. Für CSU-Chef Markus Söder ist das kein Grund, an Merzens „Power und Fitness“ zu zweifeln. „Wir dürfen noch lange mit Friedrich Merz rechnen“, lobpreiste der 58-Jährige bei einer Feier der Unionsfraktion am Dienstag den Jubilar. Mit dem ihm eigenen Humor überreichte der Bayer als Geschenk eine Figur von CSU-Übervater Franz Josef Strauß. Diese solle Merz immer daran erinnern, wie gut er es mit dem heutigen Vorsitzenden der bayerischen Schwesterpartei getroffen habe. Teilnehmer berichten, Merz habe etwas geschmunzelt.
Mindestens genauso originell wie Söders Präsent war die Gabe von Unionsfraktionschef Jens Spahn: drei Krawatten mit Tiermotiven. Jeweils ein Exemplar mit Delfin-, Elefant- und Eichhörnchen-Motiv. Welche versteckte Botschaft darin womöglich transportiert wurde, ist sicherlich bald Gegenstand der zeitgeschichtlichen Forschung.
Merz ist ein „Skorpion“
Lustig gemeint war Spahns Hinweis, mit den Krawatten könne Merz die Fraktion „immer am Hals“ tragen. Merz antwortete darauf, dass er vom Sternzeichen her Skorpion sei: „Wenn Sie wissen wollen, wie Skorpione sind, lesen Sie im Horoskop. Das stimmt alles.“ Intensive Recherchen ergaben, dass nach astrologischer Überlieferung typische Charakterzüge von Skorpionen Leidenschaft, Willensstärke, gelegentliches Misstrauen, Treue, aber auch Rachsucht sind. Apropos: Angela Merkel fehlte bei der Feier, obwohl sie als einstige Fraktionschefin ausdrücklich eingeladen worden war. Die frühere Kanzlerin ließ sich wegen einer Reise nach Israel, wo ihr die Ehrendoktorwürde des Weizmann-Instituts für Wissenschaften verliehen wird, entschuldigen. Dem Jubilar mag es ebenso recht gewesen sein wie Merkel.
Für ein weiteres Geschenk stieg die Unionsfraktion sogar auf das Dach des Reichstagsgebäudes (oder schickte jemanden vor): Eine Deutschlandfahne vom Mast des Nordost-Turms war vom Bundestag mit Genehmigung von Präsidentin Julia Klöckner erworben worden. Die Unionsfraktion hat als Ersatz eine neue Fahne gekauft, damit auf dem Reichstagsgebäude keine fehlt, wurde ausdrücklich betont.
Dorothee Bär schmeichelt dem Kanzler
Die Minister seines Kabinetts grüßten Merz freundlich in einem Video, das der Kanzler gleich über Social Media verbreiten ließ. Neben netten „Alles Gute“-Wünschen stach Forschungsministerien Dorothee Bär (CSU) heraus. Sie schmeichelte Merz mit den Worten: „You look younger than ever“ (Sie sehen jünger aus denn je) – ein Zitat aus dem Silvester-Klassiker „Dinner for One“.
Auch die SPD machte ihre Aufwartung: Vize-Kanzler und Finanzminister Lars Klingbeil schenkte – kostengünstig – einen eingerahmten Zettel, auf den er während der Koalitionsverhandlungen seinen Vorschlag für den Titel des Koalitionsvertrags geschrieben hatte: „Verantwortung für Deutschland“. Das wurde später auch die Überschrift des Dokuments. „Wenn wir Dinge besprochen haben, dann hat das geklappt, nicht immer sofort, nicht immer ruckelfrei, aber es hat funktioniert“, lobte Klingbeil den Kanzler. Die Botschaft dieser Worte: Bei Schwarz-Rot ist doch noch nicht Hopfen und Malz verloren.