Ludwigshafen Fußball-WM: Pfarrerin Susanne Schramm wünscht sich Respekt statt Kommerz
Seit Donnerstag rollt der Ball bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Erwartet uns ein neues Sommermärchen? Wohl kaum. Die Beziehungen zwischen den Gastgeberländern Kanada und USA sind durch den Handelskrieg von US-Präsident Donald Trump und Annexionsgelüste zerrüttet. Und das andere Gastgeberland Mexiko wird ständig bedroht. Und da soll nun ein fröhlich-friedliches Fußballfest stattfinden?
Vor 20 Jahren, als die WM bei uns stattfand, da lautete das Motto: „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Und abseits der Schmiergeldaffären gab es sie wirklich: die Momente echter Geschwisterlichkeit. Wenn die Japanerin Ikuko und die Australierin Antonietta sich in der Jugendherberge in Hochspeyer das Zimmer und Waschbecken teilten und bis tief in die Nacht über Gott und die Welt sprachen. Wenn der Gast aus Trinidad staunte, dass Fremde sich plötzlich so nah sein können.
Im neuen Dokumentarfilm „Spielfeld der Macht – Die WM in Trumps USA“ kommt ein Soziologe zu Wort. Er sagt: „2006 war die Welt zu Gast bei Freunden, diesmal könnte das Motto sein: Die Welt zu Gast bei Feinden.“
Das klingt heftig. Irgendwie will ich das auch nicht wahrhaben. Ganz fest hoffe ich, dass auf den Rängen und dem Platz etwas spürbar wird von der biblischen Aussage, dass wir alle Gottes Geschöpfe sind und einander respektieren sollen. Und das dann, wenn der Ball rollt, ein utopischer Zustand anbricht, der nachwirkt, auch über den Schlusspfiff hinaus. Die Bühne des Sports ist oft für Politik und Geschäfte genutzt worden. Ich wünsche mir, dass der völkerverbindende Geist des Sports überlebt und nicht der Kommerz der Funktionäre. Gastfreundschaft und Vielfalt sind keine zeitlich begrenzten Spektakel, die man für strategische Eigeninteressen instrumentalisiert. Sie müssen Alltag werden. Die FIFA macht vielleicht die Geschäfte, aber Gemeinschaft stiften immer noch die Menschen selbst.
Die Autorin
Susanne Schramm (59) ist Pfarrerin der Citykirche in Mitte.