Wahl-O-Mat Der beliebteste Online-Ratgeber für die Wahl
Für den früheren Justizminister Marco Buschmann ist die Sache klar: Automatische Gesichtserkennung an Bahnhöfen? Nein, das findet der FDP-Politiker nicht gut. „Viel zu fehleranfällig“, sagt er und klickt auf „Stimme nicht zu“. Dass Deutschland weiterhin die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland fördern soll, ist indes in Buschmanns Sinn. „Da stimme ich zu.“ Der derzeitige Generalsekretär der FDP klickt sich gut gelaunt und stets mit klarer Begründung durch die 38 Thesen des Wahl-O-Mat, um am Ende wenig überrascht festzustellen, dass seine Position mit jener der FDP übereinstimmt.
Bei der Vorstellung des Online-Angebots der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Berlin sind die Vertreter von sieben Parteien eifrig dabei, sich auf den bereitgestellten Laptops durch das digitale Frage-Antwort-Tool zu arbeiten. Neben Buschmann ist unter den Prominenten auch die Linken-Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek dabei, die CDU wird durch die stellvertretende Generalsekretärin Christina Stumpp vertreten.
Bisher 40 Mal eingesetzt
„Kein anderes Instrument der politischen Bildung wird so stark genutzt wie der Wahl-O-Mat“, sagt bpb-Präsident Thomas Krüger und wartet mit beeindruckenden Zahlen auf: Bei der Bundestagswahl 2021 sei das Angebot über 21 Millionen Mal genutzt worden. „Der Wahl-O-Mat ist das letzte mediale Lagerfeuer, vor dem man sich versammelt“, lobt Krüger das kostenlose und anonyme Online-Angebot aus seinem Haus.
Herausfordernd sei die Arbeit diesmal gewesen, erinnert der bpb-Präsident an die kurze Zeit zur Vorbereitung. Schließlich war lange damit gerechnet worden, dass die Bundestagswahl erst im September stattfindet. Seit 2002, als der Wahl-O-Mat erstmals veröffentlicht wurde, konnte der Online-Ratgeber verbessert und modernisiert werden. Mittlerweile gibt es ihn auch als App für das Smartphone, außerdem hält die bpb eine Version für Blinde vor und eine in Leichter Sprache. Politische Bildung sei schließlich ein Gut für alle, sagt Krüger. Bis heute wurde der Wahl-O-Mat über 40 Mal bei den Europa-, Landtags- und Bundestagswahlen eingesetzt.
Positionen aller Parteien ausgewertet
Seit Donnerstag können Wähler unter der Internetadresse www. wahl-o-mat.de ihre eigene Position mit der aller 29 zur Bundestagswahl antretenden Parteien in 38 Thesen vergleichen. Sie können den Thesen zustimmen, sie ablehnen, sich neutral positionieren oder sie überspringen. Am Ende kann man festlegen, für welche Parteien die Auswertung vorgenommen werden soll.
Der Wahl-O-Mat errechnet dann, welcher Partei man anhand der gegebenen Antworten am nächsten steht. Eine grafische Übersicht zeigt an, zu wie viel Prozent die eigene Position mit dem Wahlprogramm der ausgewählten Parteien übereinstimmt.
Jungwähler arbeiteten mit
Kontroverse Standpunkte werden dabei nicht ausgespart. Themen wie Migration, Ukraine-Krieg oder Wirtschaft finden sich im Wahl-O-Mat mit entsprechenden Thesen wieder. So kann man zum Beispiel über die Forderungen abstimmen, dass der Euro in Deutschland durch eine nationale Währung ersetzt oder die Kernenergie wieder bundesweit für die Stromerzeugung herangezogen werden soll.
Die Thesen des Wahl-O-Mat wurden von einem Redaktionsteam aus Jungwählern aus ganz Deutschland, Experten aus Wissenschaft und Bildung sowie den Verantwortlichen der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelt und ausgewählt.
Junge Pfälzerin machte mit
Für die Wahl-O-Mat-Redaktion zur Bundestagswahl 2025 konnten sich alle Wahlberechtigten bis 26 Jahre bewerben. Anschließend wurde eine möglichst vielfältige Gruppe aus 24 jungen Leuten ausgewählt. In einem dreitägigen Workshop wurden zunächst 80 Thesen erarbeitet. Grundlage dafür waren die Wahlprogramme aller zur Wahl zugelassenen Parteien.
Für diesen Workshop ausgewählt wurde auch Ausra Dilba aus Kaiserslautern. Die 19-Jährige ist zur Zeit ehrenamtlich unter anderem für das deutsch-französische Jugendwerk tätig und möchte ab dem Wintersemester in Mannheim Jura studieren.
Parteien an den Thesen nicht beteiligt
Das Ausarbeiten der Thesen sei „mental fordernd“ gewesen, erinnert sie sich im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Schließlich mussten die Programme der Parteien gesichtet und Schwerpunkte herausgearbeitet werden. Dilba gehört keiner Partei an, steht aber der Linkspartei nahe. Der Wahl-O-Mat deckt ihrer Meinung nach das ganze Spektrum der politischen Positionen ab.
Einbezogen wurden jene Thesen, die sowohl wichtige Themen der Wahl aufgreifen als auch von den Parteien kontrovers beantwortet werden. „Die Unterscheidbarkeit der einzelnen Parteien wird so gewährleistet und ein breites thematisches Spektrum abgedeckt“, erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung. Die Parteien waren übrigens an der Erstellung und Auswahl der Thesen nicht beteiligt, haben aber die Antworten und Begründungen dazu verfasst und autorisiert.
Unter dem Menü-Punkt „Wer steht zur Wahl“ kann man ein Kurz-Profil zu jeder zugelassenen Partei lesen. Die Profile sollen eine zusammenfassende Übersicht zu den einzelnen Wahlprogrammen der Parteien geben – insbesondere zu den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Grundfragen.