Leitartikel
Armin Laschet: Er ist es doch!
Nur wer Armin Laschet gut kennt, hat bis zuletzt geglaubt, dass er den Kampf mit Markus Söder um die Kanzlerkandidatur noch gewinnen könne. Laschet hat in seiner langen politischen Laufbahn schwere Niederlagen erlitten, aber auch weggesteckt. Und wenn er Abstimmungen und Wahlen gewonnen hat, dann immer nur knapp, ja hauchdünn. Der Mann hat Stehvermögen. Man kann seine Beharrlichkeit für Sturheit halten. Man kann Laschet aber auch Gradlinigkeit und eine feste Grundhaltung attestieren.
In den vergangenen Tagen haben Teile der CDU sich zu einem Kurs der Selbstverzwergung verleiten lassen, wie man ihn nur von der SPD gewohnt ist. Sie reduzierten die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur auf die Frage, wer wohl die größten Siegeschancen habe. Als Messlatte dafür nahmen sie die aktuellen Meinungsumfragen, die eine Wahlniederlage und vor allem den Verlust vieler Direktmandate möglich erscheinen lassen. Sie haben vergessen, wie sich die Union noch vor vier Monaten im Glanz der Umfragehöhen sonnte. Und sie schließen aus, dass sie mit gemeinsamer Kraft und Überzeugung in vier Monaten wieder gute Umfragewerte haben können. Stattdessen setzten sie alles auf einen Erlöser. Wie seinerzeit die SPD, als sie Martin Schulz wegen seiner sagenhaften Zustimmungswerte in der Bevölkerung auf den Kandidatenthron setzte und anhimmelte. Das Ergebnis ist bekannt.
Der Vorwand der Basisnähe
Es war beklemmend mitanzusehen, wie sich die christliche Volkspartei CDU da auf Machtdenken, Postensicherung und Populismus reduziert hat und von politischen Überzeugungen und Zielen kaum noch die Rede war. Auch die Junge Union ist dominiert von konservativen Karrieristen. Von stürmenden und drängenden Reformern ist in ihren Reihen kaum etwas zu sehen. Wo mag das noch hinführen? Die anhaltende Distanz der Bevölkerung gegenüber den „alten“ Parteien verleitet viele in der CDU dazu, wie die CSU unter dem Vorwand der Basisnähe auf Populismus zu setzen. Markus Söder ist derzeit der wandlungsfähigste und wendigste deutsche Politiker, verbirgt dies aber geradezu genial hinter der Attitüde des erfolgreichen Machers.
Das kommt in Krisenzeiten gut an. Die Zustimmung des Wahlvolkes ist für Söder das wichtigste Kapital. Darin unterscheidet er sich sehr von Angela Merkel. Doch Volkstribune wie Söder haben, sind sie an die Macht gelangt, mehr damit zu tun, den eigenen Anhang bei Laune zu halten oder willfährig den jeweiligen Stimmungen im Volk hinterherzulaufen, als zum Wohle der Vielen zu regieren.
Gesellschaft muss zusammengeführt werden
Die Last der „Söderisten“ auf Armin Laschet wird gewaltig bleiben. Aber um Kanzler zu werden, muss der eben mehr Menschen beeindrucken als nur CDU- und CSU-Anhänger. Der Aachener hat bessere Aussichten als Söder, aus der Mitte der Bevölkerung viele Stimmen zu bekommen. Das Offene, Versöhnliche, Verbindliche des CDU-Vorsitzenden passt in eine Zeit, in der nach der Pandemie die gespaltene Gesellschaft wieder zusammengeführt werden muss. Annalena Baerbock und Olaf Scholz werden es gegen den Kandidaten Laschet schwerer haben, der Union Wähler abspenstig zu machen. Laschet freilich muss jetzt zuerst mal die Union miteinander versöhnen. Und Söder muss mitmachen.




