Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer CDU-Politiker Steiniger: Es gab schon Parteiaustritte

Johannes Steiniger
Johannes Steiniger

„Die Würfel sind gefallen“, sagte CSU-Chef Markus Söder zum Votum der CDU für Armin Laschet. Der Bad Dürkheimer CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger hatte sich ein anderes Ergebnis gewünscht.

Herr Steiniger, Sie haben sich offen für Markus Söder als Kanzlerkandidat der Union ausgesprochen. Wie enttäuscht sind Sie?
Die Enttäuschung ist da. Ich spüre sie auch insbesondere bei den Mitgliedern und Sympathisanten unserer Partei. Heute Morgen gingen schon sehr viele Nachrichten mit diesem Tenor bei mir ein, leider gab es auch ein paar Parteiaustritte. Viele können nicht verstehen, dass der CDU-Bundesvorstand nicht auf die ganz eindeutige Meinung an der Basis unserer Partei eingegangen ist.

Wie werden Sie Ihre Leute für den Wahlkampf motivieren?
Zum einen gilt es natürlich, dass das Adenauer-Haus jetzt sehr schnell ein Wahlprogramm liefert. Die Union hat viele gute Ideen für ein modernes Deutschland, das sollten wir zeigen. Ich erwarte auch, dass Armin Laschet sich ein Team zur Seite stellt, in dem diejenigen, die für Söder waren, auch deutlich vertreten sind. Die schwierigste Aufgabe wird in der Tat sein, unsere Mitglieder zu motivieren, in einen Wahlkampf zu ziehen, in dem vermutlich alle gegen die Union kämpfen. Die Grünen haben sich jetzt mit Annalena Baerbock professionell aufgestellt, aber ihr Wahlprogramm wird Deutschland schaden.

Fällt Ihnen auch etwas Gutes zu Laschet ein?
Meine Positionierung für Söder war ja nicht eine Positionierung gegen Laschet. Ich kam in der Abwägung der Vor- und Nachteile beider Kandidaten zu dem Ergebnis, dass wir mit Söder eine stärkere Mobilisierung unserer Mitglieder erreichen können. Wir hatten in Rheinland-Pfalz eine Kreisvorsitzendenkonferenz mit einem eindeutigen Ergebnis: Lediglich ein Kreisvorsitzender war für Laschet! Ein starker Söder hätte den Wahlkampf befeuern können. Söder hat heute übrigens sehr respektabel reagiert, es gab kein Nachtreten, er zeigte hohen Anstand, indem er das Ergebnis der CDU für Laschet anerkannte. Das macht Mut!

Muss die Union für künftige Fälle nicht ein eindeutiges Verfahren entwickeln?
Das Hin und Her der letzten zehn Tage war nicht gut für die Union. Wir sollten deshalb für den seltenen Fall der Nominierung eines Kanzlerkandidaten ein Verfahren zwischen CDU und CSU entwickeln. Ich kann mir eine Mitgliederbefragung beider Parteien gut vorstellen.

Wie sind die Risse zu kitten, die in der CDU und zwischen den beiden Parteien entstanden sind?
Indem wir uns auf die Sacharbeit konzentrieren, nachdem die personellen Fragen geklärt sind. Jetzt heißt es, das Wahlprogramm schnell fertig zu stellen. Wir haben bessere Inhalte als die Grünen – dafür müssen wir die nächsten Monate arbeiten.

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