Politik Özil-Rücktritt befeuert Integrationsdebatte

Stammspieler: Mesut Özil mit dem Bundesadler auf der Brust.
Stammspieler: Mesut Özil mit dem Bundesadler auf der Brust.

«Berlin/Ankara.»Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) nannte es gestern ein „Alarmzeichen“, wenn ein großer deutscher Fußballer wie Özil sich wegen Rassismus nicht mehr gewollt fühle. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schätze den zurückgetretenen Nationalspieler sehr, betonte eine Regierungssprecherin gestern in Berlin. Er habe Großartiges für die deutsche Nationalmannschaft geleistet. Jetzt habe er eine Entscheidung getroffen, „die zu respektieren ist“. Der türkischstämmige deutsche Fußballer war vor der Fußballweltmeisterschaft wegen eines Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in die Kritik geraten. Danach hatte Özil geschwiegen. Am Sonntag erklärte er via Twitter, die Begegnung habe keinen politischen Hintergrund gehabt. Gleichzeitig beklagte er rassistische Angriffe und erhob Vorwürfe gegen deutsche Medien, den DFB und dessen Präsidenten Reinhard Grindel: „In den Augen von Grindel und seiner Unterstützer bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber Einwanderer, wenn wir verlieren.“ Die Integrationsbeauftragte des Bundes, Annette Widmann-Mauz (CDU), erklärte, bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln „müssen sich Nationalspieler Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben“. Zugleich dürfe diese berechtigte Kritik nicht in pauschale Abwertung umschlagen. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel sagte, Özil stehe „für die gescheiterte Integration von viel zu vielen Einwanderern aus dem türkisch-muslimischen Kulturkreis“. „Integrations-Träumerei“ funktioniere „nicht einmal bei Fußball-Millionären“. In der Türkei traf Özils Rücktritt auf Verständnis. Er habe ihm „aus der Seele gesprochen“, sagte der in Köln aufgewachsene türkische Parlamentsabgeordnete Mustafa Yeneroglu der RHEINPFALZ. „Trotz 92 Länderspielen immer noch Bürger auf Bewährung? Das geht natürlich nicht“, so Yeneroglu, der der AKP von Präsident Erdogan angehört. Yeneroglu weiter: „Es geht um Bevormundung, es geht darum, dass man den Migranten das einseitige deutsche Bild von Erdogan aufzwingen will.“ Der türkische Sportminister Mehmet Kasapoglu lobte Özils „ehrenhafte Haltung“. Hintergrund, Leitartikel: Seite 2

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