Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel US-Wein-Importeurin zur Stimmung nach Trump-Zöllen: „Wütend und frustriert“

Blick in ein Weinregal mit deutschen Weinen in den USA.
Blick in ein Weinregal mit deutschen Weinen in den USA.

Nicht nur deutsche Winzer, auch amerikanische Wein-Importeure leiden unter der Zollpolitik des US-Präsidenten. In der Branche herrscht Frust.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat sich vergangene Woche mit einer Tafel in den Rosengarten des Weißen Hauses gestellt und mit viel Brimborium Zölle angekündigt, die den Handel auf der ganzen Welt beeinflussen: Für Weine, die aus der Europäischen Union in die USA eingeführt werden, werden nun Zölle in Höhe von 20 Prozent erhoben.

Doch die Winzer und Weinmacher hatten schon Wochen vor Trumps Auftritt gespürt, dass sich etwas ändert. „Die Importeure aus den USA haben schon seit Anfang März keine Bestellungen für deutschen Wein mehr aufgegeben“, sagt Gerhard Brauer, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Weinexporteure. „Der komplette Export ist zum Erliegen gekommen.“ Anfang März hatte Trump Zölle auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren angekündigt und es wurde befürchtet, dass die Zölle für Wein sogar bei 200 Prozent liegen könnten.

So schlimm kam es dann doch nicht, doch die Diskussionen um die Zölle und die Unsicherheit über deren Höhe sorgten dafür, dass die amerikanischen Wein-Importeure die Bestellungen aus Deutschland einstellten. Brauer sagt: „Das komplette US-Geschäft ruht. Es ist katastrophal.“ Er wisse von einer Winzergenossenschaft an der Mosel, deren für den US-Export bestimmter Container schon im Hafen von Antwerpen war. „Sie haben ihn zurückgeholt“, sagt Brauer, Vorstandsvorsitzender der Ruppertsberger Winzergenossenschaft Weinkeller Hoheburg. Die Genossenschaft im Kreis Bad Dürkheim exportiert ihren Wein vor allem nach Skandinavien, ist also nicht direkt betroffen.

Pfälzer Winzer mit langjährigen Beziehungen in die USA

Hansjörg Rebholz aus Siebeldingen trifft Trumps Zollpolitik hingegen direkt. Der Winzer aus dem Kreis Südliche Weinstraße verkauft 15 Prozent seines Weins in die USA; ein Drittel des Gesamtexports geht in die Staaten. Es ist eine über 20 Jahre gewachsene Geschäftsbeziehung: Jedes Jahr ist der Winzer – und mittlerweile seine Söhne – für ein bis zwei Wochen in den USA unterwegs. Eine solche Beziehung baue sich langsam und über die Jahre hinweg auf, sagt Rebholz: „Sie brauchen eine gute Vertrauensbasis.“ Die Trump’sche Zollpolitik sei „kontraproduktiv“.

Rebholz vergleicht die Situation für Winzer, die nach Amerika exportieren, mit einem Zug, in dem die Notbremse gezogen wurde: „Es ist wie bei einer Vollbremsung.“ Derzeit wüssten die Winzer nicht, woran sie sind. „Wir müssen jetzt abwarten, wie die Importeure reagieren“, sagt Rebholz. Ende April ist in Mainz die Weinbörse des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), da seien die amerikanischen Importeure zugegen, berichtet Rebholz, der 25 Jahre lang an der Spitze des VDP Pfalz war. „Die Frage ist, wie die Importeure kalkulieren, damit die Weine nicht extrem teuer werden.“

Sein Betrieb wollte eigentlich einen Rotwein speziell für einen Händler in Amerika abfüllen, sagt Rebholz: „Und jetzt wissen wir nicht: Füllen wir oder nicht?“ Nicht nur die deutschen Winzer, auch die amerikanischen Importeure hängen in der Luft. The German Wine Collection, ein Wein-Importeur aus Kalifornien, hat – wie der Name schon sagt – nur deutschen Wein im Sortiment, darunter solche von mehreren Pfälzer VDP-Weingütern, unter anderem von Rebholz.

US-Importeurin: „Der Markt ist sehr preissensibel“

Chefin Jenna Fields bestätigt auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass der Import aus Deutschland wegen der Zölle pausiere. Sie hoffe aber, dass das Geschäft schnell wieder aufgenommen werden kann, schreibt sie aus Carlsbad, CA: „Wir werden als US-Importeure alles tun, um den Ruf und die Verbreitung des deutschen Weins weiter auszubauen, aber der Markt ist sehr preissensibel.“

Es ist nicht das erste Mal, dass es Zölle auf deutschen Wein gibt. Schon in seiner ersten Amtszeit hatte US-Präsident Trump Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Wein erlassen – mit dauerhaften Auswirkungen auf die Branche. „Die Absatzrückgänge wurden nie ganz wieder aufgefangen“, sagt Brauer. Aber die Weinerzeuger hätten sich „irgendwie über die Runden gerettet“ – schließlich kamen die Strafzölle erst 2019 – und damit in der zweiten Hälfte der Amtszeit, die Anfang 2021 endete. Ob das jetzt wieder so ist? „Eine Durststrecke von drei oder vier Jahren ist nicht durchzuhalten“, sagt Brauer. Denn am Ende, so fürchtet er, würden die Kosten für den Zoll an den Winzern hängenbleiben.

Dazu ein kurzer Ausflug ins Export-Geschäft mit den USA. Das System ist dreigliedrig aufgebaut: Es gibt einen Importeur, der den Wein ins Land bringt und an einen Großhändler verkauft, der dann wiederum mit dem Einzelhändler das Geschäft macht. Die Importeure müssen für die Zollgebühren aufkommen – eigentlich. Ansgar Schmitz, Geschäftsführer der Moselwein-Werbung mit Sitz in Trier, erklärt: „2019 haben sich einige Exportbetriebe die zusätzlichen Kosten mit den Importeuren geteilt beziehungsweise die Marge verringert, um die Weine in den USA nicht zu sehr zu verteuern und die Regalplätze zu halten.“

Mosel: „Stimmung ist nicht gut“

Stärker als die Pfalz, von wo aus laut Brauer weniger als ein Prozent der jährlichen Produktion in die USA exportiert wird, trifft es die Mosel: Zehn Prozent der Moselweine gehen in die USA. „Die USA sind größter Exportmarkt für Moselweine“, sagt Ansgar Schmitz von der Moselwein-Werbung. Jede dritte Flasche Wein, die die Moselaner ins Ausland schicken, wird in Amerika getrunken. „Die Stimmung der Betriebe, die in die USA exportieren, ist nicht gut“, berichtet Schmitz. Diejenigen, die viel in die USA ausführen, fürchten um ihren Absatz, die anderen befürchten, dass es zu mehr Absatzdruck im Inland oder in anderen Exportmärkten komme. Gerhard Brauer von der Ruppertsberger Genossenschaft berichtet, dass deutsche Wettbewerber Kunden aus der Gastronomie jetzt schon Angebote unterbreitet hätten, die „die Herstellungskosten nicht decken“.

Das Thema Zölle trifft auf eine ohnehin angespannte Lage im deutschen Weinbau: Der Weinkonsum im Inland geht zurück, die Produktionskosten – Personal, Flaschen, Korken, Energie – steigen. All das erschwere das wirtschaftliche Überleben der Betriebe, sagt Schmitz: „Sofern der Handelsstreit mit den USA länger andauert und die Zölle vielleicht sogar noch steigen, ist das eine zusätzliche Belastung für unsere Weinerzeuger in einem allgemein schwierigen Umfeld.“

„Dieser Handelskrieg ist schädlich“

Hansjörg Rebholz aus Siebeldingen ist sich sicher, dass der Export in die USA auch in Zukunft weitergehen werde: „Aber die Zollpolitik wird Einfluss haben auf die Bestellungen und auf die Preise.“ Gerhard Brauer sagt, Zölle in dieser Höhe könnten nicht an die US-Konsumenten weitergegeben werden und fürchtet: „Durch die Strafzölle wird es erneut zu einem Einbruch im Exportgeschäft kommen.“ An der Mosel hilft man sich mit einem Blick in die Geschichte: „Die Weinbautradition hat hier in 2000 Jahren schon viele Krisen überstanden. Daher werden die Strafzölle der USA auch nicht den Untergang des Moselweinbaus bedeuten“, sagt Schmitz. Weinexporteurin Jenna Fields aus Kalifornien hofft, dass sie bald wieder Weine aus Deutschland einführen kann. Doch die Laune in ihrer Branche sei im Keller, schreibt sie: „Die Stimmung ist geprägt von großer Wut und Frustration.“ Dieser Handelskrieg hätte nicht sein müssen und ist für Unternehmen in allen Bereichen unserer Branche, von Importeuren, Distributoren, Einzelhändlern bis hin zu Restaurants, äußerst schädlich.“ Auch sie hofft auf bessere Zeiten: „Wir bleiben optimistisch, dass diese Zölle nur von kurzer Dauer sein werden.“

Zur Sache

Die USA sind nach Angaben des Verbands Deutscher Weinexporteure der größte Exportmarkt für Weine aus der Europäischen Union: Die Ausfuhren in die USA machten 28 Prozent des Gesamtwerts der EU-Weinexporte aus. 13 Millionen Liter Deutschen Weins werden in die USA exportiert.

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