Südpfalz
Trumps Zoll-Chaos: Pfälzer Winzer hat Angst vor Wein-Flaute
Natürlich wird das alles „great“, einfach großartig, was denn sonst. „Ich weiß verdammt gut, was ich tue.“ Man hat sich inzwischen schon fast gewöhnt an dieses Gedöns aus dem Mund des Mannes im Weißen Haus. Aber Donald Trump hat mit seinen Zöllen nun ernstgemacht. Seit Mittwochmorgen gelten sie für Einfuhren in die USA. Auch in Landau und an der Südlichen Weinstraße gibt es zahlreiche Unternehmen, die ihre Produkte in die Staaten exportieren. Wie hart trifft sie der Zoll-Krieg?
„Die Zölle sind nicht das Hauptproblem, vielmehr steuern wir auf eine Weltwirtschaftskrise zu“, sagt Ulrich Dähne, Geschäftsführer von Stabila. Das Unternehmen aus Annweiler ist auf Messwerkzeuge wie Wasserwagen oder Zollstöcke spezialisiert. Auch im Bereich elektronischer Messtechnik ist die Firma weltweit führend. Laut Dähne wird rund ein Viertel des Stabila-Umsatzes in den USA generiert. Daher ist das Südpfälzer Unternehmen von den Zöllen direkt betroffen. Die Situation sei unklar, könne sich ständig verändern, sagt Dähne. Deshalb müsse man „täglich auf Grundlage der neuesten Entwicklungen“ Entscheidungen treffen. Langfristige Maßnahmen zu ergreifen, sei daher nicht möglich.
„Einer will Welt erobern, der andere sie zerstören“
Damit spielt Dähne vermutlich auf die Frage an, ob wegen der Zölle Teile der Stabila-Produktion in die USA verlegt werden könnten. Der Geschäftsführer betont jedoch, dass keiner der Wettbewerber des Unternehmens aktuell nennenswerte Mengen in den USA produziere. Er gehe deshalb davon aus, dass die Zölle geschlossen an die US-Kunden weitergegeben würden. Einen dauerhaften Verlust von Kunden und ein Erstarken von Konkurrenten befürchtet Dähne deswegen nicht. Die Preissteigerungen durch die verhängten Zölle führten aber „zu einer Inflation, die das Kaufverhalten der Kunden dämpfen dürfte“.
Für die deutsche Politik müsse es nun zwei Hauptthemen geben: die Stärkung der Wettbewerbs- sowie der Verteidigungsfähigkeit. „Im Osten sitzt einer, der will die Welt erobern, im Westen einer, der will sie zerstören.“ Hinsichtlich dieser grundlegenden Probleme seien innenpolitische Themen wie Mütterrente oder ein Rentenpaket geradezu absurd, die CDU/CSU und SPD bei den Koalitionsgesprächen verhandeln. Man habe in Annweiler schon einige Herausforderungen überstanden, das Vertrauen zwischen Stabila und seinen Mitarbeitern sei groß.
Zoll-Hammer trifft Südpfälzer Winzer
Trumps Zoll-Politik trifft auch Südpfälzer Winzer wie Ralf Anselmann. Der Edesheimer pflegt Kontakte in die USA, etwa zu Weinhändlern, die er bei seinen Besuchen dort aufgebaut habe. Eine fünfstellige Anzahl an Weinflaschen liefert er an Kunden über den Großen Teich. Den Großteil machten Weißweine aus, so Anselmann. Der trockene Riesling sei beliebt, bei Rotweinen seien es Dornfelder und Spätburgunder.
Anselmann hält die Strafzölle von 20 Prozent auf Wein für ein Unding in Zeiten des freien Handels. Sie würden auch zur Unzeit kommen, da die USA zuletzt ein leicht wachsender Markt für deutsche Winzer waren, obwohl man im Ausland einen schwereren Stand habe als früher. Aufgrund der höheren Produktionskosten seien die Erzeugnisse aus der Südpfalz und anderen deutschen Weinanbaugebieten nämlich teurer als jene aus anderen Ländern.
Automobilzulieferer prüft neue Strategie
Spannend wird sein, wie sich Trumps Wirtschaftspolitik auf Unternehmen auswirkt, die auf beiden Seiten des Atlantiks agieren, beziehungsweise durch Außenstandorte eng miteinander verbunden sind. So gehört der nach wie vor als Gillet bekannte Automobilzulieferer aus Edenkoben seit Mitte der 1990er-Jahre zum US-amerikanischen Konzern Tenneco. In dem Südpfälzer Werk, wo allein in der Produktion rund 750 Menschen tätig sind, hat man sich auf die Fertigung von Abgassystemen spezialisiert, die hauptsächlich für Lastwagen sowie Bau- und Landmaschinen gedacht sind.
Details, wo und wie sich die neuen Zölle bemerkbar machen werden, nennt das Unternehmen nicht. Die Pressestelle liefert vielmehr eine allgemeine Antwort auf die Anfrage der RHEINPFALZ. „Wir analysieren die Auswirkungen der neuen Tarife genau, um mögliche Folgen für unseren Betrieb und unsere Lieferkette abzumildern“, heißt es. Ziel sei es, einen „unterbrechungsfreien Service zu gewährleisten“. Darüber hinaus würden verschiedene Strategien untersucht, um auf die Veränderungen reagieren zu können.
Kunde will Presse lieber in den USA aufbauen
„Natürlich wird das Einfluss auf unser Geschäft haben“, sagt Stefan Herzinger, Geschäftsführer des Landauer Maschinenbauers Wickert, bei dem rund 200 Menschen beschäftigt sind. Das Unternehmen, das rund 50 Millionen Euro jährlich umsetzt, stellt vor allem Pressen her, mit denen Teile geformt werden können – vom Toilettensitz, über Bremsscheiben bis hin zu Pfropfen für Medizin-Ampullen. In der Corona-Zeit wurden vor allem auf Wickert-Pressen jene Pfropfen geformt, mit denen die Impf-Ampullen verschlossen wurden, besonders jene in den USA.
Wickert macht in den Staaten laut Herzinger rund 20 Prozent des Umsatzes. Und die Zoll-Politik zeige bereits Wirkung. Er habe die Tage eine Mail von einem Kunden aus Kolumbien erhalten mit der Bitte, die auf der Wollmesheimer Höhe, dem einzigen Wickert-Standort, gefertigte Presse noch nicht zu liefern, er überlege nämlich, diese in die Staaten liefern zu lassen. Denn der Kunde wolle womöglich in den USA die Produktion mit der Wickert-Maschine ausweiten statt wie geplant in die Kolumbien, um damit die Zölle zu umgehen – ganz nach dem Geschmack Trumps. „Daran sieht man schon, welchen Einfluss die Zölle haben, wie schnell Unternehmen und auch Länder einknicken“, sagt Herzinger.