Edenkoben
Pasta trifft Riesling und Co.: Gastronomen liefern Gastspiel in Weingut
Janina Berizzi merkt, dass Gäste bei ihnen im Weingut gerne noch etwas essen würden. Viel mehr als Knabbereien habe sie aber bislang nicht bieten können, obwohl sie auf dem Betriebsgelände in der Edenkobener Schanzstraße eine Küche haben. Die wird zwar für Kochkurse genutzt, hat aber noch Potenzial, um den Genussfaktor im Weingut zu erweitern.
Sie und ihr Mann, Winzermeister Julius Berizzi, hätten allerdings nicht die Kapazitäten, um parallel zur Arbeit im Weingut noch am Herd tätig zu sein. Zumal die Küche auch nicht darauf ausgelegt sei, ein kleines Lokal zu betreiben, mit dem sich ein Pächter seinen Lebensunterhalt verdienen könnte.
Aus München in die Pfalz
Nun aber holen sich die Berizzis zwei Gastronomen ins Haus, die für kulinarische Akzente im Weingut J. J. Berizzi sorgen sollen. Es sind nicht irgendwelche Leute, sondern Menschen, die bereits mehrfach in der Region bewiesen haben, dass sie im Gastgewerbe erfolgreich sein können.
Gemeint ist Joshua Leise, der sich bereits im Alter von 24, also vor sechs Jahren, im Restaurant Mural in seiner Heimatstadt München als jüngster Küchenchef einen Michelin-Stern verdiente, ehe es ihn nach Österreich verschlug. Ihm zur Seite steht Simi Berst, der auch in der bayerischen Hauptstadt tätig war, und zwar als Restaurantfachmann, bevor er wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrte: in die Pfalz. Dorthin verschlug es auch Leise. Die Region war dem gelernten Koch bereits bekannt, auch wegen der Weine, die in seiner früheren Wirkungsstätte auf der Karte standen. Zudem hatte er hier schon als Caterer gearbeitet.
Gastronomen bespielen Weingut-Küche
Leise und Berst sind inzwischen Geschäftspartner – und mit ihren Konzepten erfolgreich. Vergangenes Jahr hatten sie im Schloss Deidesheim für frischen Wind gesorgt. Inzwischen steht das Gasthaus Zum Winzer in Maikammer unter ihrer Regie. Seit März haben sie die Türen dort an vier Tagen die Woche geöffnet. Und die beiden sprühen so vor Tatendrang, dass sie jetzt noch Zeit dafür finden, im benachbarten Edenkoben ein Gastspiel zu absolvieren, neudeutsch auch Pop-up genannt. Seit dieser Woche werden sie bei den Berizzis zu Tisch bitten, und zwar an den Wochenenden bis 21 beziehungsweise 19 Uhr.
Diesen Mehraufwand trauen sich Leise und Berst zu. Neben ihrem festen zehnköpfigen Team gibt es immer wieder Freunde und Bekannte, die ihnen helfen. Außerdem ist die Zeit ihres Engagements in Edenkoben überschaubar. Bis zum Oktober ist die Kooperation geplant. Auch wird sich die Anzahl der Gäste in Grenzen halten. Bis zu 30 Personen werden bei schönem Wetter auf der Terrasse einen Platz finden können, bei schlechter Witterung gibt es auch Tische im Innenbereich. Hinzu kommt, dass die Hauptarbeit im Stammhaus in Maikammer geleistet wird. Dort wird alles so weit produziert, dass es nach dem Transport nach Edenkoben nicht mehr viel braucht, um die Mahlzeit auf die Teller zu bringen.
Pasta auf Zeit
Im Fokus ihres Gastspiels stehen Nudeln in ihren verschiedenen Variationen. Passend dazu nennt sich das Pop-Up „Pasta und Wein“. Die italienische Teigware bildet somit den Schwerpunkt des Ganzen, wobei Gäste diese auch um eine Vor- und Nachspeise ergänzen können. Auch Wildprodukte aus eigener Jagd wird es geben. Dafür ist Berst zuständig, dessen Revier hinter der Kalmit liegt. Neben den Weinen von Winzermeister Julius Berizzi werden auch internationale Tropfen ausgeschenkt, die Joshua Leise mit im Gepäck haben wird.
Nudeln bieten sich für das Pop-up an, weil sie laut Janina Berizzi einfach jedem schmecken. Das treffe zum Beispiel auch auf Pizza zu, für deren Zubereitung es aber einen größeren Ofen gebraucht hätte und bei der der Aufwand ein anderer sei als bei der selbstgemachten Pasta.
Janina Berizzi betont, dass es solche Ideen braucht, um den Weingenuss mehr zu einem Erlebnis machen zu können. Zumal man mit Regionalität punkten könnte. Ihr Betrieb ist 2019 aus dem Weingut Graeber hervorgegangen. Damals haben die studierte Betriebswirtin und ihr Mann das Objekt erworben, alles auf den Kopf gestellt und den Betrieb umbenannt. Sie bewirtschaften insgesamt 19 Hektar Rebfläche.

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