Speyer
Trumps Zölle: Wie stark ist Speyers Wirtschaft betroffen?
„Wir beobachten die aktuelle Entwicklung sehr genau“, erklärt zum Beispiel die Geschäftsführung der Thor GmbH in einer Stellungnahme. Allerdings sei es für das Chemieunternehmen noch zu früh, „um die langfristigen Auswirkungen der US-Zölle auf unser Geschäft abschließend zu bewerten“. Sobald alle Wechselwirkungen bewertet seien, „werden wir aktiv an Lösungen arbeiten, um als Teil der Thor-Gruppe die Thor GmbH in Speyer an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern“. Für Thor sind in Speyer in der Landwehrstraße rund 700 Mitarbeiter tätig. Schwerpunkt des international tätigen Unternehmens sind Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Spezialchemikalien wie technische Konservierungsmittel, Flammschutzmittel sowie Kosmetikadditive.
„Wir bekennen uns klar zum Freihandel“, teilt die Geschäftsführung auf Anfrage mit. Deshalb seien Handelshemmnisse wie Zölle „für uns ein wichtiges Thema. Wir hoffen, dass eine Eskalation des Handelsstreits vermieden werden kann, da ein solcher Konflikt niemandem hilft.“ Man appelliere an die Vernunft aller beteiligten Parteien, eine Lösung zu finden, „die freien Handel aufrechterhält und globale Zusammenarbeit stärkt“.
Thor minimiert Wege
Rund vier Prozent des Gesamtumsatzes der Speyerer GmbH im Geschäftsjahr 2024 seien mit Thor Specialities Inc., dem Verbundunternehmen in den USA getätigt worden. Etwa 75 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen auf Kunden in Europa – einschließlich Deutschlands. Aus ökonomischen und ökologischen Gründen werde – soweit möglich – lokal in den jeweiligen Märkten produziert. So sollten der Bedarf effizient gedeckt und Ressourcenverbrauch sowie Transportwege minimiert werden.
Auch für das Speyerer Unternehmen PM-International machen die USA „nur einen geringen einstelligen Anteil des Gesamtumsatzes aus“, so ein Sprecher. „Wir sehen daher keine bedeutende Auswirkung auf unser Geschäft.“ Die Firma agiert mit ihrer Eigenmarke FitLine in den Bereichen Kosmetik und Fitness. Dank des Logistikzentrums in Speyer und der starken Infrastruktur in Europa könne sie unabhängig von US-Lieferketten agieren. „Dies kommt auch unseren wachsenden Märkten in Südamerika, Mexiko und Kanada zugute. Diese können wir direkt aus Europa beliefern und so die Handelsbeziehungen weiter stärken.“ Als Lösung für Kunden und Partner in den USA habe man dort in einen eigenen Produktionsstandort für FitLine-Produkte mit strengen Standards investiert und bereits mit der Herstellung begonnen.
Rohre für die USA
Auch die Tätigkeit von Speyers größtem industriellen Arbeitgeber PFW Aerospace ist mit den USA verflochten: Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing ist einer der großen Abnehmer für Rohrleitungen und Komponenten und soll eigentlich weiter an Bedeutung als Kunde gewinnen. Auch Airbus-Teile aus Speyer werden in die USA exportiert, wo die Endfertigung unter anderem des A320 stattfindet. „Wir können noch nicht überblicken, welche Auswirkungen die Zölle auf uns hätten“, sagt PFW-Betriebsratschef Steffen Gollinger. PFW-Teile gingen in viele Länder. Die Handelshemmnisse seien ein großes Thema für die Arbeitnehmervertretung sowie die Geschäftsführung, die sich dazu auf Anfrage nicht geäußert hat.
Bei Mercedes-Benz ist vor genau zehn Jahren das „Consolidation Center“ als Logistik-Umschlagplatz in Speyer-Süd in Betrieb gegangen – bewusst mit dem Ziel, Autoteile in die USA zu liefern. In 7,9 Hektar Hallenfläche sollten Teile für Daimler-Autowerke in den USA, in China und Südafrika umgeschlagen werden. Zu konkreten Folgen für den Standort äußert sich ein Firmensprecher auf Anfrage nicht. Er verleiht jedoch der Hoffnung auf einen konstruktiven Dialog und eine faire Verhandlungslösung zwischen der EU und den USA Ausdruck. Mercedes-Benz setze sich für freien Handel ein, der Wohlstand sichere.
Umsatzanteile relativ klein
Ein großer Zulieferer für den Kfz-Bereich ist auch Mann+Hummel. Der Filterproduzent mit rund 700 Mitarbeitern in der Brunckstraße stattet unter anderem Baumaschinen und Lastwagen aus. Hier hält sich Sprecherin Lisa Schiffgens mit einer Bewertung zurück, „weil wir noch nicht wissen, inwiefern Mann-Hummel als Filterhersteller direkt betroffen ist“.
Auch im Rathaus wird die Entwicklung beobachtet. Vieles sei noch nicht einzuschätzen, so Wirtschaftsförderer Mario Daum: „Die Ankündigung von Einfuhrzöllen würde in erster Linie produzierende Firmen treffen und darunter Hersteller von Autos und Pharmazeutika. Betroffen wären auch in Speyer ansässige mittelständische Maschinenbauer und Automobilzulieferer, Hersteller von Spezialchemikalien oder pharmazeutischen Vorprodukten.“ Jedoch seien die in den USA erwirtschafteten Umsatzanteile vieler Speyerer Firmen relativ klein.
