Pfalz Pfälzer Städte bereiten sich auf Blackout vor
Es war ein eindringlicher Appell vom Landauer Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU): Er rate den Bürgern dringend dazu, sich auf mögliche Krisenszenarien vorzubereiten – und zwar mit einem Vorrat an Lebensmitteln, Taschenlampen, Kerzen und Co. Es gehe ihm dabei nicht um Panikmache, betonte Hirsch. Aber die aktuelle Lage in Europa mache es erforderlich, „dass wir uns mit Szenarien beschäftigen, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären.“ Kaum ein Pfälzer Stadtoberhaupt hat die Sorge vor einer möglichen Energiekrise im Winter so deutlich ausgedrückt, wie der Landauer Oberbürgermeister. Alleine steht Hirsch mit dieser Haltung jedoch nicht da. Vielerorts bereiten sich dieser Tage Stadt- und Kreisverwaltungen darauf vor, welche Maßnahmen sie im Falle großflächiger Stromausfälle treffen müssen.
Experten schätzen Gefahr niedrig ein
Die Gefahr eines Blackouts, der weite Teile der Pfalz oder sogar des ganzen Landes lahmlegen würde, halten Experten weiterhin für äußerst gering. Dass es hingegen im Falle einer Gasmangellage oder einer Dunkelflaute – wenn weder Solar- noch Windenergie produziert wird – zu einem Spannungsabfall in den Stromnetzen und somit zu lokalen Stromausfällen kommen kann, erscheint durchaus möglich. Die Kommunen wollen daher nichts dem Zufall überlassen und bereiten sich gemeinsam mit den Feuerwehren auf das Szenario Stromausfall vor. Die RHEINPFALZ hat mehrere Kreise und Städte hierzu angefragt, wie deren Vorbereitungen konkret aussehen. Die Antworten sind unterschiedlich ausführlich, haben aber eines gemeinsam: Jede angefragte Kommune hat mittlerweile ein Krisenstab eingerichtet, der sich regelmäßig zu möglichen Gas- und Energiemangellagen berät. Ein wichtiger Bestandteil sind dabei Notfallpläne, die Verwaltung und Feuerwehr anwenden können, falls wirklich einmal der Strom ausfällt.
Wie so ein Plan aussehen soll, gibt unter anderem das rheinland-pfälzische Innenministerium vor. Unter der Checkliste „Einsatzmaßnahmen bei Stromausfall“ können Verwaltung, Feuerwehr, technische Hilfsdienste (THW) aber auch interessierte Bürger nachlesen, welche Maßnahmen die Rettungskräfte in einer solchen Lage ergreifen müssen. Dazu gehört, dass die Feuerwehren durch das betroffene Gebiet fahren und für Notrufe ansprechbar sind. Außerdem halten sie Kontakt zu den Energieversorgern sowie der Stadtverwaltung und koordinieren gemeinsam die Notstromversorgung für die kritische Infrastruktur. Zusätzlich gibt es Alarmsirenen sowie Apps, wie Nina oder Katwarn, über die Notfallmitteilungen an die Bevölkerung versendet werden können.
Blackout-Test in Landau, Satellitentelefone im Donnersbergkreis
Einige Kommunen geben darüber hinaus tiefere Einblicke in ihre Vorbereitungen. In Landau hat die Stadtverwaltung für den November gar einen Blackout-Test angesetzt, an dem die Notstromversorgung etwa im Rathaus unter Last getestet werden soll. Zudem sollen Anlaufstellen eingerichtet werden, von denen die Bürger im Falle eines Stromausfalls Notrufe absetzen können.
Die Stadt Pirmasens ist da schon einen Schritt weiter. Sie hat neben anderen Vorbereitungen Anfang Oktober bereits die Anlaufstellen bekannt gegeben. Darunter zählt unter anderem die Feuerwache in der Gasstraße, in die auch zeitgleich der Krisenstab des Rathauses sein Quartier beziehen würde. Ein Pirmasenser Radiosender stelle zudem sicher, dass er auch bei unterbrochener Stromversorgung Saft habe und Informationen an die Bevölkerung senden könne, erklärte Oberbürgermeister Markus Zwick vor Kurzem. Der Donnersbergkreis geht bei der Kommunikation, insbesondere zwischen Feuerwehren und Verwaltung, noch einen Schritt weiter und hat bereits Satellitentelefone angeschafft. Da bei längeren Stromausfällen auch die Trink- und Abwasserversorgung ausfällt, soll auch diese in Pirmasens mit Notstromaggregaten weiter betrieben werden können. In Ludwigshafen würden die Bürger an eigens eingerichteten Notfallbrunnen versorgt werden.
Städte empfehlen Notfallvorsorge für zu Hause
Und was kann der Bürger tun? Soll sich im besten Falle zumindest ein Notfallpaket anlegen, mahnt etwa Landaus Oberbürgermeister Hirsch und verweist dabei auf die Checkliste des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Im Donnersbergkreis veröffentlichte die Kreisverwaltung zuletzt eine eigene Broschüre für den Notfall. Eine Liste von Dingen, die jeder Bürger bei einem Stromausfall parat halten sollte, enthält: Taschenlampe, Batterieradio, Campingkocher, Ersatzbatterien und ein ausreichender Vorrat an Essen und Trinken.

