Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Lebensgefahr durch Heizlüfter und Co.

Wer seine Wohnung mit einem Holzofen heizen will, sollte diesen unbedingt vom Fachmann anschließen lassen.
Wer seine Wohnung mit einem Holzofen heizen will, sollte diesen unbedingt vom Fachmann anschließen lassen.

Holzkohlegrill, Heizlüfter oder Ofen Marke Eigenbau: Experten fürchten, dass in der Gaskrise einige Bürger aus Geldmangel nach alternativen Heizmethoden suchen. Doch das kann lebensgefährlich werden, warnen ein Feuerwehrmann und ein Schornsteinfeger aus Frankenthal.

Der Heizsaison sieht Jens Kleinschmager mit einem unguten Gefühl entgegen. Der Frankenthaler Schornsteinfegermeister, der einen von fünf Kehrbezirken der Stadt unter seiner Verantwortung hat, befürchtet: „Die Leute werden Behelfsheizungen organisieren, um Gas und Geld zu sparen.“ Bereits jetzt häuften sich die Anfragen bei ihm. „Ich werde in der Woche mehrmals angerufen, ob es möglich sei, einen Holzofen anzuschließen“, berichtet er. Kleinschmager befürchtet, dass etliche Bürger den Anschluss auf eigene Faust vornehmen. „Hiermit bringen sie sich und andere in Gefahr“, warnt der Handwerksmeister, der knapp 40 Jahre Berufserfahrung hat.

Das Problem: Bei Weitem nicht jeder Schornsteinschacht sei für einen Anschluss zum Holzofen geeignet. Nicht infrage kommen Kamine, die bereits für andere Feuerstätten wie Brennwertheizungen in Betrieb sind. Ebenso gebe es Schächte, die seit Jahren ungenutzt und daher nicht betriebsbereit sind. Für das Auge eines Laien seien sie funktionsfähig. Nur der Fachmann könne beurteilen, ob ein Kamin im Inneren bereits abgetragen wurde und ob er die erforderliche Länge habe, den Rauch sicher abzuleiten. Die Risiken schätzt der Schornsteinfeger als äußerst hoch ein. „Bewohnern und Nachbarn droht eine Vergiftung mit Kohlenmonoxid“, sagt Kleinschmager. Das farb- und geruchlose Gas verhindere die Sauerstoffaufnahme des Menschen und führe zu Kopfschmerzen, Übelkeit und im schlimmsten Falle zu Bewusstlosigkeit und Tod.

Möbel nicht zum Heizen geeignet

Doch ein fachgerechter Anschluss allein reicht nicht aus. Der Schornstein reaktivierter Holzöfen müsse mindestens zwei Mal gereinigt werden, um Verbrennungsrückstände zu entfernen. Wichtig sei auch, welches Holz verheizt wird. Weil dieser Brennstoff infolge der Gaskrise und wegen Lieferengpässen teurer geworden ist, rechnet Kleinschmager damit, dass Verbraucher sich in Eigenregie Holz besorgen, das ungeeignet ist. „Die Restfeuchte sollte höchstens 25 Prozent betragen“, sagt er. Zum einen reduziere eine höhere Wassermenge die gewonnene Wärmeenergie. Zum anderen könne sie zu Glanzruß führen. Dieser sehr harte Ruß lagere sich bei unvollständiger Verbrennung im Schlot ab und könne zu einem Schornsteinbrand führen. Ein bis zwei Jahre sollte das Holz vor dem Verbrennen gelagert werden, nennt der Schornsteinfegermeister eine Faustregel. Auch beschichtetes oder lackiertes Holz wie Sperrholz, Spanplatten und zersägte Möbel sollte nicht verheizt werden. „Wenn die Feuerstätte betriebssicher ist, dringen die Schadstoffemissionen zwar nicht in die Wohnungsluft, aber sie belasten die Umwelt“, informiert der Experte.

Bauanleitung im Internet

Kleinschmager warnt außerdem vor anderen Techniken, um sich Wärme in die Wohnung zu holen. Noch gut in Erinnerung hat er die Explosion in der Flomersheimer Straße vor rund zehn Jahren. Damals war dort die Gasflasche, die eine Kochplatte betrieben hatte, undicht gewesen. Als ein Bewohner das Licht eingeschaltet habe, sei die komplette Giebelwand durch die Druckwelle herausgedrückt worden. „Diese Methoden – vom Campingkocher bis zum Heizpilz – sind nur im Freien anzuwenden“, mahnt er eindringlich.

Offenes Feuer wie bei Holzkohlegrill und Feuerschale sei für geschlossene Räumen wegen der Brandgefahr völlig ungeeignet. Auch der Teelichtofen, für den im Netz aktuell vermehrt Bauanleitungen kursieren, bringe seine Nutzer in Lebensgefahr. Dabei werden mehrere Kerzen auf eine Tonschale gesetzt und mit einem Blumenkübel bedeckt. „Wenn der Tonbehälter zu hohe Temperaturen erreicht, kann sich das Wachs entzünden“, betont Kleinschmager.

Alte Heizlüfter können kippen

Auch der kommissarische Leiter der Feuerwehr Frankenthal, Frank Böhmer, sieht Anlass für eine eindringliche Warnung. „Wir haben Bedenken, dass Bürger veraltete Heizmethoden verwenden, um Geld oder Gas zu sparen.“ Böhmer appelliert an die Vernunft der Frankenthaler. Sein Hauptaugenmerk gilt dabei, neben dem für Wohnräume untauglichen Holzkohlegrill, dem Heizlüfter. Aus Angst vor einem Gaslieferstopp seien diese Geräte vermehrt angeschafft oder aus dem Keller geholt worden. Ältere Modelle seien jedoch meist nicht standsicher und nicht vor Überhitzung geschützt. Sie könnten beim Umkippen Brände verursachen. Keinesfalls sollten Heizlüfter an Mehrfachsteckdosen angeschlossen werden, warnt der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur. Denn: Wenn die Steckdosenleisten mit zu viel Watt überlastet sind, sei es nicht mehr weit bis zum Kabelbrand.

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