Pirmasens
Was passiert, wenn in Pirmasens weder Strom noch Gas fließen?
„Wir hoffen, dass der Fall nicht eintritt. Wir wollen aber jetzt ohne Druck schon vorbereitet sein“, begründet Oberbürgermeister Markus Zwick die Planungen, in die von der Feuerwehr, THW, Stadtwerke und Polizei alle nötigen Stellen eingebunden seien. Die Verwaltung bereite sich auf zwei Szenarien vor. Die Gasmangellage mit einem Wegfall aller Gaslieferungen und damit verbunden, großer Kälte in den Privatwohnungen sowie einem kompletten, längeren Blackout, bei dem der Strom nicht mehr funktioniere.
Hierzu werden Wärmestuben in Gebäuden eingerichtet, die an das Fernwärmenetz angeschlossen sind. Das werde selbst bei einem Stromausfall noch funktionieren, da im Heizkraftwerk der Stadtwerke ein Betrieb mit Öl möglich sei, das in ausreichendem Maße bevorratet worden sei, wie Zwick versichert. Im Heizkraftwerk könne zudem noch Strom produziert werden, der selektiv an bestimmte Gebäude geleitet werden könne, die dann praktisch eine Notstromversorgung haben. Zudem gebe es noch die Müllverbrennungsanlage, die mit Müll befeuert wird und weiter Fernwärme liefere. Da rund die Hälfte aller Pirmasenser Schulen mit Fernwärme versorgt werden, sei es sogar möglich im Fall eines Ausfalls der Gaslieferungen den Schulbetrieb in eingeschränktem Maß aufrechtzuerhalten, so Zwick.
Für die Wasserversorgung versichert der für Stadtwerke zuständige Bürgermeister Michael Maas, dass diese auch über einen längeren Zeitraum über Notstromaggregate sichergestellt sei. „Treibstoff haben wir genug, da sind wir sehr sicher“, so Maas. Gleiches gelte für die Abwasserversorgung in den Kläranlagen und Pumpstationen.
Für die Kommunikation im Fall eines Stromausfalls freut sich Zwick, dass die Feuerwehr in Pirmasens noch die Analogfunk-Infrastruktur beibehalten habe und nicht alles auf Digitalfunk umgerüstet sei. Da die Bürger in dem Fall kein Telefon und kein funktionierendes Handy mehr haben, werden fünf „Leuchttürme“ als Anlaufstellen des Katastrophenschutzes eingerichtet. Dort können Bürger Notrufe absetzen oder Erste Hilfe anfordern. Es werden die Feuerwache in der Gasstraße sein, wo auch der Krisenstab des Rathauses im Ernstfall einzieht, sowie die zwei Außenstandorte der Feuerwehr am Fahrschen Wald und in Gersbach. Außerdem dienen noch die Sanitätswache der Sondereinsatzgruppe (SEG) im Schachen (frühere Kraftpost) und der THW-Standort Husterhöhe als Leuchtturm. Die Bürger werden im Ernstfall mit mehreren Lautsprecherwagen und über Radio informiert. Mit einem Pirmasenser Radiosender sei dies so vereinbart und sichergestellt, dass dessen Sendeantenne Saft hat, wie es Zwick am Freitag ausdrückte.
Um weiterhin mobil zu sein, verfügten die Stadtwerke und die Feuerwehr über eigene Tankstellen, die mit Notstrom betrieben werden könnten. Andere Tankstellen werden derzeit versucht, mit Notstrom auszustatten.
Ein Relikt früherer Jahre, das Ernährungs- und Wirtschaftsamt, wurde reaktiviert. Hier könnte im Ernstfall, eines längeren Stromausfalls, die Beschaffung und Verteilung von Lebensmitteln organisiert werden. Pirmasens befinde sich in der glücklichen Lage, dass ein Handelskonzern sein Zentrallager in der Stadt habe, auf das zurückgegriffen werden könne. Außerdem gebe es noch einen Hersteller für Notnahrung, der bereits Feuerwehr und Wasserwerk der Stadtwerke mit Notrationen ausgerüstet habe. Bei der Feuerwehr sei beispielsweise gewährleistet, dass 50 Wehrmänner für zwei Wochen versorgt seien, wie Karl-Heinz Bär, Leiter der Feuerwehr informierte.
Zwick und Bär appellierten an die Bevölkerung sich vorzubereiten. Ein Notvorrat in jedem Haus, der wichtige Medikamente umfassen sollte, erspare den Hilfskräften viel Arbeit. Was in einen Notvorrat gehört, verrät eine Broschüre des Bundesamtes für Bevölkerungsschutzes und Katastrophenvorsorge. Diese wollte die Stadt für jeden Haushalt bestellen, habe aber nur 50 Exemplare erhalten, wie Zwick bedauert. Die Stadt werde nun ein Flugblatt drucken und eine Internetseite diesen Monat freischalten, um im Vorfeld für das Thema zu sensibilisieren.
Information
Im Internet beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenvorsorge unter www.bbk.bund.de/ratgeber