Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Architekt hat Pläne für Weiße Kaserne

Die Weiße Kaserne liegt zwischen Bahneinschnitt (links), Oselbachstraße (unten) und 22er Straße (rechts). Die Reithalle ist das
Die Weiße Kaserne liegt zwischen Bahneinschnitt (links), Oselbachstraße (unten) und 22er Straße (rechts). Die Reithalle ist das Gebäude am oberen Bildrand.

Die denkmalgeschützte Weiße Kaserne am Zweibrücker Bahneinschnitt gilt als Schmuckstück und als Sorgenkind. Jetzt gibt es eine neue Idee – und eine große Hoffnung.

Vor fast 30 Jahren hatte Zweibrücken gemeinsam mit dem Pirmasenser Investor Bernd Hummel eine Vision: Die denkmalgeschützte Weiße Kaserne aus dem 19. Jahrhundert sollte zu einem eigenständigen, nachhaltigen Stadtviertel werden, in dem die Menschen gleichzeitig wohnen, arbeiten, ihre Freizeit verbringen und ausgehen können. „Quartier écologique“, ökologisches Viertel, nannte sich das Projekt, aus dem nie etwas wurde. Ein Gebäude an der Oselbachstraße wurde saniert, eins daneben abgerissen, der Rest liegt im Dornröschenschlaf.

Ein kleiner Schritt, aber eine große Hoffnung

Jetzt könnte sie daraus erweckt werden, die letzte große militärische Fläche in Zweibrücken, die – anders als Flugplatz und Kreuzberg – noch nicht umgenutzt wurde. Es ist zunächst ein kleiner Schritt, aber verbunden mit einer großen Hoffnung: Der Zweibrücker Architekt Stefan Streuber möchte die Reithalle am östlichen Ende – Richtung ehemaliges Evangelisches Krankenhaus – zu Büros umbauen. Seit anderthalb Jahren sei er mit Besitzer Bernd Hummel im Gespräch, seit einem Jahr auch mit der Stadt. Am Mittwoch stellte er seine Pläne im Bauausschuss vor.

Die ehemalige Reithalle, hier ein Foto aus dem Jahr 2010, soll für gut anderthalb Millionen Euro umgebaut werden.
Die ehemalige Reithalle, hier ein Foto aus dem Jahr 2010, soll für gut anderthalb Millionen Euro umgebaut werden.

Der Architekt möchte „diese wunderbare Fassade“ der 1892 gebauten und zunächst von französischen Soldaten genutzten Halle komplett belassen, aber im Inneren ein neues Gebäude erschaffen. Das soll auf Stelzen stehen, da die Fensterbrüstungen erst bei 1,80 Meter beginnen – weil die früheren Nutzer auf Pferden saßen. „Kleine Verbrechen“ der Amerikaner möchte er beseitigen. Dazu zählen Verbindungsbauten aus Beton und die großen Werkstatttore. Der ursprüngliche Gedanke eines ökologischen Viertels „wird auch bei uns ein großes Thema sein“,versprach Streuber. Mit Hummel sei eine Absichtserklärung unterzeichnet. Mit dem Denkmalamt in Mainz sei er im Gespräch. Einen Zeitplan nannte er noch nicht.

Büro in der Schillerstraße wird zu klein

Das Gebäude möchte das Architekturbüro größtenteils selbst nutzen, da es am jetzigen Standort in der Schillerstraße Platzprobleme habe. Möglicherweise gibt es noch ein Büro zum Vermieten. Streuber kann sich vorstellen, die beiden Gebäude gegenüber der Reithalle in einem nächsten Schritt zu entwickeln.

Das mit den nächsten Schritten ist die große Hoffnung der Stadtverwaltung: dass Streubers Pläne zur Initialzündung werden. Dass weitere Interessenten kommen und die gesamte Kaserne nach und nach erneuert wird und sich mit Leben füllt. Kleine Schritte anstelle des großen Umbaus auf einen Schlag. „Da kommt jetzt ein bisschen Dynamik in die Geschichte rein“, sagte Oberbürgermeister (OB) Marold Wosnitza. Mit Kosten von 1,6 bis 1,7 Millionen Euro rechnet Stefan Streuber. Die Stadt möchte die Fläche wieder wie früher als Sanierungsgebiet ausweisen lassen. Das hat zur Folge, dass sich die Umbaukosten steuerlich abschreiben lassen.

„Menschen, die einen mutigen Schritt gehen“

Die Vertreter im Bauausschuss zeigten sich begeistert. Rolf Franzen (CDU) erinnerte daran, dass nun der Sohn das fortführe, was der frühere OB Hans Otto Streuber angestoßen hatte. Thorsten Gries (SPD) fand: „Das geht in eine Richtung, die wir in den letzten zwei Jahren in Zweibrücken erlebt haben. Menschen, die einen mutigen Schritt gehen.“ Norbert Pohlmann (Grüne) gefiel die Idee der kleinen Schritte: „Wir fangen klein an und arbeiten uns Gebäude für Gebäude vor.“ Harald Benoit (AfD) hielt das „Gebäude im Gebäude“ für „eine sehr geschickte Lösung“, und Kurt Dettweiler (FWG) freute sich, „dass was passiert“, und dann noch mit einem Architekten aus Zweibrücken – „was wollen wir mehr?“.

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