Zweibrücken
Erinnerungen eines französischen Soldaten: Belegte bei Besenbruch und Krawall-Amis
Als Jean-Ives Reviere das Gelände der weißen Kaserne betritt, kommen sofort die Erinnerungen an die 1960er Jahre hoch. „Da drüben beim Besenbruch, da gab es immer belegte Brötchen“, erzählt er auf Französisch, seine Frau Nada übersetzt. Das Ehepaar hat sich in Zweibrücken kennengelernt, erzählt Nada. „Ich hab damals beim Rohrbacher gearbeitet.“ Ihren Mann hat sie im Tanzcafé kennengelernt. Damals konnte sie kein Wort Französisch, und dennoch hat es zwischen den beiden gefunkt: „Für die Liebe braucht man keine Sprache“, sagt sie und grinst ihren Mann Jean-Ives liebevoll an.
Jean-Ives und Nada wohnten nicht in der Kaserne. Der Ehemann erzählt, dass es dort zwar Wohnungen gab, die waren aber für die alleinstehenden Soldaten und Offiziere gedacht. Das Paar bewohnte eine Wohnung nahe der Rennwiese – „Franzosen-Viertel“ habe das Areal dort früher im Sprachgebrauch geheißen. In der Kaserne, so Reviere, wurde mit Funk- und Radartechnik gearbeitet. Die Geräte wurden gewartet und repariert, es gab laut Jean-Ives aber auch Kurse fürs französische Militär, wie sie mit den Apparaten umzugehen haben. „Es kamen sogar Franzosen aus dem Süden unseres Landes hierher, um das zu lernen“, erinnert er sich.
Die Deutschen brachten Park-Bier vorbei
Das Ehepaar besucht Zweibrücken jedes Jahr. Die wirklich großen Veränderungen nehmen sie also genauso schleichend war wie die Einheimischen. Dennoch habe sich die Stadt im Vergleich zu den 60er-Jahren gewandelt, sagen sie. „Viele Cafés in der Innenstadt sind weg, da sind die Franzosen früher auch immer hingegangen“, sagt Reviere. Ebenso haben viele alte Geschäfte über die Jahre dicht gemacht, neue sind nachgezogen.
Vor allem die Erinnerungen an das immer gute Miteinander sind in seinem Kopf präsent. Die Deutschen und die Franzosen waren damals nicht verfeindet, obwohl der Zweite Weltkrieg gar nicht lange her war. „In den Pausen haben uns die deutschen Soldaten Parkbräu an den Zaun gebracht, das haben wir dann mit denen zusammen getrunken“, erzählt der Ex-Soldat. Und auch mit den in Zweibrücken stationierten Kanadiern gab es keinen Streit. Nur mit den US-Soldaten der Army musste man etwas vorsichtig sein, erzählt er. Die Franzosen wurden gewarnt, mit den Amis lieber keinen Streit vom Zaun zu brechen, gerne seien dann mal die Fäuste geflogen.
In Landau gab es Militär-Manöver
Und wie hat Revieres Familie auf die deutsche Freundin reagiert? „Meine Schwiegermutter war zunächst nicht begeistert“, erinnert sich Nada. Die Familie ihres Mannes stammt aus der Bretagne, im Zweiten Weltkrieg war die Region von den Deutschen besetzt und die Erinnerungen von Jean-Ives Eltern an den Krieg waren noch immer präsent. „Als sie mich aber dann kennengelernt hat, waren die Vorurteile schnell weg“, erzählt Nada weiter. Über die Jahre hat sie immer mehr Französisch gelernt, auch den französischen Lebensstil angenommen – sie beschreibt diesen als weniger stressig und zeitlich getaktet. Mit der Versetzung des Paares 1969 zurück nach Frankreich war die Verbindung zu Deutschland aber noch nicht ganz vorbei: 1977 wurde Jean-Ives Reviere, der zwischenzeitlich Kinder mit Nada bekommen hat, nach Landau versetzt. Dort sei das Kasernenleben anders gewesen als in Zweibrücken. „Es gab dort regelmäßig Militärmanöver. Das gab es hier ja nicht“, erklärt Nada.