Südwestpfalz / Thaleischweiler-Fröschen
Gesundheitswesen: Wo sollen all die Ärzte herkommen und wer soll das bezahlen?
Von den drei Krankenhäusern im Wahlkreis Pirmasens muss keins schließen. Das stellte die Bundestagsabgeordnete Angelika Glöckner (SPD) beim RHEINPFALZ-Wahlforum mit Schülern der IGS Thaleischweiler-Fröschen erst mal klar. Die Krankenhausreform sei spät gekommen, aber jetzt sei sie in Kraft und sichere unter anderem die Existenz der vergleichsweise kleinen Kliniken in Zweibrücken, Landstuhl und Pirmasens.
„Krankenhäuser schließen, die Menschen werden immer älter, das System ist jetzt schon überlastet. Wie wollen Sie die medizinische Versorgung einer greisen Bevölkerung sicherstellen?“ Das wollten die IGS-Oberstufenschüler wissen, und zwar nicht nur von Angelika Glöckner, die erneut für den Bundestag kandidiert, sondern auch von weiteren Kandidaten, die den Hut in den Ring geworfen haben: Florian Bilic (CDU), Dominik Fey (Grüne), Anne Oberle (FDP), Peter Kalmes (BSW) und Iris Nieland (AfD). Kandidat Daniel Melzel (Linke) wurde im Podium von Parteikollegin Ellen Oelkers vertreten.
Dass das Gesundheitssystem in seiner jetzigen Form trotz Krankenhausreform nicht mehr finanzierbar ist, darin gab Dominik Fey der These der Schüler recht. Als Gegenmittel empfahl er eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen. Schützenhilfe kam von links: Auch Ellen Oelkers plädierte für eine Gesundheits- und Pflegeversicherung für alle. Die Trennung in gesetzliche und private Krankenversicherung müsse aufgelöst werden, auch, um das Zwei-Klassen-System im Gesundheitswesen zu beenden. Auch Angelika Glöckner sprach sich für ein Ende des zweigleisigen Systems aus und forderte, dass alle in ein und dieselbe Kasse einzahlen.
MVZ, Telemedizin, weniger Papierkram
Um den Menschen eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung zu sichern, müsse man neue Wege einschlagen, meinte Anne Oberle. Sie nannte als Beispiel den Ausbau mobiler Arztpraxen und die Telemedizin. Beides spare Zeit und Ressourcen. Mehr Digitalisierung sei wichtig, so dass Ärzte Online-Sprechstunden anbieten können. Viel Kapazität werde im deutschen Gesundheitswesen für „Papierkram“ verschwendet, fand Oberle, und: „Dass ausländische Abschlüsse anerkannt werden, muss einfacher werden.“
Für Florian Bilic war es „ein sehr großes Problem“, dass es viel zu wenig Studienplätze für Medizin gebe, und das bei vielen Interessierten. Hier sei vor allem die Landesregierung in der Pflicht. Mit dem Verein „Ärzte für die Westpfalz“ – der Stipendien für Medizinstudenten vergibt, die sich dafür verpflichten, einen gewissen Zeitraum in der Westpfalz zu praktizieren – habe man im Wahlkreis seine Hausaufgaben gemacht. Damit korrigierte Bilic auch die Aussage Iris Nielands, die für Modelle wie in den Wahlkreisen Donnersberg und Kaiserslautern plädierte, wo es Stipendien für Medizinstudenten gebe. „Haben wir doch längst“, kam es da vom Podium.
Mehr Medizin-Studienplätze schaffen
Dass zu wenig Nachwuchs ausgebildet werde, diese Ansicht vertrat auch Nieland. Von den Hausärzten vor Ort gingen in den nächsten Jahren drei von vier in den Ruhestand, und um sie zu ersetzen, brauche man mehr junge Ärztinnen und Ärzte. Auch in der Pflege herrsche großer Personalmangel, „das kann so nicht bleiben“, so Nieland, die sich auch für den Erhalt kleiner Krankenhäuser in ländlichen Gegenden aussprach.
Die Bürokratie im Gesundheitswesen sei ausgeufert und müsse eingebremst werden, befand Peter Kalmes. „Wenn wir da nichts machen, wandern die Ärzte ins Ausland ab.“ Generell müsse der Arztberuf attraktiver werden, sonst könne es sein, dass bald Patienten bei keinem anderen Hausarzt mehr aufgenommen werden, wenn ihr bisheriger in Rente geht. Es gebe jetzt schon einige Praxen mit Aufnahmestopp. Da Hausärzte heutzutage auch nicht mehr rund um die Uhr arbeiten wollten, müsse man verstärkt auf Medizinische Versorgungszentren (MVZ) setzen.
Investitionen in MVZ und die Verbesserung der ambulanten Versorgung hießen auch Dominik Fey und Florian Bilic für gut. Fey zeigte als weitere Möglichkeiten die Gemeindeschwestern auf sowie die nicht-medizinischen Praxisassistenten, die die Hausärzte entlasten könnten. Bilic würde außerdem die Apotheken vor Ort stärken und die Telemedizin ausbauen.
Keine profitorientierten Krankenhäuser
Für Ellen Oelkers gehören Krankenhäuser unbedingt in die öffentliche Hand, wie sie sagte. Die Fallpauschalen müssten abgeschafft, mehr Personal eingestellt werden. Sie wolle keine privaten Versorgungszentren, „die dann auch Profit machen müssen“. Beim Thema Gesundheit dürfe das Geldverdienen keine Rolle spielen.
