Zweibrücken / Hornbach
Evangelisches Krankenhaus: Ex-EV-Mitarbeiterin erlebte auf dem Kohlhof ein Déjà-vu
2003 hat Michaela Jensen ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin im Evangelischen Krankenhaus begonnen. In der Klinik arbeitete sie bis zu deren Schließung im September 2016. „Wir waren wie eine Familie. Jeder kannte jeden. Ich wäre gerne bis zur Rente dort geblieben“, sagt die Anästhesieschwester rückblickend.
Bis zum Klinik-Aus arbeitete Jensen im Evangelischen. Dabei hätte sie früher gehen können. Sie hatte vom Nardini-Krankenhaus eine Stellenzusage erhalten. Die Übernahme scheiterte allerdings, erzählt Jensen. Grund war, dass das Nardini die Innere Abteilung des Evangelischen übernommen hatte. Deshalb durfte nur Personal aus diesem Bereich zum Nardini wechseln. „Ich stand dann wieder vor dem Nichts.“ Dann ergab sich jedoch eine neue berufliche Möglichkeit: eine Stelle auf dem Neunkircher Kohlhof. Dort arbeitet Jensen bis heute – ebenfalls als Anästhesieschwester.
In den letzten Monaten kaum etwas zu tun
Kürzlich machte der Kohlhof in den vergangenen Monaten ähnliche Schlagzeilen wie einst das Evangelische. Monatelang wurde über den Umzug der Kinderklinik an das St. Wendeler Krankenhaus diskutiert. Jensen sagt: „Für mich war das wie ein Déjà-vu. Genau dasselbe wie damals.“
Nun kommt es – zu Jensens Vorteil – doch anders. Die Kinderklinik auf dem Kohlhof bleibt, das Krankenhaus soll zu einer Spezialklinik für Kinder, Jugendliche und Geburtshilfe ausgebaut werden. Zukünftig soll es eine Notfallambulanz für Kinder und Jugendliche sowie für die Gynäkologie geben. Das Sozialpädiatrische Zentrum soll bestehen bleiben und erweitert werden. Dafür sollen allerdings alle bisherigen Abteilungen wegfallen. Das hätte Auswirkungen auf 130 Vollzeitstellen. Der Kohlhof-Betreiber kündigte an, dass die Beschäftigten wählen könnten, ob sie am Kohlhof bleiben und sich für eine der verbleibenden Abteilungen umschulen lassen, nach St. Wendel in die andere Marienhaus-Klinik wechseln oder sich einen neuen Arbeitsplatz suchen möchten.
Zurück zu Jensens Zeit im Evangelischen Krankenhaus: Die letzten Monate auf dem Himmelsberg waren für sie eine schwere Zeit. „In der Anästhesie gab es kaum noch etwas zu tun“, erinnert sie sich. Hauptgrund dafür war, dass die Geburtenstation bereits einige Wochen vor dem Klinik-Aus geschlossen worden war. In der Anästhesie war man in den letzten Monaten vom Vor-Ort-Dienst in die Rufbereitschaft gewechselt. Viele Mitarbeiter gingen früher, das Haus wurde mit der Zeit immer leerer. „Als klar war, dass wir zumachen, sind dann auch die Patienten weggeblieben“, sagt Jensen bedrückt.
Im Ferienjob die Jalousien geputzt
An ihren allerletzten Dienst erinnert sich Jensen nicht mehr im Detail. Dafür aber an ein Abschlussfest. Die Belegschaft ging zum Ende noch einmal gemeinsam durch das gesamte Haus. Ein emotionaler Moment. „Wir haben da endgültig registriert, dass es vorbei ist.“ Der enge Zusammenhalt in der Belegschaft machte sich laut Jensen nicht nur bei der Arbeit bemerkbar, sondern auch bei den alljährlichen Betriebsausflügen. Mal ging es in den Kurpfalzpark, mal wurde ins Rimschweiler Tiefental gewandert und dort anschließend gegrillt. Noch heute trifft sich die ehemalige Anästhesie-Abteilung des Evangelischen regelmäßig, berichtet Jensen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die EV-Familie auch zehn Jahre nach dem Aus der Klinik noch immer zusammenhält.
Michaela Jensen arbeitete 13 Jahre lang als Pflegekraft im evangelischen Krankenhaus. Eigentlich hatte ihre Verbindung zum Haus jedoch schon deutlich früher begonnen. „Ich hatte Ferienjobs im Krankenhaus. Da haben wir die Jalousien geputzt“, erinnert sie sich. Ein Erinnerungsstück aus ihrer Zeit auf dem Himmelsberg besitzt sie bis heute: ihr altes Namensschild – wie bei vielen ehemaligen Mitarbeitern des Evangelischen eingefasst in ein pink umrandetes Ansteckschild.
Die Serie
Vor zehn Jahren, im September 2016, schloss das Evangelische Krankenhaus in Zweibrücken für immer. Die RHEINPFALZ hat mit Ex-Mitarbeitern der Klinik gesprochen. Wie war es, damals im Evangelischen zu arbeiten? Wie haben die Mitarbeiter die Monate vor der Schließung erlebt? Wie geht es für sie weiter? Welche Zukunft sehen sie für ihr Evangelisches? Die bisher erschienenen Teile finden Sie hier.


